Mit Hans-Eckardt Wenzel poetisch durch das Jahr 2017

 

Liebe Leserinnen und Leser,

Hans-Eckardt Wenzel

Foto: S. Graedtke

im Oktoberheft des letzten Jahres erschien mit „Feinslieb, du lachst dazu“ passend zur Jahreszeit bereits ein erstes Gedicht von Wenzel. Ab Januar werden uns nun zwölf ausgewählte Gedichte und Lieder durch das neue Jahr begleiten. Viele werden sich fragen, wer ist denn dieser Wenzel? Wer nicht gerade ein Liedermacher-Freund der alten Schule ist oder nicht in den letzten Jahren gelegentlich MDR-Figaro, wie es so schön hieß, hört, dem könnte der Poet nach wie vor ein Unbekannter sein.
Hans-Eckardt Wenzel wurde am 31. Juli 1955 in Kropstädt bei Wittenberg geboren. Er studierte von 1976 bis 1981 an der Humboldt-Universität in Berlin Kulturwissenschaften und Ästhetik, fand aber schon während seiner Studienzeit seine Berufung als Autor, Sänger, Schauspieler, Regisseur und Komponist. Zwei Jahrzehnte waren neben seinem musikalischen Schaffen von philosophisch-clownesken Bühnenprogrammen mit Steffen Mensching geprägt. Ein Großteil seiner Texte offenbaren die Sehnsucht nach dem Meer und die verkannte Poetik des Alltags.
Wenzel ist seit weit über dreißig Jahren unterwegs, mit Band oder Solo. Seither sind über 40 CDs,   einige Erzählungen und Gedichtbände erschienen. Musikalische Exkurse haben den ostdeutschen „Provinzhasen“ 2003 gar nach New York geführt, wo er Texte von Woody Guthrie übersetzte und vertonte. 2014 folgten Kuba und Nicaragua mit Klängen und Eindrücken von dieser Reise.
Ein Höhepunkt für Wenzelfans bildet seit vielen Jahren um die Mittsommernacht ein Freiluftkonzert im Fischerdorf Kamp südlich von Usedom mit hundert Liedern und tausend Gästen.
Traditionell ist er einmal im Jahr in Dresden im Club Passage in Gorbitz zu Gast und war nun auch schon dreimal in Radebeul zu erleben.
Geneigte Leserschaft, lassen Sie sich nun einspinnen in Wenzels Gedankenwelt, wenn an dieser Stelle leider ohne Vertonung.

Sascha Graedtke

Lebenslied

Ich plane die Schmerzen mit ein,
Ich atme den Rauch, der mich aufkratzt und nährt,
Ich schwärze die Lungen mir ein.
Weiß: Leben ist nicht Artigsein.
Ich höre die Warnungen, die man spricht,
ABER VERZICHTEN WILL ICH DRAUF NICHT.

Ich plane das Herzweh mit ein,
Ich schmiege mich, Liebste, fest an deinen Leib.
Weiß, das wird nicht für ewig sein.
Ich höre die Zeit ticken in uns zwein.
Die Schwüre auf Treue, die glaub ich nicht,
ABER VERZICHTEN WILL ICH DRAUF NICHT.

Ich plane den Ärger mit ein.
Ich melde mich unaufgefordert zu Wort.
Mein Herz ist nicht rein, bin nicht klein.
Ich will einfach dagewesen sein!
Wird heiser die Stimm mir auch, bis sie bricht,
ABER VERZICHTEN WILL ICH DRAUF NICHT.

Ich plane den Kummer mit ein.
Ich liebe mir Kinder her auf diese Welt.
Verlieb mich in ihr Lachen und Schrein.
Ich will einfach nochmal Lebendigsein.
Und nehmen sie Platz und Zeit mir, so ists.
ABER VERZICHTEN WILL ICH DRAUF NICHT.

Ich plane den Kater mit ein,
Ich trinke den Boden der Gläser ans Licht.
Weiß: Früh werd ich zerschlagen sein.
Ich tanze, ich singe, ich schenk mir ein,
Und rechne nicht aus, was mich würgt, was mich bricht.
ABER VERZICHTEN WILL ICH DRAUF NICHT.

Ich plane die Sorge mit ein.
Ich greife verlockend weit aus meiner Zeit.
Ich träume mir das Anderssein.
Will leben, eh mich Gewöhnung zuschneit.
Mag sein, dass man später ganz anders anders ist,
ABER VERZICHTEN WILL ICH DRAUF NICHT.

Hans- Eckardt Wenzel

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