Der Kindermaler Oskar Pletsch

Was uns Archivakten zu sagen haben
Am 12. Januar des Jahres 1888 verstarb der damals allgemein beliebte und geachtete Maier, Professor Oskar Pletsch in seinem Heim an der Borstraße. Heute erinnert nur noch die nach ihm benannte Straße in unserer Stadt an ihn.

Seit 1872 lebte er hier, Als Sohn des Zeichenlehrers Heinrich Oskar Pletsch war er am 26 Marz 1830 in Berlin zur Weit gekommen. Schon früh zeigte er Talent zum Zeichnen, seine künstlerische Ausbildung verdankte er dem an der Dresdner Kunstakademie wirkenden Eduard Bendemann, Hier lernte er Ludwig Richter und Schnorr von Carolsfeid kennen, die beide seine Stilrichtung beeinflussten. Ganz besonders Ludwig Richter, von dem er einmal schreibt: „Ich war dem Meister vielfach behilflich durch weitere Ausführung flüchtig von ihm angegebener Entwürfe und beidem Übertragen kleinerer und größerer Zeichnungen auf Holz.“ Durch diese Arbeiten gewöhnte er sich an die Art des großen Künstlers, so daß sich seine frühen Zeichnungen oft kaum von denen Richters unterscheiden lassen. Nur, daß eben dern Meister alles sonniger, leichter, freier gelang als dem Schüler. Oskar Pletsch arbeitete aber auch auf anderen Gebieten, so warer an einer Bilderbibel beteiligt, die er unter Schnorrs Oberaufsicht zeichnete, berichtet Karl Josef Friedrich in seinem Buch „Liebenswerte Künstlergestalten urn Ludwig Richter“.

1859 war er wieder in Berlin, und als Preußen Truppen zu Hilfe für Österreich gegen Frankreich und Sardinien mobilisierte, wurde auch Oskar Pletsch eingezogen. Er jedoch – gerade Vater geworden – hatte dazu wohl wenig Lust, packte einige Zeichnungen zusammen und sandte sie mit den Worten „Ihrer Königlichen Hoheiten dem Prinzen und Prinzessin Friedrich Wilhelm von Preußen für höchstdero Sohn Friedrich Wilhelm Victor Albert in tiefer Ehrfurcht gewidmet“ an den Hof. Sie fanden wohlgefallen – und inzwischen war auch der Friede wieder hergestellt. Im Jahre darauf wurde daraus sein erstes Buch „Die Kinderstube“, dem dann Jahr für Jahr weitere folgten. „Gute Freundschaft“, „Kleines Volk“, „Was willst Du werden“ usw. Hatte er anfangs Not gehabt, für Frau und Kind zu sorgen, wurde er nun sehr bald der beliebteste Kinderbuch-Illustrator der Zeit, die Reime sind nur zum Teil von ihm. Nun konnte er daran denken, wieder in die Dresdner Gegend zu ziehen. 1872 erwarb er das Haus Borstraße 57, an das er einen Querflügel für sein Atelier anbauen ließ.

Steinmetzen bei der Arbeit. Ein Holzschnitt von Oskar Pletsch, 1862

Die Kötzschenbrodaer Zeitung veröffentlichte anläßlich seines 100. Geburtstages die folgende Schilderung eines unbekannten Autors, der zu Oskar Pletsch`s Zeit noch ein Kind war und ihn persönlich erlebte. „Allmittäglich konnte man die hohe, stolze Gestalt des Künstlers, das Haupt mit dem langen, leicht gelockten Haar von dem breitkrempigen Hut bedeckt, sehen, wie er in Begleitung seines schönen, großen Hundes ausging. Meist wählte er den Weg durch die Vorwerkstraße; dort spielte sich ein gut Teil Kinderleben – der Teufel hatte noch nicht das Automobil erfunden – unter Gottes freiem Himmel ab, und es mochte dem Maler etwa das sein, was den Künstlern in Rom die Spanische Treppe war: hier suchte und fand er seine Modelle, wertvoller als alle die Photographien vornehmer Kinder, die eitle Mütter erwartungsvoll oder siegessicher sandten. Seiten oder nie fanden sie Gegenliebe. Was aber ohne Strümpfe und Schuhe, und – ohne Taschentücher, im zerschlissenen Höslein umherlief, das war sein Fall“ – Denn die Kinder waren es, die er liebte, die ersuchte, die sein Zeichenstift in seinen Bilderbüchern festhielt. – Seine letzten Lebensjahre waren überschattet Er mußte erleben, daß sich der Geschmack der Käufer von ihm abwandte. Nach 1881 wagte es sein Verleger nicht mehr ein Bilderbuch von ihm herauszubringen. Dazu kamen zunehmende Augenschwäche und Krankheit, Schließlich mußte er gefahren werden Da begegnete ihm einmal ein kleines Mädchen und als man dem Kind sagte, daß der arme Mann im Fahrstuhl der Herr Professor Oskar Pletsch sei, kam das Kind zutraulich heran und sagte ihm einen Vers aus dem sehr beliebten Buch „Wie es im Hause geht nach dem Alphabet“ auf: „Oskar Pletsch, sag hast Du schon Was auf X und Ypsilon? – Nein, auf Ypsilon und X weiß ich, Kinder, wahrlich nix.“ Oskar Pletsch wurde unter großer Anteilnahme der Einwohner der Lößnitzgemeinden, der Dresdner und Berliner Künstlerschaft auf dem Friedhof von Kötzschenbroda beigesetzt.
Liselotte Schließer

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