Frühlingsblüher im Himmelsbusch

Das ist die Drossel, die da schlägt,
Der Frühling, der mein Herz bewegt;
Ich fühle, die sich hold bezeigen,
Die Geister aus der Erde steigen.
Das Leben fließet wie ein Traum –
Mir ist wie Blume, Blatt und Baum.

Theodor Storm (1817 – 1888)

Corydalis cava im Himmelsbusch
Foto: G. Seidel


Wir schreiben den 10. Januar. Sturmtief “Elli” hat sich mit einigen ungelenken Pirouetten verabschiedet. Über Radebeul breitet sich eine geschlossenene Schneedecke aus. Nachmittägliche Sonnenstrahlen bringen die Lößnitzhänge zum Leuchten. Unsere Liegefenster haben dicke Schneepolster über sich gezogen.

Wettermeldungen überschlagen sich; prophezeien weiteren Schneefall, eiskalte Nächte und zu guter Letzt auch noch Regen auf diese Pracht.

Der 100-jährige Kalender verheißt einen langen eisigen Winter bis in den März. Aber es könnte ja auch ganz anders kommen.

Jedenfalls wird er zuverlässig wieder eintreffen – der Frühling. Wird uns seine Pretiosen übermütig in Wald und Feld darbieten. Auf ihn ist jedenfalls Verlass.

Wollen wir ihn besuchen?

Aufgestiegen zu den Ebenbergen folgen wir gewöhnlich der den Weinberg säumenden Mauer und geniessen Blicke ins Elbtal. Ab Ende März wählen wir aber den Weg hinter der Mauer durch den Himmelsbusch. Dort nämlich erfreuen uns größere Bestände einer trübviolett bis weiß blühenden Pflanze.

Der Hohle Lerchensporn, Corydalis cava, ist ein mehrjähriges Kraut und an ein Leben im lichten Laubwald angepasst. Er liebt feuchte, mullreiche, lockere Lehm- und Hang-Lössböden. Wir finden ihn links- und rechtselbisch recht häufig.

Bevor belaubte Bäume ihre Schatten werfen, durchläuft der Hohle Lerchensporn den sichtbaren Teil seiner Existenz. Die Pflanze wächst 20 bis 35 cm hoch. Eine tief im Boden verborgene, kugelige, braune, bald hohl werdende Sproßknolle (namensgebend) trägt den stets aufrechten Stengel mit zwei gestielten, doppelt 3-zähligen kahlen, blaugrünen Blättern.

Darstellung in: New Kre?terbuch, Leonhart Fuchs, 1543
Bild: Repro G. Seidel


Ihre eigenwillige Blütenform bescherte der Pflanze zahlreiche Trivialnamen (z.B. Lerchenhelm, Schopflerche, Zottelhose). Die Blüten sind zweiseitig symmetrisch und tragen einen langen Sporn, in den der Nektar abgeschieden und gesammelt wird.

Reichblütige Trauben von violett über rosa bis weiß verströmen einen lackartigen Duft.

Früchte zeigen sich als grüne Bälge, die schwarze Samen mit großem, äußerst nahrhaftem Anhängsel, einem Fettkörper, enthalten. Ameisen tragen diese Samen in ihre Baue und fördern damit die weitere Ausbreitung des Lerchensporns.

Er ist eine wichtige Futterpflanze für viele Fluginsekten; allem voran für solche mit langem Rüssel, wie z.B. Gartenhummel, gehörnte Mauerbiene, Pelzbiene.

Kurzrüsselige Insekten verstehen ein Loch in den Sporn zu beissen um so an die begehrte Tracht zu gelangen. Auch der Apollofalter ist abhängig vom Lerchensporn. Seine Raupe ernährt sich ausschließlich von dessen Blättern.

Lerchensporn wurde in zurückliegenden Jahrhunderten als Heilpflanze genutzt. Die Knollen wurden in Branntwein angesetzt und galten u.a. als Mittel gegen Magenbeschwerden und Herzrasen. Auch halluzinogene Wirkungen sind nachgewiesen. Heute gelten Anwendungen mit Verweis auf enthaltene Alkaloide (u.a. Bulbocapnin) als problematisch.

Sind Sie neugierig geworden? Dann sollten Sie die Apriltage zur Schau nutzen. Denn aufgrund seiner kurzen oberirdischen Vegetationsperiode wird sich der Lerchensporn bald komplett in die Wurzelknolle zurückziehen. Um sich dann im nächsten Frühling wieder dezent zu präsentieren.

Was übrigens den Herbst angeht: Unser Lerchensporn gilt als Lospflanze. Wenn am 1. Mai die Samen reif sind, ist ein gutes Weinjahr zu erwarten.

Gudrun Seidel

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