Zur Ausstellung „Streetphotographie Dresden“ von Reiner Schlag im Heimatmuseum Radeburg

Reiner Schlag (rechts), Foto: R. Rösler

Wer Reiner Schlag erfassen will, muss weiter ausholen. Er lässt sich vielleicht als Multitalent oder Tausendsassa beschreiben, als Hans Dampf in allen Gassen, auf jeden Fall ist für ihn charakteristisch, dass er vielbeschäftigt ist. Als Musiker, Maler, Fotograf, Videoproduzent, Gastronom, Grafiker; nicht unbedingt in dieser Reihenfolge. Er selbst sagt von sich, dass er eben „einfach schafft“.
Seit 2023 lebt Reiner Schlag in Radeburg und alles in allem macht es bisher nicht den Eindruck, als wäre sein ursprünglicher Plan, hier in Sachsen endlich zur Ruhe zu kommen, schon in der Nähe der Verwirklichung.
Geboren am 10. November 1963 in Dülmen (Westfalen) fand er schon im Teenageralter seine Begeisterung für die Kunst. Anfangs zeichnete er Comics. Aus dem Nachzeichnen wurde schnell ein eigenes kreatives Schaffen. In seinen frühen Zwanzigern zog es Reiner Schlag nach Münster, er studierte dort Grafik und Design. Er baute in den 80er und 90er Jahren eine Galerie und eine Kunstwerkstatt in Münster und Emsdetten mit auf und ist seit 1989 als freier Künstler, Grafiker und Musiker tätig. Es folgten Ausstellungen in Düsseldorf, Köln, Münster, Gütersloh, Brüssel und München.
20 Jahre lang war er außerdem Mitbetreiber der „Gorilla Bar“ in Münster, längst eine Institution in der dortigen Szene der Rock- und Indie-Kneipen in der malerischen Altstadt Münsters. Wer die Webseite der Bar durchstöbert, kann Reiner Schlag auf einigen Schnappschüssen entdecken, zum Beispiel auf der hauseignen Bühne an Gitarre und Mikrofon.
Dass er selbst auch als Musiker erfolgreich ist, begründet vielleicht eines seiner bevorzugten Motive. Er malt leidenschaftlich Musiker und deren besondere, intime Beziehung zum Instrument, abstrakt oder impressionistisch im Stil. Kraftvolle Striche und leuchtende Farben sind für ihn charakteristisch. Fern von Tristesse und grauem Alltag soll Lebensfreude und Positivität aus seinen Bildern strahlen. Ein positives Lebensgefühl mit seiner Kunst zu vermitteln, das ist Reiner Schlag wichtig.
Das zeigt sich auch in seiner Serie „Moving Colors“ in der er immer wieder neue Formvariationen auf die Leinwand bringt, aus der Bewegung heraus, abstrakt, aus dem Inneren kommend, die sich so aufs Bild manifestieren und den Betrachter die Bewegung bis über das Bildhinaus weiterverfolgen lassen. Auch hier sind leuchtende, fröhliche Farben prägend.
Darüber hinaus hat es ihm auch die Fotografie angetan. Vor allem die Jagd nach dem besten Schnappschuss. Er nennt es selbst „Catch the moment“ – Fange den Augenblick. Ein Motto, was die „Streetphotographie“, also die Straßenfotografie bestimmt. Authentizität, Emotionen, urbane Strukturen und ungestellte Geschichten stehen bei dieser Form der Fotografie im Mittelpunkt. Den richtigen Moment zu finden ist Teil der kreativeren Bildgestaltung, die ganz ohne gestellte Posen oder besonders aufwendige Technik auskommen soll. Die Atmosphäre, den Zauber des Augenblicks mit der Kamera einzuatmen, das ist auch das Ziel Reiner Schlags. In der ganzen Welt war er so schon mit seiner Kamera unterwegs: Amsterdam, USA, Lissabon, Wien, Korfu, Kanada, Barcelona, Prag, Teneriffa, Südafrika, New York oder auch sein Münster waren Motiv und Motivation.
Nun auch seine neue Wahlheimat Sachsen. Die sächsische Landeshauptstadt bietet mit ihrer Vielfalt und ihren Kontrasten, gewollt oder ungewollt, sicherlich eine perfekte Szenerie für die Streetphotographie. Und den Bildern von Reiner Schlag sieht man das auch an. Aber eben auch sein einzigartiges Gespür für den besonderen Moment, sein schnelles Erfassen des speziellen Augenblicks. Die authentische Atmosphäre des Ortes und der Zeit, die zufällig in einer einzigartigen Gelegenheit zusammentreffen, zu finden und festzuhalten, diese Kunst gelingt Reiner Schlag außerordentlich gut. Wer Dresden kennt, wird außerdem viele der Orte wiedererkennen, sie aber mit einem neuen Blickwinkel sehen.
Dabei will Reiner Schlag seine Kunst gar nicht explizit auf einen Sockel gestellt wissen. Als Künstler scheute er nie den Kontakt mit Unternehmen, Raumgestaltern, Architekten. Auch nicht mit Arztpraxen, Autohäusern und Cafés. Er will, dass alle einen Zugang finden können auch abseits der großen Kunsthallen, abseits der dicken Geldbörsen. In diesem Sinne erfüllt er ausgezeichnet auch Heinrich Zilles Ansatz der Kunst und des Kunstverständnisses und passt hervorragend in unser Heimatmuseum. Und auch in unsere Stadt, die viele weitere Künstlerinnen und Künstler zu bieten hat. Hier ist Reiner Schlag als Wahlradeburger also perfekt aufgehoben.
Die Ausstellung „Streetphotographie Dresden“ ist noch bis zum 15. September im Museum Radeburg zu sehen. Und am 6. September um 16 Uhr kann jeder und jede Interessierte den Musiker Reiner Schlag live erleben. Zur Finissage seiner Ausstellung wird er mit seinem Rock-Trio „Stoneapes“ im Hof des Museums spielen und Stücke des neuen Albums der Gruppe vorstellen.

Robert Rösler

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