Eine Glosse

Oma und Opa

Schon meine Oma hat mir immer Geschichten erzählt, wahre, erdachte, erdichtete, erträumte und sicher auch gelesene – etwa Grimms Schauermärchen oder gar aus der Bibel. Das war die Zeit als Omas noch tief gläubig waren. Ob die Geschichten vielleicht erfunden, erlogen, erstunken oder im Rausch erlebt sein könnten, kam mir damals überhaupt nicht in den Sinn. Von so etwas hatte ich ja auch keinen „blauen Schimmer“. Völlig unvorstellbar! Da habe ich noch an das Gute im Menschen geglaubt. Obwohl…, so manches kam mir denn doch etwas spanisch vor. Aber meine Oma war wirklich eine liebenswürdige, hochanständige Frau, die keiner Seele je etwas zu Leide tun konnte. Die würde doch nicht…? Und wenn ich mir das jetzt so genau überlege, dann hat Oma auf gar keinem Fall gekifft! Zu jener Zeit dachte ich auch noch, dass alles wahr sei, was Erwachsene mir erzählten. Heutzutage würde ich da nicht einmal mehr für alle Omis die Hand ins Feuer legen.

Wenn ich beispielsweise an Politiker denke, da frage ich mich mitunter, ob die selber an den Unsinn glauben, den sie erzählen. Namen will ich jetzt lieber keine nennen: Nicht, das am Ende der Eine oder Andere noch einen hochroten Kopf bekommt, etwa wie mein Opa, der bei der kleinsten Kleinigkeit immer wie eine Rakete abging und an die Kinder Backpfeifen verteilte und der Oma auch noch gleiche welche anbot, wenn sie sich dazwischen stellte.
Da wird von sicherer Gasversorgung geschwafelt, aber die Speicher sind nur mäßig gefüllt. Die Einen sollten vor Jahren Waffen zu Pflugscharen schmieden, um ohne Waffen Frieden zu schaffen, und bei den Anderen sollen eben diese Waffen den Frieden bringen. Nach dieser Logik ist der Verkauf eigener Immobilien, um sich in fremde einmieten zu können, eigentlich nur eine Frage der geschickten Argumentation. Mein Opa hatte auch immer Recht, und wenn nicht…!

Die Krux war nur, dass ich damals nicht klein bleiben wollte, etwa wie „Eddy – Der Elefant“ von Hans Traxler. Als Opa mir später erklärte, dass der Regenwurm auch so ein Herz habe wie er, glaubte ich das natürlich nicht mehr und habe ihn müde belächelt. Was wir beide damals aber nicht wussten, ist die Tatsache, dass der Regenwurm gar über 10 Herzen (sogenannte Gefäßschlingen) verfügt, die aber mit Nichten so aussahen wie unsere Herzen. Die Wirklichkeit ist eben verzwickter, als wir beide sie uns vorzustellen vermochten. Das mussten in der letzten Zeit auch so manche Minister erfahren.

Da bewahrheitet sich eben, dass sich der Mensch in einem lebenslangen Lernprozess befindet. Nur hat sich das leider noch nicht überall herumgesprochen. Deshalb fängt man mitunter immer wieder von vorn an, bestimmte Dinge zu erklären. Beispielsweise, dass der Neubau einer Schule in einem dicht besiedeltem Wohngebiet keine gute Idee ist oder die Erhaltung eines Gebäudes mitunter besser und nachhaltiger ist als dessen Abriss.

Klar, geschwindelt habe ich auch manchmal, aber nur ein wenig. Erwachsene aber sagen immer die Wahrheit – so glaubte ich jedenfalls. Weil…, ja, warum eigentlich? Weil sie eben Erwachsene sind! Und wenn sie, die immer Recht haben, nicht gestorben sind, dann ist das eben auch heute noch so!

Euer Motzi

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