Radebeuler Miniaturen

Erinnerungen*

Meist lebt der Lößnitzbach nur noch als feine Erinnerung: Es gibt nur wenige Tage im Jahr, an denen das Wasser den einst selbst geschaffenen Lauf im Lößnitzgrund noch in Anspruch nimmt. Da wirkt der Gedanke, daß es vor Jahrtausenden in der Lage war, ein solch eindrucksvolles Kerbtal in den Felsen zu schneiden, geradezu absurd. Schon die anerkannte Tatsache, daß es später immerhin noch sieben Mühlen zu treiben verstand, ist kaum noch vermittelbar. Deren älteste, die Talmühle in Serkowitz, hat schon 1337 Eingang in die Annalen gefunden. Ein reichliches Jahrhundert später, 1461, tritt dann die Grundmühle ins Licht schriftlicher Überlieferung.

Hier wird in den Urkunden ein gutes Dutzend Personen genannt, die teils als Besitzer, teils als Pächter oder Betreiber in von und mit der Mühle lebten. 1872 übernahm Friedrich August Schneider die Mühle, zunächst als Pächter, ab 1886 als Besitzer. Mit seinem Sohn Max Schneider, an den das Anwesen mit Mühle, Bäckerei und Gastwirtschaft 1895 durch Geschäftsübergabe überging, begann eine letzte „Blütezeit“.

Nach Max Schneiders frühem Tod 1926 hat seine Witwe die Geschäfte weitergeführt. 1927 verpachtete sie das Geschäft an Richard Krenkel. Der betrieb die Mühle noch bis in die 1950er Jahre weiter.

Martha Schneider starb 1939, der Besitz fällt an eine Erbengemeinschaft, die allerdings dem in den 1970er Jahren einsetzenden Verfall nichts entgegenzusetzen hat.

Nach 1980 geht der Besitz durch Kauf zu gleichen Teilen an Ronald Galle und Schenkel über. Seit 1. Dezember 1992 betreiben Schenkels in der ehemaligen Bäckerei eine Gastwirtschaft.

Diese wenige Worte mögen genügen, die 555 Jahre der Grundmühle zu umreißen.

Aus aktuellem Anlaß sei es mir erlaubt, auf einen der Akteure noch etwas näher einzugehen.

Max Schneider wurde am 8. November 1869 in Constappel geboren. Am 3. Oktober 1895 heiratete er in der neu erbauten Radebeuler Kirche, der heutigen Lutherkirche, die am 18. Dezember 1869 geborene Marie Martha Schumann aus Serkowitz. Die Grundmühle wurde beider Lebensmittelpunkt.

Sie sanierten die Gebäude, erweiterten die Bäckerei und ersetzten 1908 das alte Mühlrad durch eine moderne Wasserturbine.

Ihr vom unternehmerischen Erfolg getragenes Leben ruhte auf dem stabilen Fundament des Lutherischen Glaubens.

Auf diesem Grund basiert auch der Entschluß, zur Lutherfeier 1917 der Reichenberger Kirche ein Reformationsfenster zu stiften. Es zeigt die stehenden Figuren Luthers und Melanchthons, wie sie mit festem Blick in die Zukunft schauen.

Das Bild trägt die Inschrift:

ZUR ERINNERUNG AN DIE 400 JÄHRIGE FEIER DER REFORMATION
GESTIFTET VON M. UND M. SCH. IM JAHR 1917

Eine Woche vor Vollendung seines 57. Lebensjahres starb Max Schneider am 31. Oktober 1926 an einem Herzleiden. Das war vor einhundert Jahren – Anlaß genug, wieder einmal an ihn zu erinnern.

Thomas Gerlach

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*Ich danke Herrn Ronald Galle für die Anregung und wertvolle Hinweise

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