Radebeuler Miniaturen

Bildlich gesprochen

Bild: T. Gerlach


Mit jähem Hieb schlägt Ulrike auf die Taste. Das Radio schweigt sofort.

Radiohören schadet ihrer Gesundheit, sagt sie und beginnt den Küchentisch leerzuräumen.

Aber es ist gut und wichtig, daß berichtet wird, wende ich ein.

Mag sein, daß das gut ist, faucht sie, vielleicht ist es sogar richtig und wichtig, aber du mußt schon das Gemüt eines Fleischerhundes haben, um das auf die Dauer auszuhalten.

Vermutlich tust du dem armen Hund jetzt Unrecht, versuche ich, zu scherzen.

Ulrike breitet indessen Papiere aus. Sie wühlt in alten Beständen, bis sie ein uraltes Blatt Scherenschnittpapier findet. Sie schneidet es auf Format, malt mit dem Bleistift ein Gewölk in die Mitte und beginnt, es mit der Nagelschere auszuschneiden. Sie geht sehr akribisch zu werke.

Das muß sitzen, sagt sie, ich brauche beide Teile.

Sie greift zur Leimtube und klebt die beiden Teile auf getrennte Blätter. Hier sieh, sagt sie dann:

Das Gehirn eines uni(n)formierten Despoten – einmal von innen und einmal von außen …

Sie geht hinaus und ich frage mich …

Wie lange, frage ich mich, hält die alte Erde das noch aus …

Thomas Gerlach

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