22. Thematischer Filmclubabend

Das Wanderkino Filmclub mobil macht im Monat April Station im Bunker Oberlößnitz. Gezeigt wird der DEFA-Film „Das Beil von Wandsbek“ aus dem Jahre 1951. Die literarische Vorlage bot hierfür der gleichnamige Roman von Arnold Zweig (1887-1968). Dem im Exil lebenden Schriftsteller war im Jahr 1938 die Zeitungsnotiz „Selbstmord eines Henkers“ aufgefallen, was ihn zum Schreiben des Romans veranlasste. Darüber hinaus verknüpfte Zweig die Handlung mit den Geschehnissen um den „Altonaer Blutsonntag“, der am 17. Juli 1932 eskalierte. Es fielen tödliche Schüsse und die Nazischergen nutzten das für ihre Zwecke. Obwohl die vier, von einem Sondergericht verurteilten Kommunisten unschuldig waren, wurden sie hingerichtet.

Der Roman erschien 1943 auf Hebräisch und 1947 auf Deutsch. Die DEFA-Verfilmung kam 1951 in die Kinos und wurde nach wenigen Wochen vor allem auf Druck sowjetischer Funktionäre aus dem Verleih genommen. Somit war das „Beil von Wandsbek“ der erste, von über 30 verbotenen DEFA-Filmen. Aus Anlass des 75. Geburtstages von Arnold Zweig wurde der Film ab 1962, allerdings stark gekürzt, für die Aufführung in Kinos wieder zugelassen. Die vollständige Version (110 Minuten!) kam erstmals im Jahr 1981 zur Aufführung.

Obwohl das Regiedebüt von Falk Harnack (1913-1991) aus fachlicher Sicht als eine seiner besten Kinoarbeiten eingeschätzt wird, fiel diese Romanverfilmung der politischen Zensur, zum Opfer. Angeblich sei der Klassenstandpunkt nicht eindeutig herausgearbeitet. Dem Publikum wurde vorsorglich die eigene Urteilsfähigkeit abgesprochen, denn es hätte den Henker, der auch ein überzeugter Nazi war, womöglich bemitleiden können. Weitere Handlungsstränge gewährten differenzierte Einblicke in den Lebensalltag sehr unterschiedlicher sozialer Schichten und deren Verstrickungen in das NS-System.

Harnack wiederum, der selbst aktiven Widerstand gegen das Naziregime geleistet hatte, kehrte der DDR enttäuscht den Rücken. Ab Ende der 1950er Jahre drehte er in Westdeutschland vorwiegend Fernsehfilme und galt als einer der bedeutendsten Filmregisseure der Nachkriegszeit. Für den Schauspieler Erwin Geschonneck (1906-2008) war das Weggehen keine Option und so durchlebte er die widersprüchliche DDR-Kulturpolitik bis zum gesellschaftlichen Umbruch als ein wacher und kritischer Geist. Selbst Arnold Zweig, der 1948 aus dem Exil nach Ostberlin zurückgekehrt war, um beim Aufbau einer neuen fortschrittlichen Gesellschaftsordnung mitzuwirken, geriet als Kunstschaffender mehrfach in Konflikt mit den starren Vorgaben durch die Politik.

„Das Beil von Wandsbek“

1951, DDR, DEFA, 110 Minuten, s/w, FSK 12

Regie: Falk Harnack; Drehbuch: Hans-Robert Bortfeldt, Falk Harnack, Erich Conradi; Musik: Ernst Roters; Kamera: Robert Baberske; Besetzung: Erwin Geschonnneck (Albert Teetjen, Metzgermeister und Henker), Käthe Braun (Stine Teetjen, Ehefrau des Metzgers), Gefion Helmke (Dr. Käthe Neumeier, Amtsärztin), Arthur Schröder (Dr. Koldewey, Gefängnisdirektor), Hermann Stövesand (Timme, einer der vier Verurteilten), Willy A. Kleinau (Footh, Reeder und SS-Standartenführer) u. v. a.

Handlung: Hamburg/Wandsbek 1934. Das Eingangsbild zeigt Kinder, die auf der Straße Himmel und Hölle spielen. Unbekümmert lärmen sie vorm Laden des Metzgermeister Teetjen, der sie immer wieder verjagt. Die Stimmung ist angespannt. Die Geschäfte laufen schlecht. Die Konkurrenz ist groß. Ein Beil vom Großvater ist des Metzgers ganzer Stolz. Deutsche Wertarbeit! Mit seiner Frau Stine träumt er davon, den Laden zu modernisieren. Doch dafür fehlt das Geld.

Ein ehemaliger Kriegskamerad könnte helfen. Der Reeder Footh ist zum SS-Standartenführer aufgestiegen, hat Geld und Einfluss. Dieser wiederum wünscht sich, dass der Führer nach Hamburg kommt. Doch da gibt es ein Problem. Schnell sind noch vier Kommunisten hinzurichten. Dass sie unschuldig sein könnten, spielt hierbei keine Rolle. Was fehlt, ist ein Scharfrichter. Da kommt der Metzger gerade recht. Für 2.000 Mark lässt er sich nach kurzer Bedenkzeit darauf ein und übernimmt diese Aufgabe. Allerdings unter der Bedingung, niemand darf etwas davon erfahren. Selbst seine Frau ahnt nicht, woher plötzlich, so viel Geld kommt.

Das kleine Glück im trauten Heim, währt jedoch nur kurze Zeit. Als herauskommt, wer das Beil geschwungen hat, ist die Empörung der scheinheiligen Mitbürger groß und sie meiden die Teetjes und deren Metzgerei. Das Beil macht Stine Angst. Doch Teetjen wird es einfach nicht los. Nur die Nazis feiern den Henker und dessen „vaterländische Tat“. Das Blutbeil erhält in ihrem Vereinslokal einen Ehrenplatz. Aber Stine findet keine innere Ruhe mehr und hängt sich schließlich auf. Nun erst beginnt auch der Metzger zu begreifen, dass er alles verloren hat. Es fällt ein Schuss. Der Metzgerladen ist geschlossen. Die Straße ist dunkel und leer.

Karin Baum und Michael Heuser
Sprecher der Cineastengruppe „Film Club Mobil“ im Radebeuler Kultur e.V.

Anmerkung: unter Verwendung von verschiedenen Filmbegleitmaterialien und Wikipedia-Eintragungen.
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Am Donnerstag, dem 23.4.2026, um 19 Uhr,
im Bunker Oberlößnitz, Hoflößnitzstraße 82, 01445 Radebeul
Reservierungen ab sofort unter 0160-1038663

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