Glosse

Hinterher und vorneweg

Das dumme an diesem Heft ist: Man hinkt immer hinterher! Vielleicht sollte ich meine Glossen zu allererst auf unserer Internetseite www.vorschau-rueckblick.de veröffentlichen und im Heft nur noch auf diese Seite verweisen. Das hätte auch den Vorteil, dass das Heft nur aus wenigen Seiten bestehen brauchte, vorausgesetzt, die anderen Autoren ließen sich von dem genialen Vorschlag überzeugen. Auch könnte der Verein jede Menge „Kohle“ sparen. Klar hätten dann die ewigen Fortschrittsverweigerer das Nachsehen, aber ökonomisch wäre das überaus sinnvoll, zumindest, was den Papierverbrauch betrifft. Zum Schiffchen-Bauen oder Sterne-Basteln sind mir meine Glossen denn wirklich zu schade. Dafür will ich mir die ganze Arbeit nun doch nicht machen.

Aber im Februar über das vergangene Weihnachten zu schreiben, ist ein wenig so, wie wenn sich jemand darüber alteriert, dass im letzten Dezember die Meyers ihren Fußweg nicht ordentlich vom Schnee beräumt hätten. Also, nur mal so angenommen: Wir hatten ja in Dezember überhaupt keinen Schnee, weil eben Radebeul nicht im oberen Erzgebirge liegt. Hier war nix mit weißer Weihnacht!

Um aber dennoch dieses wohlige Weihnachtsgefühl aufkommen zu lassen, habe ich mich mit meiner Frau ins Auto gesetzt. Nein, nicht was Sie vielleicht jetzt denken, wir sind nicht nach Rehefeld gefahren, um die ein-Zentimeter dicke Schneedecke zu bewundern. Wirklich schön soll ja das Weihnachten eh nur im Erzgebirge sein. Aber wir sind halt waschechte Lokalpatrioten! Also wollten wir wissen, wie die Radebeuler mit den heiligen Feiertagen umgehen. Und am ehestens bekommt man das heraus, wenn man sich die Festtagsbeleuchtung ansieht.

So fuhren wir am 24. durch die Villenvierten der Ober- und Niederlößnitz. Und was wir da zu sehen bekamen übertraf jedwede Erwartung. Gestartet sind wir im Westen der Stadt, immer hart an der Hangkante entlang. Auf den ersten paar Kilometern waren wir wirklich enttäuscht. Nur an einzelnen Gebäuden konnten wir einigermaßen akzeptable Illuminationen feststellen. Bei einer ganzen Reihe von Häusern waren die Fenster dunkle Höhlen, kein beleuchteter Tannenbaum im Garten und keine Lichtermatten an der Garage. Hier sollte die Stadtverwaltung doch mindestens eine Rüge wegen fehlender Festtagsbeleuchtung aussprechen. Einige wiederum hatten wenigstens ein kleines spärliches Lichtlein auf dem Fensterbrett.

Ein völlig anders Bild bot sich uns, als wir in die Region gelangten, die man allgemein unter den Begriff Radebeul-Mitte zusammenfassen könnte. Hier ging einem wirklich das Herze auf. Allem voran natürlich die prächtige Ausstattung der gesamten kurfürstlichen Anlage von Hoflößnitz. Die vielen Herrnhuter Sterne in den Bäumen und besonders die mit Lichterbändern geschmackvoll verzierten Umfassungsmauern des Anwesens stellten alles ringsherum in den Schatten. Aber auch andere Grundstücke waren prächtig ausstaffiert. Gen Osten freilich nahm die Ausschmückung der Gebäude und Gärten wieder ab, wenngleich es auch hier eine ganze Reihe guter Beispiele zu nennen gäbe. So konnten wir beispielsweise in der Waldstraße einen Wohnblock ausmachen, dessen vorbildliche Hausgemeinschaft dafür gesorgt hatte, dass alle Fenster des Gebäudes mit einer ordentlichen Festbeleuchtung ausgestattet waren.

Aber auch die Stadt hatte sich nicht lumpen lassen. Besonders unsere zentralen Einkaufs-Prachtstraßen in Ost und West wurden mit Lichterketten reichlich ausstaffiert, und die von einer Künstlerin erschaffenen Laternen auf dem Anger hingen diesmal sogar bis zum 4. Advent. Den „Vogel“ aber hatte zweifelsfrei im vergangenen Jahr der West-Weihnachtsmarkt abgeschossen. Der konnte glatt mit dem Herbst- und Weinfest konkurrieren. Ganze Busladungen wurden „ausgeschüttet“. Die Besucher kamen gefühlt aus der halben Bundesrepublik.

Wenn man auch den Glanz der Hoflößnitz nun weit über die Weihnacht hinaus erleben kan, so braucht es doch künftig noch gewaltige Anstrengungen, um an das Niveau von Mauersberg nur annähernd heranzureichen, wo nahezu jedes Haus der Gemeinde im Lichterglanz erstrahlte, meint

Euer Motzi

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