Wiljalba Frikel – Der Wundermann von Kötzschenbroda (Teil 1)

Der weltberühmte Magier fand hier seine letzte Ruhestätte. Eine Hommage im 110. Jahr seines Todes von Jens-Uwe Günzel, Zauberhistoriker aus Sachsen
Man stelle sich einmal vor, einer der bekanntesten Zauberkünstler Europas und eine der berühmtesten Persönlichkeiten der alten Varietezeit war ein Bürger dieses sächsischen Städtchens.7_frikell
Ein Künstler im Pagenkostüm, damals ein übliches Auftrittsgewand vieler Vorführender, betritt die Bühne und verzaubert sein Publikum mit den wundervollsten Wundern und handgemachter Illusionen. Keine Angst! Ich spreche hier nicht von schwarzer Magie oder abtrünniger Zauberkunst, sondern von der die man auch im Allgemeinen als Täuschungskunst oder Unterhaltungszauberei bezeichnet. Die Geschichte dieses Herrn Frikel spielt in jener vergangenen Zeit, die als die goldenen Jahre des Varietés, des Theaters und der Blütezeit des Amüsements bezeichnet wird – den 1830er Jahren.
Ein junger frischer Täuschungskünstler der durch Handfertigkeiten und Täuschungen zu wahren Ruhm kam nannte sich Professor Frikel. Doch auch dieser Wundermann kam völlig normal auf diese Welt. Als Friedrich Wilhelm Frickell, so sein vollständiger Geburtsname, wurde er am 27. Juni 1817 in Sagan/Schlesien geboren. Seine Mutter und später sein Vater, ein hochangesehener Regimentsarzt, verstarben als Friedrich Wilhelm gerade im Knabenalter von 6 Jahren war und so wurde er frühzeitig plötzlich zu einem Vollwaisen. Er kam in die Obhut eines nahen Verwandten und nun lebte Friedrich Wilhelm in der Stadt Breslau. Dieser Ziehonkel war selbst ein angesehener Chemieprofessor. Er ermöglichte dem Jungen den Besuch einer höheren Schule, welche in damaliger Zeit mit sehr viel Schulgeld verbunden war. Durch ihn lernte Frikell auch den Umgang mit Chemikalien und verstand es schon damals mit kleinen chemischen Experimenten die Nachbarschaft zu ärgern. In dieser Zeit fand er in der Privatbücherei seines Vormundes ein altes Zauberbuch, welches der junge Sprössling interessiert und eifrig studierte.
Im Alter von 15 Jahren, noch nicht einmal volljährig, verstarb auch sein Ziehonkel in Breslau. Durch dieses weitere schmerzhafte Ereignis beschloss er, als Zauberkünstler sein Lebensunterhalt zu bestreiten. Von diesem Moment an zog der junge Frickell durch die Städte. Eine aufregende Vorstellung gab er 1835 unter anderem im Kursaal von Marienbad. Unter den Zuschauern saß auch der griechische König mit seiner Gattin und Gefolge. King Otto I. war derart begeistert von den Vorführungen Frickells, das er ihn sogleich nach Griechenland an seinen Hof einlud. Friedrich Wilhelm wurde nun Hofzauberkünstler und unterhielt das königliche Paar bei verschiedenen Anlässen. In dieser Zeit gab er sich wohl auch seinen Künstlernamen Wiljalba Frikel. Es folgten nun Jahre erfolgreicher Reisen durch den Orient und Balkan und anderer Erdteile. Diese Gastspielreisen brachten Wiljalba neben Wertschätzung auch ein beachtliches Vermögen ein. Schon bald zog es ihn auch nach Deutschland. Hier trat er im orientalischen Gewand vor seinem Publikum auf. Er gab dabei auch zu verstehen, dass er in Griechenland geboren sei. Diese Behauptung stellte sich jedoch bald als unwahr heraus. In der Hansestadt Hamburg verlor er 1842 durch einen Theaterbrand während einer Vorstellung seine gesamte Bühnenausstattung. Dieses schreckliche Ereignis zwang ihn von nun an ohne eine prachtvolle Kulisse aufzutreten. Aus dieser Not wurde schließlich aber ein neuer Vorführstil in der Täuschungskunst geboren. Viele Zauberkollegen übernahmen in der Folge diese „neue Mode“, die sich schließlich bis in unsere Tage erhalten hat.

(Fortsetzung im nächsten Heft)
Jens-Uwe Günzel

Jens-Uwe Günzel, Annaberg-Buchholz (Erzgebirge) bekannter Fachautor und Zauberhistoriker, beschäftigte sich über 4 Jahre lang mit der Biografie Frickells. Günzel besitzt eines der umfangreichsten Zauberarchive und ein seltenes Museum über Zauberkunst und ist selbst Zauberkünstler und Entertainer.

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Ein Kommentar

  1. manoh
    Veröffentlicht am Mo, 9. Jun. 2014 um 22:20 | Permanenter Link

    Ich habe am Wochenende selbst in Kötzschenbroda vor Publikum gezaubert (Goldener Anker) und das Publikum über den „Hexenmeister“ Frikell informiert. Einem Herren war der Name Frikell, auf Grund Ihres Artikels bekannt, die anderen Gäste waren ebenfalls interessiert. Ich will meinem Freund J.-U. Günzel nicht vorgreifen, aber der Wiljalba war in Zauberkreisen sehr bekannt.
    Viel Spaß beim Weiterlesen
    Manoh
    Zauberkünstler

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