Endlich ist ein großer baulicher Schritt am Moritzburger Hellhaus getan!

Das Hellhaus, Januar 2021, Foto: D. Lohse;

Über viele Jahre, genau genommen seit 1945, schien gar nichts zu gehen am mitten im Wald hinter dem Schloss gelegenen Hellhaus – keine Nutzung, z.T. unklare Zugehörigkeit, dafür fortschreitender Verfall und schließlich 1989 Brandstiftung. Das Hellhaus liegt auf einem Hügel etwa 800m nordöstlich vom Barockschloss und diente im 18. Jh. der Jagd. Es besteht aus zwei massiven, achteckigen Etagen und zwei Dachgeschossen mit einer Plattform auf dem Dach. Im Erdgeschoss gab es verschiedene Abstell- und Funktionsräume, im hohen OG war ein kleiner Saal mit Austritten und Geländern (hier konnten früher, wenn die Jagd erfolgreich war, intime Feste gefeiert werden) und im ersten DG waren kleinere Wohnräume. Im 20. Jh. wurde es von den Wettinern wohl nur noch selten genutzt.
Von der Plattform aus konnte ein Akteur durch Flaggenzeichen den Jägern anzeigen, in welcher der acht Schneisen das Wild gesichtet wurde und in welcher Richtung es sich weiter bewegte. Auch als Ruine war es auch stets ein Kulturdenkmal.
Uns muss klar sein, dass in Moritzburg das Barockschloss nach 1945 immer an erster Stelle beim Publikumsinteresse, bei der Mittelbewilligung und der Werterhaltung (wenn das Gerüst einmal ums Schloss gewandert war, fing es wieder von vorne an) lag. Dann folgte mit Abstand an zweiter Stelle das Fasanenschlößchen und sein Umfeld. Und erst an dritter Stelle der Wettiner Hinterlassenschaften wäre das 1776 erbaute Hellhaus, ein Denkmal der Jagdausübung dran gewesen, wozu es aber offiziell bis 1989 nie kam und auch nach 1990 noch lange nicht dran war. Inzwischen ist der staatliche Forstwirtschaftsbetrieb Eigentümer dieser Immobilie geworden und seit 2020 tut sich nun wirklich etwas am Hellhaus. Was täglich von vielen Spaziergängern beobachtet wird, ist keine Notsicherung, sondern die 1. Baustufe, also die äußere bauliche Fertigstellung. Welche Nutzung das vollständig sanierte Hellhaus einmal haben wird, ist noch nicht beschlossen, zeichnet sich aber in groben Umrissen ab: Museum zur höfischen Jagd in verschiedenen Jahrhunderten, Forstwirtschaft in Sachsen heute und Schule des Waldes, also eventuell entsprechende Lehrveranstaltungen für Schulklassen. Eine Jahreszahl, wann das so weit sein wird, kann heute noch nicht genannt werden. Die 1. Baustufe muss die Gewähr sein für weitere Baustufen und wird damit schließlich auch die endgültige Fertigstellung des Hellhauses bewirken. Was ich bisher auf der Baustelle im Moritzburger Wald gesehen habe, stimmt mich froh und optimistisch, endlich tut sich hier was!

Aufmaßzeichnung von Studenten, 1949, „Kulturlandschaft Moritzburg von 1945 – 1990“, Gerhard Glaser, Sandsteinverlag Dresden, 2010

Bei meiner Recherche zu dem Artikel bin ich, was die jüngere Geschichte des Hellhauses betrifft, auf interessante Verbindungen zwischen den Nachbarkommunen Moritzburg und Radebeul gestoßen, die ich hier einmal zusammenfassen möchte. Den Wenigsten dürfte bekannt sein, dass es zwischen 1945 und 1989, also in der Zeit als sich von offizieller Seite scheinbar niemand um das Hellhaus kümmerte, sich ein paar Radebeuler Bürger in bescheidener Weise um den Erhalt dieses Bauwerks gekümmert haben – ich kann also nur die Radebeuler Linie beschreiben. Das soll nicht ausschließen, dass sich in der Zeit auch Moritzburger oder andere Bürger, die mir nicht bekannt sind, um das Hellhaus in irgend einer Weise bemüht haben – die müssten sich aber bitte selbst zu Wort melden. Da wäre zunächst der alte Radebeuler Baumeister Franz Jörissen (1895-1996) zu nennen, der schon früher mit Prinz Heinrich aus dem Hause Wettin bekannt war und in den 50er und 60er Jahren den damaligen Direktor Herrn Frenzel gut kannte und an die Erhaltung des Hellhauses als einen Bestandteil des Schlosses Moritzburg erinnert hatte. Seine Tochter Elisabeth Jörissen (verheiratet Kaufmann) hatte als studentische Übung Detailzeichnungen für neue Hellhausfenster angefertigt – zur Ausführung sind sie m.E. nicht gekommen. 1964 bot sich der Baumeister an, für eine kleinere Instandsetzung Holz, Zement und Kalk beschaffen zu können, wohl für die Zumauerung der EG-Fenster – man erinnere sich, wie schwierig das zu der Zeit war! Anfang der 60er Jahre erhielt der Radebeuler Stud. Arch. Ulrich Aust, der spätere Zwingerbaumeister, durch Vereinbarung zwischen dem Institut für Denkmalpflege und dem Schlossdirektor einen befristeten Pachtvertrag für das Hellhaus, um mit kleineren Werterhaltungsmaßnahmen den weiteren Verfall zu bremsen und Vandalismus durch Fremde mit zeitweiser Anwesenheit im Hellhaus zu begegnen. Als Aust als fertiger Architekt dann mit anderen Aufgaben beschäftigt war, setzten Anfang der 70er Jahre Freunde und Kollegen von Aust – u.a. die Radebeuler Volker Röhricht, Dietrich Lohse und Dietmar Kunze – diese Tätigkeit am und im Hellhaus fort. Aber zu gelegentlichen Einbrüchen ins Hellhaus kam es weiterhin, obwohl es da eigentlich nichts zu klauen gab. An ausgewählten Wochenenden wurde tags gearbeitet und abends manchmal auch mit Freundinnen, bzw. Ehefrauen gefeiert, wir erinnern uns gern an diese Zeit. Ein neuer Direktor des Schlosses Moritzburg, Herr Jehmlich, war aber nicht bereit, o.g. Vertrag zu verlängern, tat aber auch seinerseits nichts Wesentliches für das Hellhaus, so dass unsere Hilfsaktion 1975 endete.
In den späten 80er Jahren gab es von Seiten der Schlossverwaltung einen angedachten Rettungsversuch für das Hellhaus, wofür Architekt Feigenspan, Boxdorf, ein Projekt ausarbeitete, der aber schon daran scheiterte, dass eine Bereitstellung der dazu benötigten Medien – Wasser, Strom, Telefon – mitten im Wald damals nicht zu realisieren war. Dann brannte 1989 der Dachstuhl durch Brandstiftung ab und gleich nach der Wende gab es viele andere wichtige Aufgaben in Moritzburg. Später trennte sich die Schlossverwaltung von der schwierigen Immobilie, für mich schwer nachzuvollziehen – von nun ab gehörte das Hellhaus zum Staatlichen Forstwirtschaftsbetrieb.
Nachdem Architekt Dr. Dietmar Kunze mit seinem Dresdner Büro Kunze und Zerjatke ein paar Planungsaufträge für das Barockschloss und das Fasanenschlößchen realisiert hatte, ging er an die Vorbereitung für das Hellhaus, das er also nie aus dem Auge verloren hatte, und holte kurz vor seinem Tod noch die denkmalschutzrechtliche Genehmigung für die Rekonstruktion des Hellhauses ein.

Rohbaufertige Gaupe in der Werkstatt Grätz, Januar 2021, Foto: D. Lohse

Auftraggeber für die 1. Baustufe (äußere Instandsetzung des Hellhauses) ist der Staatliche Forstwirtschaftsbetrieb. Die Bauplanung und Bauausführung geschieht unter Leitung des Staatsbetriebes Sächsisches Immobilien- und Baumanagment (SIB). Die Verantwortung für das Bauprojekt liegt in den Händen von Maximillian Kunze, Architekten Kunze Reisnecker, Dresden. Ich betrachte es als einen sehr glücklichen Zufall, dass der Sohn von Dietmar Kunze da weiter arbeiten kann, wo Dietmar plötzlich und unerwartet aufhören musste. Ein Projekt zur Landschaftsplanung, hierzu zählt u.a. der Ausbau der Schlossschneise als Baustraße, wurde vom Büro Michael Simonsen ausgearbeitet.
Als die wichtigsten bauausführenden Betriebe sind die Coswiger Firma Holzbau Grätz und die Dachdecker Täuber – Kühnel, Altenberg, zu nennen. Der zweigeschossige Dachstuhl über achteckigem Grundriss und mit vielen Gaupen ist fast abgeschlossen und sicherlich keine alltägliche Bauaufgabe. Dem historischen Bild entsprechend, kommen bald wieder Biberschwanzziegel auf das Dach und als oberer Abschluss wird das eiserne Geländer wieder aufgebaut. Beide Betriebe haben bereits auf anderen Baustellen, die Fa. Grätz z.B. den neuen Glockenstuhl der Friedenskirche in Radebeul, bewiesen, dass sie denkmalpflegerische Aufgaben gut bewältigen können.
Ein bisschen gewundert habe ich mich (ich war längere Zeit nicht da gewesen), dass das Gebäude auf dem Hügel nun „so im Freien“ steht, war da ein Sturmschaden gewesen oder haben die Bauleute diese Baufreiheit gefordert? Ich hatte doch noch die Erinnerung an einen dichteren und älteren Bestand von Bäumen rund ums Hellhaus im Kopf, darunter auch Weymouthskiefern und Lärchen, ein romantischeres Bild eben. Aber früher, also im 18.Jh., dürften die Bäume auch nicht dicht am Gebäude gestanden haben, die wären ja der Parforcejagd hinderlich gewesen. Die Baustelle werde ich sicherlich weiterhin im Blick behalten und freue mich mit allen am Bau Beteiligten, wenn die 1. Baustufe am Hellhaus bald fertiggestellt sein wird.
Ich bedanke mich herzlich bei Herrn Christian Lehmann aus Moritzburg für das Gegenlesen meines Manuskriptes.
Da ich früher schon mal über das Hellhaus in V+R berichtet hatte, möchte ich auch auf den Artikel im Augustheft 2003 verweisen.

Dietrich Lohse

Quellen:

1. „Beschreibende Darstellung der älteren Bau-und Kunstdenkmäler des Königreichs
Sachsen“, Cornelius Gurlitt, Verl. C.C. Meinhold u. Söhne, Dresden, 1904
2. „Landkreis Meißen – seine Städte u. Dörfer“, Günter Naumann, Kreissparkasse
Meißen, 1998
3.„Kulturlandschaft Moritzburg von 1945 – 1990“, Gerhard Glaser, Sandsteinverlag
Dresden, 2010 (von da eine Zeichnung mit Zustimmung des Verfassers übernommen)

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