Trübe Aussichten!
Also mal ehrlich, wer nicht gerade dort arbeitet, der hat in der Regel keine Ahnung, wie so eine Stadtverwaltung tickt, fällt es ja selbst den Insidern mitunter schwer, den Durchblick zu behalten. Erst neulich habe ich mir die Finger wund telefoniert, aber unter einer ausgewiesenen Nummer keine Verbindung bekommen. Es blieb mir nichts anderes übrig, als mich selbst auf den Weg zur Behörde zu machen. Ich hatte bei diesem permanenten Homeoffice tatsächlich das Glück, dort jemanden anzutreffen. Angesprochen auf besagte Telefon-Nummer stellte sich heraus, dass es sich um den Anschluss der Besenkammer handelte. Ist aber keinem in der Verwaltung aufgefallen. Nun ja… Ein Spaziergang kann ja auch nichts schaden.
Wie war das eigentlich früher, Kultur gibt es ja nicht erst seit 1990? Vor langer Zeit regelten in Sachsen die sogenannten Amtshauptmannschaften, eine Art allgemeine Verwaltung, alle diesbezüglichen Angelegenheiten und die Polizeibehörden setzten deren Anweisungen durch – damals noch ohne Schießeisen. Wer aus nichtkommerziellen Gründen in die Öffentlichkeit trat, musste zunächst 50 Mark bei der Behörde hinterlegen – nach heutigem Kurs wären das immerhin 390 Euro! Da sollte man schon mal überlegen, ob man nicht doch auch was von den Alten lernen könnte. Die Veranstaltungsschwemme würde dann sicher etwas in den Griff zu bekommen sein. Gegen die Kaisermania freilich müsste man andere Mittel anwenden, kostete doch eine einzige, real erworbene Karte allein schon 119,90 Euro!
Dass später die Kultur dem Kultusministerium untergeschoben wurde, kam ja nicht von ungefähr, war man doch schon lange der Meinung, das Kultur, Kunst und Bildung zusammengehören. Oder etwas genauer formuliert, dass Kultur und Kunst für die Bildung und Erziehung dazu sein hatten. Die Kunst muss ja zu was nutze sein. Andererseits trauten die Behörden den um 1850 vermehrt entstehenden Vereinen anfangs nicht übern Weg. Die Kontrolle wollten sie schon behalten. Mit den damals aufblühenden Volksfesten und Volksunterhaltungen in den Gemeinden war ein profanes Mittel gefunden, die Vereine einzubinden und das enorm gewachsene Freizeitbedürfnis zu befriedigen. Das war jene Zeit, als Gemeinden und kleine Handwerker begannen, die Vereine auch finanziell zu unterstützen.
Hat man den Vereinen später sukzessive Vorteile eingeräumt, gar 1850 in Sachsen ein Vereinsgesetz beschlossen, sicherten andererseits viele Einschränkungen die „obrigkeitliche Kontrolle“.
Auch wenn sich die Methoden bis heute verfeinert haben, hat sich im Prinzip nichts daran geändert. Ja, die Vereine befördern nicht nur das kulturelle Leben und tragen zur sozialen Integration bei, sie befördern aber auch Statusunterschiede und Abhängigkeiten. Auch die „heutigen Obrigkeiten“ (Finanzamt, Kulturamt, Kämmerei, Parteien…) wollen wie selbstverständlich mitreden, greifen gar in Inhalte ein. Was nicht genehm ist, wird eben nicht gefördert. In Berlin verlangt man neuerdings gar Loyalitätsbekundungen. Häufig geht es bei der Förderung durch Behörden um ganz persönliche Vorlieben, denn sowas wie einen brauchbaren Kulturentwicklungsplan für die Region oder die Gemeinde kann man suchen. Die Aufzählung von Bestehendem und von Absichtserklärungen reicht da eben nicht aus, wenn sie nicht mit Ressourcen untersetzt sind. Wo also bleiben die Maßnahme Pläne und vor allem die jährlichen Einschätzungen des Entwicklungsstandes? Richtig, die Ausgaben für Kultur sind stabil geblieben in Radebeul. Gar ein Inflationsausgleich wurde gewährt. Ob aber künftig jedoch noch eine Entwicklung möglich sein wird, steht eher in den Sternen, wo das Geld auch an anderen Stellen knapp ist. Von einem Stadtmuseum hat man sich bereit 2024 endgültig verabschiedet, dabei hatten wir mal eins! Es wird wohl nur für die Erhaltung des Bestehenden reichen, wenn überhaupt. Könnte es sein, dass hier die Prioritäten falsch gesetzt sind? Diese Frage bewegt sicherlich nicht nur
Euer Motzi

