Singe, wem Gesang gegeben Die Gesangspädagogin Jutta Arlt und der Kammerchor der Musikschule Radebeul

Foto: privat

In diesem Herbst freuen sich Schüler, deren Eltern, das Lehrerkollegium und musikinteressierte Radebeuler über den langersehnten Einzug der Musikschule Meißen/Radebeul in ihr neues Domizil. Das alte Verwaltungs- und Unterrichtsgebäude auf der Dürerstraße, über viele Jahrzehnte von Sang und Klang erfüllt, ist nun verstummt. Einem ganz besonderen Klang wollen wir hier aus aktuellem Anlaß nachlauschen.
Am 21.08.2026 feierte die ehemalige Gesangspädagogin Jutta Arlt ihren 90. Geburtstag. Sie hatte die Musikhochschule in Dresden absolviert, ein Zufall entschied für sie zwischen Bühnenlaufbahn und Lehrtätigkeit. So begann sie 1959 als junge Gesangslehrerin ihre Tätigkeit in Radebeul, wenngleich sie auch immer wieder mit Liederabenden und bei Kirchenkonzerten solistisch auftrat. Hier an der Musikschule übernahm sie einige Schüler von ihrer Vorgängerin und stellte den Unterricht auf Einzelstunden um. Auch die Außenstelle der Musikschule in Radeberg fiel in ihre Zuständigkeit. Schon in den ersten Jahren gelang es ihr, junge Sängerinnen und Sänger auf die Hochschulreife für das Gesangsstudium vorzubereiten, die später als Solisten an Theatern in Radebeul, Halle und Meiningen tätig waren. Wir Schüler erlebten sie als zielstrebige Pädagogin, die die stimmlichen Möglichkeiten eines jeden von uns pflegte und entwickelte, aber auch als burschikose Lehrerin, der ein kameradschaftlicher Umgang wichtig war. Nach einem Abschluß nach 5 bzw. 7 Jahren bei ihr gelang es immer wieder einigen Absolventen, das Hobby zum Beruf zu machen, vielen anderen auch vermittelte Jutta Arlt die Fähigkeit zum Singen und die Freude daran so, daß diese schließlich als Stütze in Kantoreien und Chören der Region wirken konnten.

„Rosen für unsere Frauen“ im Kulturpalast Dresden, Jutta Arlt und der Kammerchor, Foto: privat

Am Ende eines jeden Unterrichtsjahres trafen sich alle Schüler mit ihren Eltern zur Musizierstunde im großen Raum im 1. Stock auf der Dürerstraße, um zu zeigen, was sie gelernt hatten. Dabei führte Jutta Arlt schon bald Schülerinnen und Schüler zu Duetten und kleinen Ensembles zusammen, um schließlich mit ihren Schülern den „Kammerchor der Musikschule Dresden-Land“ zu gründen. Vorbereitet im Unterricht, trafen wir uns nun zusätzlich noch einmal pro Woche zur Chorprobe. Für die ersten Auftritte bei den Musizierstunden hatten wir sogar Opernszenen aus „Zar und Zimmermann“ und dem „Wildschütz“ einstudiert, bei denen die Solorollen aus den eigenen Reihen besetzt wurden. Später konzentrierten wir unser Repertoire auf Madrigale, Volkslieder usw., wobei dieses „usw.“ auch politische Pflichtlieder aufwies. Auf den Leistungsvergleichen im Bezirk Dresden stieg der Chor rasch von der Leistungsklasse C zu A auf. Dabei wurde von der Jury bemängelt, daß die Titel des „kulturellen Erbes“ überwogen und die modernen Lieder als „Zugeständnisse wirkten“. Später sollte allerdings der Chor bei den Arbeiterfestspielen 1978 in Radeberg die „Pflege des kulturellen Erbes durch die Werktätigen“ mit eben diesen Madrigalen repräsentieren!
Wegen einer schweren Erkrankung mußte Frau Arlt für mehr als ein Jahr den Unterricht ruhen lassen, ließ es sich aber nicht nehmen, schon nach wenigen Monaten die Arbeit mit ihrem Chor zu unser aller Freude wieder aufzunehmen. Glanzvolle Höhepunkte in der Konzerttätigkeit des Kammerchores „Johannes Paul Thilmann“, wie die Kreismusikschule zwischenzeitlich hieß, waren die Mitwirkung 1976 am weihnachtlichen Orgelkonzert des bekannten Organisten Hans Otto im Kulturpalast sowie die Auftritte in dem vom 1. – 9. März 1977 zwanzigmal veranstalteten Festprogramm „Rosen für unsere Frauen“. Hier trafen wir auf internationale Künstler aus Moskau, Polen, Österreich usw. und sangen mit dem jungen Tenor der Dresdner Staatsoper Stephan Spiewok das „Ave Maria“ von Bach/Gounod, als Conférencier führte O. F. Weidling durch das Programm.
In den ersten Jahren blieb es nicht beim gemeinsamen Lernen und Singen, wir feierten zusammen Fasching in den Räumen der Musikschule und unternahmen z. B. mehrtägige Ausflüge in die Sächsische Schweiz. Wegen Unstimmigkeiten bei der Einordnung der Chorarbeit in das Leistungsangebot der Musikschule und des nach wie vor labilen Gesundheitszustandes unserer Leiterin wurde der Chor in den 80er Jahren aufgelöst. Jutta Arlt gelang es aber aus ihrer Schülerschaft heraus, mit einem Männer-Doppelquartett und einer gemischten Vokalgruppe weiterhin bei Leistungsvergleichen zu punkten und vor allem gefeierte Auftritte zu absolvieren. 1996 ging sie dann in den Ruhestand, ihre Anteilnahme an ihren „Ehemaligen“ blieb, ebenso deren Verbundenheit mit ihrer Lehrerin und Chorleiterin.
Vor wenigen Wochen trafen sich einige Sängerinnen und Sänger, um diese zu ihrem 90. Geburtstag zu ehren. Dankbar blickten wir zurück auf eine gemeinsame Zeit mit der Jubilarin Jutta Arlt, voller Sang und Klang und Freude am Singen!

Rolf Haußig

 

 

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