Aus meinen grafischen Tagebüchern
Ich denke nicht in Linien, sie passieren mir. Und dann sehe ich mich manchmal selbst in diesen Linien. Wenn sie sich winden, kreuzen, sich verlieren – so wie meine Gedanken, wenn ich versuche, Ordnung in mein Inneres zu bringen. Denn nichts läuft geradeaus. Alles tastet sich vor, zögernd, manchmal mutig, manchmal müde. Ein Spiegelbild der Wirklichkeit, aber auch als würden sie Erinnerungen nachzeichnen.
Die dunklen Linien stehen vielleicht für etwas Schweres, das, was bleibt, egal wieviel Zeit vergeht. Hellere Flächen sind vielleicht Atempausen, kurze Momente, in denen ich glaube, es könnte leicht sein. Sie gleiten nur kurz vorbei, wie ein Streifen Licht, den ich fast verpasse. Schraffuren flüstern von Tiefe, von verborgenen Schichten unter der Oberfläche. Alles existiert gleichzeitig, ohne sich gegenseitig aufzuheben.
Ich spüre Bewegung, auch wenn ich stillstehe. Ein inneres Drängen, ein Weitergehen, selbst im Chaos. Diese Grafik ist kein Bild von außen – sie ist ein Zustand. Mein Zustand. Unruhig, überlagert, ehrlich. Und genau darin bin ich ganz bei mir und meine Grafik fühlt sich an wie ein innerer Monolog. Er erzählt nicht was gefühlt wird, sondern wie es sich anfühlt.
Matthias Kratschmer


