Finstere Zeiten
Es war der 2. Sohn von Dschingis Khan, Gründer des Mongolenreiches, Ögedei Khan, der 1235 auf dem „Schwarzen Fels“ die Kuriltai (Fürstenversammlung) einberufen ließ, die dann den in die Geschichte eingehenden Feldzug gen Westen beschließen sollte, in dessen Folge das bis dahin größte Reich auf dem Planeten entstand. Es erstreckte sich vom Stillen Ozean bis nach Osteuropa, vom Balkansee bis Estland, dem Vorderen Orient und bis zur chinesischen Insel Hainan. Der „Schwarze Fels“ wurde unter diesem Herrscher maßgeblich zur Hauptstadt des Reiches ausgebaut.
Dort aber, wo zur Blütezeit des Mongolenreiches dessen gigantische Heerscharen mit ihren 150.000 „Reitern des Teufels“ auftauchten, verdunkelte sich der Himmel. Auf ihrem nahezu geraden Weg nach Westen hinterließen sie eine Spur der Verwüstung, auch ohne Kampfbomber und Raketen. Dieser „Mongolensturm“, geführt von Batun Khan aus der Sippe von Dschingis Khan, fegte über Kleinasien hinweg, eroberte die Wolgabulgaren, machte Wladimir, Moskau, Kiew und andere Orte dem Boden gleich – so manchen würde es heute freuen –, besiegte das polnisch-deutsche Ritterheer und den ungarischen König Béla IV. Und beinah, beinah wäre auch das sich gerade vom Herzogtum Bayern „gelöste“ Österreich in die Hände der Mongolen gefallen, die noch bei der Wiener Neustadt unschlüssig herumstanden.
Und wie so häufig in der Geschichte, wendete ein Glücksumstand – in unserem Fall der Tod des Großkhans Ögedei – die Zerstörung von Wien, der Hauptstadt des nunmehrigen Herzogtums Österreichs, ab. Die Mongolen trabten nach Hause, denn dort wurde Batun Khan dringend erwartet: Ein neuer Großkhan musste gewählt werden.
In unseren Zeiten braucht man seinen „Sitz“ nicht mehr verlassen, um ein fremdes Land zu „erobern“. Das geht bequem von der eigenen Wohnstube aus, beispielsweise in Ramstein, mit Hilfe von Maschinen – auch dank der Künstlichen Intelligenz. Ob aber das der richtige Namen für ein System ist, welches keine humanen Werte kennt, kann in diesem Fall dahingestellt bleiben. Wann ist bei aller Friedensrhetorik, ein Krieg human? Ist es überhaupt noch denkbar, dass zur nächsten Wahl das Blatt noch gewendet werden kann?
Freilich, auch die Mongolen waren damals nicht zimperlich. Deren Kriegsführung war beweglich, setzte nicht wie bisher auf stammeszugehörig, sondern auf eine straffe militärische Führung mit Belohnung nach Leistung. Auch wurde mitunter die gesamte Einwohnerschaft eines Ortes um die Ecke gebracht. So konnte es aber auch geschehen, dass sie einfach weiterzogen, wenn eine Stadt sich partout nicht erobern lassen wollte. Was soll’s!
Damals war eben die Welt noch ganz anders. Haben die Mongolen die lange „Reise“ doch nicht ausschließlich unternommen, um die Ländereien zu besitzen, wie etwa die Römer. Vielmehr waren sie meist auf Beute aus. Freilich gab es auch in der Zeit der Mongolenherrschaft so was wie einen „Mongolischen Frieden“ (Wortschöpfung westlicher Historiker), um im Inneren des Reiches stabile soziale, kulturelle und wirtschaftliche Verhältnisse zu schaffen. Ihre Beweglichkeit war eben ihre eigentliche Stärke.
Um 1279 erreichte das Reich seine größte Ausdehnung und fiel nach 1307 in die Bedeutungslosigkeit. Nach 117 Jahren war der ganze „Mongolenspuk“ vorbei. Die wiedererstarkten Chinesen zerstörten schließlich 1388 den Sitz des Mongolenreiches Kakakorum und die Bewohner flohen in die nördliche Steppe. Heute kann man die nunmehrige Ruinenstätte dort besichtigen, weiß
Euer Motzi

