Editorial 8-17

Und wieder taucht die Stadt ganz punktuell in ihr alljährlich wiederkehrendes Sommerloch.

Es ist, als nähme sich auch das rennende Jahr so kurz nach dem Zenit, hier wie andernorts, eine wohlverdiente Pause und verharrt in sommermatter Gemächlichkeit.
Ganz unverkennbar ist zu vernehmen, wie einzelne das Stadtleben prägende Einrichtungen ihre Türen nun temporär verschlossen halten. Und auch diverse Einzelhändler, denen man nach langer Zeit nun gerade mal dieser Tage seine Aufwartung machen wollte, genehmigen sich eine angemessene Zeit der Absenz. Ja, selbst die Kulturschaffenden haben in Scharen ihre Wirkungsstätte verlassen, wovon nicht nur leere Bühnenbretter künden.

Und das Gros der Bürgerschaft ist dann und wann ohnehin auf Reisen und lässt vereinsamte Häuser mit dunklen Fensteraugen zurück. Ohnehin ein interessanter Gedanke, wie weit eine Stadt in Ferienzeiten „ihre Kinder“ weltweit streut, um schließlich wieder an einem Ort zusammen zu finden.

Spätestens ab September hat die Stadt mit all ihren geschäftlichen und kulturellen Verbindlichkeiten ihre alte Betriebsamkeit zurück. Zur Ehre der Winzer und Weine wird sich bis in den Spätherbst auf Angern und Höfen wieder Fest an Fest reihen, bis schließlich alle Trauben in gärenden Fässern ihren verheißungsvollen Platz gefunden haben werden. Der Reigen wird fortführen bis in die dunkelste Zeit, um mit „Lichterglanz und Budenzauber“ im Jahreskreis seinen letzten Höhepunkt zu finden. Aber bis dahin ist ja noch Zeit und der Sommer durchtanzt noch zumindest einen Mondlauf die Gemeinde.

Kürzlich lief ich hier einer meiner Lieblingswege, und dachte leise, hier könntest Du auch mal Urlaub machen.

Sascha Graedtke

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