Denkmalpflege – Denkmalschutz

Das Hellhaus in Moritzburg im sogenannten Tiergarten, nördlich des Schlosses Moritzburg, wurde Ende des 17. Jahrhunderts ein sternförmiges, achtarmiges Schneisensystem im Walde angelegt, das zur Perforcejagd dienen sollte. Der Schnittpunkt der Schnelsen lag auf einer Moränenkuppe, die Helle genannt, und trug zunächst ein hölzernes Gerüst, von dem der Jagdgesellschaft durch Flaggenzeichen vom Gerüst aus das Wild angezeigt wurde. Etwa um 1780 musste das hölzerne Gerüst durch einen achteckigen, zweigeschossigen, massiven Turm mit Mansarddach und Plattform ersetzt werden, Hell-, Hellen-, seltener auch Höllenhaus genannt. Der spätbarocke, zum Klassizismus hin orientierte Bau entstand also fast gleichzeitig mit dem Fasanenschlösschen in Moritzburg. Die exakte Zuordnung des Entwurfes zu einem Architekten dieser Epoche ist nicht belegt; vergleichende Untersuchungen sprechen aber für eine Urheberschaft von Johann Daniel Schade, dem Architekten des Fasanenschlösschens.
Dieser schlichte, ausgewogene Bau diente mit der oberen Plattform immer noch Jagdzwecken, war aber mit Nebengelass im Erdgeschoss, einem kleinen Saal mit Musikerloge im Obergeschoss und acht Kammern im Dachgeschoss ein königlicher Jagdpavillon – an den Balkongeländern kündeten bis vor kurzem die Buchstaben „FA“ von Friedrich August III als Erbauer. Das als Schlösschen im Miniformat zu umschreibende, turmartige Bauwerk zeugte von gebremster Prachtentfaltung und gemäßigteren Ansprüchen des Königshauses als noch zu Zeiten August des Starken. Die Zeit des Hochbarock (Dresdner Zwinger, Schloss Moritzburg) war vorbei, nach dem Siebenjährigen Krieg musste überall in Sachsen gespart werden. Auf Anraten von Forstmeister Heinrich Cotta ließ man rund um das Hellhaus am Anfang des 19. Jahrhunderts Weymuthskietern und Lärchen pflanzen, die eine schöne Baumkulisse bildeten, leider mittlerweile auch schon dezimiert, Gegenüber dem 17. und 18. Jahrhundert ging im 19. Jahrhundert das Jagdwesen zurück, auch die Art zu Jagen änderte sich, Perforcejagden und die damit verbundenen sternförmigen Schneisen waren aus der Mode gekommen. Man nutzte das Hellhaus mit seinem Ambiente anders und wohl auch seltener. Gelegentliche kleine Feiern von Mitgliedern des Königshauses, wie Teestunden, Kammermusik oder nur ein Halt bei Ausritten fanden wohl bis 1945 statt.
Unweit des Hellhauses vergruben die Prinzen gegen Ende des zweiten Weltkrieges Teile des wertvollen, königlichen Hausrates – Porzellan, Glas und Silber. Gefunden wurde einiges davon schon bald von russischen Soldaten, anderes später, Schlagzeilen machten die Funde eines Schatzsuchers in den Jahren 1996 und 1997, u. a. mit dem Mohrenkopf und der inzwischen in England versteigerten silbernen, mit Edelsteinen besetzten Blumenschale aus der Dinglinger-Werkstatt. Nach 1945 nutzte zunächst die Rote Armee den markanten Geländepunkt einige Zeit als Funkstation. Später erörterte Gedanken, dem Gebäude einen Sinn und eine öffentliche Nutzung zu geben, ein kleines Café oder eine der Jagd gewidmete Museumsabteilung, scheiterten wohl auch am Geld, was für das große Schloss ohnehin nie reichte, aber vor allem an der Erschließung – es fehlt Strom, Gas und Wasser, das Wegenetz ist als Zufahrt nur bedingt geeignet, alle Anbindungen sind mindestens einen Kilometer vom Hellhaus entfernt.
Es gab in den siebziger Jahren ein Gerücht: Manfred Krug wolle das Hellhaus kaufen, Geld hatte er wohl genug – wie dem auch sei, man wollte nie an Privat verkaufen. Seit den sechziger Jahren hatte allerdings der Radebeuler Architekt Ullrich Aust einen Nutzungsvertrag für das Hellhaus. Es waren aber auf dieser Basis nur kleinere Erhaltungsarbeiten möglich, die den generellen Verfall nur kurze Zeit aufhielten. ln dieser Zeit wurde nach der Arbeit gelegentlich auch im Freundeskreis bei Kerzenschein gefeiert und Wein getrunken, woran sich auch der Verfasser noch gern erinnert.
Allerdings richteten ungebetene Besucher z. T. vom nahen Campingplatz immer wieder Schäden am Gebäude an, teilweise nur aus Neugier oder Abenteuerlust. 1989 schließlich brannte das Hellhaus, wahrscheinlich durch Brandstiftung, aus. Die Schlossverwaltung Moritzburg veranlasste daraufhin wenigstens eine Notsicherung – ein flaches Notdach, vermauerte Fenster und Türen, die wertvollen schmiedeeisernen Balkongeländer wurden abgenommen und sicher eingelagert und ein Bauzaun wurde aufgestellt. Damit ist das Kulturdenkmal notdürftig für die nächsten Jahre gesichert, ein Schattendasein führt es weiter. Für eine denkmalgerechte Instandsetzung wird man aber immer nach einer Nutzungsidee fragen. Diese liegt nicht auf der Hand und so dreht sich das Thema Hellhaus im Kreise…
Das bisher letzte Kapitel des Hellhauses ist die Übertragung der Ruine in einen anderen Ministeriumsbereich; kürzlich wurde dieser Teil des Forstes und das Hellhaus als „Paket“ an das Ministerium für Landwirtschaft und Forst weitergegeben. Ein neuer Impuls, Pläne für das Hellhaus? Bislang Fehlanzeige, der Dornröschenschlaf geht weiter.
Dietrich Lohse

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