1973, erinnern wir uns, gerade waren die Verträge zwischen beiden deutschen Staaten und Berlin-W unter Dach und Fach, gründete sich in der DDR eine Band namens TRANSIT. Lyrischer Rock, norddeutsche Texte in einer Poesie, die aus allem Alltag wie von selber kommt. Während ich das schreibe, sitze ich in der Riff Lounge an der Steilküste von Koserow auf Usedom, vielleicht 250m Meter östlich der futuristisch-wellenförmigen Seebrücke. Kaminofen drin, Feuerschalen an Strandkörben draußen. Frank serviert Sanddornglühwein, der Strand ist verschneit, die Ostsee weithinein zugefroren, irgendwo, wo die Unendlichkeit endet, liegt Schweden. Und jetzt im Radio „Transit –Winter an der See“. Seelenlage im Bilderkriegen. „Wenn das Eis am Horizont mit Getöse kracht…“
Die Usedomer Bäderbahn hatte mich mit „Verzeitigung“ hier absetzen können, weil die DB vorher mein Deutschlandticket durch eine Umleitung zum Überspringen gebracht hatte. Verabredet bin ich mit den Malern Otto Niemeyer-Holstein (1896 – 1984) am Forsthaus Damerow und in der Altstadt von Wolgast mit Philipp Otto Runge (1777 – 1810). In Swinemünde/?winouj?cie mag ich Fähre fahren über den größten Mündungsarm der aus Mährens Gebirgen kommenden breslauküssenden Oder, ein Skandinavienschiff gucken, das edle Kurviertel genießen und im Schurf des Bombardements vom 12. März 1945 lesen. Dort verlieren sich Biografien ganzer Familien. Ungezählt. Es hat gut 70 Jahre gebraucht, bis die Usedomer Bäderbahn die wenigen Meter von Ahlbeck nach Swinemünde wieder hineinfahren konnte. An den anderen Enden der Ostsee gibt es z.B. Birken am Strand, grollende Steine, Scharen von Mücken und Quallenteppiche. Die Kurverwaltung von Koserow lässt Vineta läuten. Frank Schöbel hatte 1978 einen Hit mit „Tief im dunklen Meer“ gelandet. Könnte hier gewesen sein…
Tobias Märksch


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