Wie bunt ist Coswig wirklich?

Spaziergang mit Carl Romer durch die Große Kreisstadt Coswig

Teil 5

Bild: I. Rau


Bild: I. Rau


Unlängst spazierte ich in die Stadt, um nach der Umsetzung der Beschlüsse des Stadtrates zu sehen. Ich traute meinen Augen nicht, denn in Höhe der neuen Feuerwache kommt mir Herr Romer entgegen. “Wo wollen Sie denn so ganz allein hin?”, fragte ich ihn. “Ja mein Herr, Sie haben mir schon so viel in meiner Heimatstadt Coswig gezeigt. Aber heute wollte ich mir mal selbst ein Bild machen von der von Ihnen hinterfragten grünen oder bunten Stadt. Ich bin sehr erstaunt, wie sich z.B. der Baumbestand des Bürgerparkes entwickelt hat und wie doch die heutigen Coswiger sich darin tummeln. Überzeugt hat mich auch die neue Feuerwache, denn ich habe mich gleich mal führen lassen durch die Räumlichkeiten. Was können Sie mir nun heute zeigen, wenn Sie mir schon mal über den Weg laufen?” Nun dann nutzen wir doch gleich mal diesen schönen Frühlingstag heute, um uns mal Ihre alte Heimstatt ansehen, da wo Ihre Gewächshäuser und Ihr Pflanzenüberwinterungshaus standen. “Donnerwetter, meine Linden sehen ja prächtig aus, auch eine Lücke wurde bepflanzt. Und dann sind ja auf dem Straßenschild Romerstraße auch meine Geburtsdaten aufgelistet. Ich kann mich noch gut an die Bekanntmachung vom 19. April 1907 erinnern, als dies im Coswiger Tageblatt veröffentlicht wurde, nachdem der Weg ja vorher nur als W.W. bezeichnet war. Na ja, ich habe ja auch einen Teil der Straße finanziert und dafür sogar die Steine ranschaffen lassen.1 Ist die Verwaltung (damals die Amtshauptmannschaft) immer noch so träge, wie es damals bei der Genehmigung war?” “Na ja”, druckste ich rum. “Dies ist nicht ganz so einfach zu beantworten. Heute hängt so viel an Fördermitteln durch den Freistaat oder den Landkreis. Aber lassen wir das!”. “Jedenfalls bin ich erfreut, dass meine Straße einen so guten Eindruck macht”. “Ja, nur die Parksituation ist teilweise katastrophal wie Sie sehen. Da wird gerade am Wochenende rechts und links geparkt und Bürger mit Kinderwagen oder Rollstuhlfahrerhaben ihre Probleme auf den Fußwegen, durchzukommen. Manchmal frage ich mich schon, warum die Anwohner die Tiefgaragenplätze nicht nutzen oder ihre Gäste das Parkverbot so einfach ignorieren! Übrigens hat man 1991 ihre Straße noch erweitert um die damalige Dr. Kurt Fischer-Straße. Wie Sie sehen, sind sehr viele Neubauten errichtet worden!”

Bild: I. Rau


Bild: I. Rau


“Lieber Herr Romer, hätten Sie nun was dagegen, wenn wir jetzt in meine moderne Dieselkutsche einsteigen und zur Villa Teresa fahren. Ich hatte Sie ja schon darauf verwiesen!” “Das freut mich sehr!”, entgegnete er sofort. “Das dürfen Sie auch, denn hier haben der Förderverein und die Stadtverwaltung mit der Kulturbetriebsgesellschaft sehr viel für die Coswiger und ihre Gäste getan und auch den Park toll gestaltet. Unlängst beim Parkfest, das von jungen Musikern und jungen Künstlern des Gymnasiums mit ausgestaltet wurde, hat man den Start für die Gestaltung des noch verwilderten Teils des Gartens (genannt -verlorener Garten-) gestartet, sodass er in Summe eine tolle Begegnungsstätte für alle Parkbesucher sein wird. “Ich bin überwältigt von dieser Anlage! Teresa und Eugen d’Albert würden sich sehr freuen, wenn sie dies alles hier noch sehen könnten!” “Übrigens hat man im Festsaal mit Unterstützung von diversen Sponsoren den Steinwayflügel wieder aufgearbeitet, sodass er bei den diversen Konzerten, die hier stattfinden, die Gäste sehr erfreut an Musik und dem Flair dieser Begegnungsstätte überhaupt”2. “Geniessen wir doch den Park mit seinem Teich, dem Pavillon und dem schönen Baumbestand! Haben Sie nicht auch wieder einen Tropfen Wein dabei?” fragte er hinterlistig. “Aber natürlich, ich kenne doch Ihre Vorlieben für die guten Coswiger Weine!” Während unserer Rast im Park der Villa wollte er auch über Neuigkeiten aus der Stadtpolitik unterrichtet werden. “Momentan ist schon Sommerpause, Ausschüsse fallen aus mangels Beschlussvorlagen. Aber im Hintergrund beschäftigen wir uns schon mit den letzten Infos zur Bebauung des Areals an der Schillerstrasse. Viele Anlieger haben hier ihre Einwände und Bedenken an die Stadtverwaltung gesendet, wobei u.a. die Parksituation auf der Schillerstr. selbst viel Ärger herauf beschwört. Dazu gehört auch die künftige Zufahrt zu der Tiefgarage, denn die sollte nicht in der Schillerstr. liegen, sondern auf die Weinböhlaer Str. raus führen. Hier hat die Kreisstraßenverwaltung ihre Einwände eingelegt. Aber wir bleiben dran!”, versicherte ich ihm. “Das gefällt mir, wenn die Bürger hier Sachargumente vortragen und die auch vom Stadtrat gehört werden!”,meinte er mit verschmitztem Lächeln. Das Grinsen kam natürlich bei mir an. Ob er und die Stadträte sich damals auch mit solchen Problemen rumgeschlagen haben? Nach unserer ausgiebigen Wein- und Diskussionspause setzten wir uns wieder in meine Kutsche und ich chauffierte ihn noch zu unserem Stadtbad in Kötitz mit dem schön angelegten Campingplatz, der momentan sehr ausgebucht war. Herr Romer staunte über die Vielfalt der Kennzeichen der Autos und Wohnwagen aus Deutschland und dem Ausland. Ich erläuterte ihm, dass dieser Platz in der Begutachtung im Internet toll bedacht wird. Von den Coswigern und ihren Gästen wird sowohl die Kiesgrube, u.a. mit einem Teil als FKK-Strand, als auch das Kinderbecken mit Rutsche, die Sport- und Spielflächen daneben und die Gasthausbewirtschaftung sehr gut angenommen. Daneben erwähnte ich noch, dass demnächst das Gelände noch um eine besondere Sondergolfanlage erweitert wird. Herr Romer nahm dies alles mit großem Staunen in sich auf und bekundete seine Hochachtung von all diesen Neuigkeiten aus Coswig. “Nun kutschieren sie mich aber zurück zu meiner Stele im Park neben dem Museum!” forderte er mich auf. Gern kam ich dieser Bitte nach. Ich versprach ihm, unsere Rundfahrt demnächst durch die Ortsteile von Coswig weiter zu führen.

Eberhard Bröhl

1 Petra Hamann, Coswig hat Geschichte , Wissenswertes und Amüsantes aus dem Stadtarchiv, NOT schriften-Verlag, Herausgegeben von der Großen Kreisstadt Coswig, 1. Auflage 2012 ISBN 978-3-94200-82-2
2 Infos zum Förderverein der Villa Teresa im Internet unter https://www.villa-teresa.de

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