Markus Retzlaff „Das Frühwerk“ Malerei von 1984 – 1991

Selbstbildnis an der Staffelei, Öl auf Platte, 1986, 84 x 60 cm

Markus Retzlaff ist in Radebeul und weit darüber hinaus vor allem bekannt als Grafiker, denn seit vielen Jahren ist für ihn die Grafik das Medium, in dem er sich am besten ausdrücken kann und in der er sich im wahrsten Sinne des Wortes zu Hause fühlt. Alle Spielarten von Hoch- und Tiefdruck beherrscht er vollendet. Die Radierung und verwandte Techniken bilden die bevorzugte Arbeitsweise für ihn. Schwerpunkt ist die Aquatinta, denn sie lässt ein reiches und differenziertes Arbeiten zu.
Die Ausstellung, zu der auch ein Katalog erschienen ist, beschränkt sich auf Wunsch des Künstlers auf die Malerei der frühen Jahre. Diese Arbeiten sind bis heute nur einem kleineren Kreis bekannt und befinden sich in zahlreichen Privatsammlungen. Von Freunden und Kennern wurde das Werk in seiner Kraft und Originalität jedoch schon früh erkannt. Nach der Porzellanmalerlehre war er von 1983 bis zum Beginn des Studiums freischaffend tätig und wurde 1988 Kandidat im Verband Bildender Künstler der DDR. Als einer der jüngsten Künstler nahm er mit 26 Jahren an der letzten Bezirkskunstausstellung des Bezirkes Dresden 1989 teil.

Fastnacht, Öl auf Leinwand, 1985-86, 153 x 113 cm

Diese Ausstellung fiel genau in den Herbst der Friedlichen Revolution. Die Endzeit der DDR spiegelt sich in den teils düsteren Farben der Gemälde wieder. Markus Retzlaff war und ist ein „realistisch“ arbeitender Künstler und wollte kein Neuerer oder Umstürzler sein. Als bodenständiger und mit seiner Umgebung vertrauter Mensch ist ihm diese Arbeitsweise am Nächsten. Durch das Überarbeiten und Verfremden wird jedes gegenständliche Motiv zur künstlichen Welt – wobei dieser Begriff bereits unscharf ist, denn alles uns Umgebende ist bereits künstlich, vom Menschen formiert, mitunter auch deformiert. Die Malerei von Markus Retzlaff ist im besten Sinne visio (Wahrheitsschau). Diese Art der Kunst ist einerseits vergeistigte Sinnlichkeit und vergeistigte Natur, anderseits geträumte Realität. Sie erlebt die Dinge mit intensiver Sinnlichkeit und stellt sie doch wieder in Frage.
Wir freuen uns, das Frühwerk von Markus Retzlaff nun einem größeren Publikum zugänglich machen zu können und danken dem Künstler und den Leihgebern sehr herzlich.

Alexander Lange

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