Radebeuler Begegnungen – eine anachronistische Besonderheit?

Was sich hinter der Veranstaltungsreihe „Radebeuler Begegnungen“ verbirgt, lässt sich nur schwer beschreiben. Man muss dabei gewesen sein und diese wissbegierige Gesellschaft erlebt haben. Eine Gesellschaft, die herausfinden will, was sich hinter dem zerrissenen Gebilde Radebeul verbirgt, die nach sichtbaren Spuren sucht, wo das Dorf endet und die Stadt beginnt. Eine Gesellschaft, die Fragen stellt, wer die Menschen sind, die heute in den einstigen Ursprungsgemeinden leben, die sich dafür interessiert, welche Traditionen gepflegt werden und ob sich die Zugezogenen angenommen fühlen.

Jörg Tretner begrüßt die Gäste, Foto K. Gerhardt

Doch ist es noch zeitgemäß „Anteil zu nehmen“ und „teilhaben zu lassen“, Türen zu öffnen und Blicke hinter die Fassaden zu gewähren? Fragen über Fragen … Start hier“ stand mit weißer Kreide auf dem Asphalt, als sich am 22. August Punkt 11 Uhr fast 90 unternehmungsfreudige Expeditionsteilnehmer auf dem Dorfplatz von Altserkowitz versammelten. Durch die Ortsansässigen herzlich begrüßt und liebevoll bewirtet, begaben sie sich auf die sechs Kilometer lange Strecke gen Zitzschewig. Und immer wieder stießen weitere Teilnehmer hinzu. Allen voran schritten die Serkowitzer mit ihrer Dorfgemeinschaftsfahne. Kurzweilig vermittelte Hans-Georg Staudte Wissenswertes zur Stadtgeschichte. Gestreift wurde auch das neue Skulpturenensemble in Radebeul Mitte, denn Kunst gehört dazu in Radebeul. Großzügigen Einlass gewährten die Eigentümer von Haus Lotter, Haus Fliegenwedel und der Bischofspresse. Sachkundig führten sie durch ihre traditionsreichen Grundstücke und ließen sich von der unerwartet großen Menschenmenge nicht aus der Ruhe bringen. Ein Strauß mit Sommerblumen wurde als kleiner Gruß auf dem Johannesfriedhof am Grab von Isolde Klemmt, der ehemaligen Vorsitzenden des Naundorfer Dorf- und Schulvereins, niedergelegt. Dass in der zur Besichtigung geöffneten Johanneskapelle Orgelmusik erklang, hätte ihr wohl gut gefallen.

Die Zitzschewiger warten an der ehemaligen Gemeindegrenze auf Ihre Gäste, Foto: K. Gerhardt

Unzählige Fotoapparate und Videokameras wurden gezückt, als die Übergabe des Staffelstabes an der alten Flurgrenze zwischen Naundorf und Zitzschewig durch die Serkowitzer an die Vertreter der Zielgemeinde erfolgte. Ein Glas Wein kredenzte die Weinbaugemeinschaft Zitzschewig und nutzte die Gelegenheit, sich vorzustellen. Auf dem festlich geschmückten Dorfplatz angekommen, wurde die Wanderschar von Jörg Tretner begrüßt und anschließend mit einer historisch verbürgten Spielsze eingestimmt. Die erste größere Verschnaufpause bei Kaffee und Kuchen diente dem gegenseitigen Kennenlernen. Viel Mühe hatten die Zitzschewiger darauf verwandt, um ihre Höfe im Wandel der Zeit den interessierten Gästen zu präsentieren. Vertreter aus Wahnsdorf, Naundorf, Radebeul und Kötzschenbroda ließen es sich nicht nehmen, diesem Ereignis beizuwohnen, welches die Bewohner der Stadt Radebeul einander näher bringen soll. Aber auch Gäste aus Dresden, Coswig, Cossebaude und aus anderen Orten der Umgebung freuten sich über den gastlichen Empfang. Allen, die zum Gelingen dieser heimatverbundenen Veranstaltung beigetragen haben, sei noch einmal herzlich gedankt. Die nächste Begegnung wird am 21. August 2010 von Zitzschewig nach Radebeul, unserer namengebenden Ursprungsgemeinde, führen. Gemeinsam wollen wir dann das 75-jährige Bestehen der Lößnitzstadt feiern.

Karin Gerhardt

Sorgfältig restaurierte Bauernhöfe in Altzitzschewig, Foto: K. Gerhardt

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