»IndianerART« zeitgenössische indigene Kunst aus Nord-Amerika

Eine Ausstellung des Karl May Museums Radebeul in der Stadtgalerie Radebeul

Karl May hat Indigene seiner Zeit vor etwa 150 Jahren beschrieben – ihre Kulturen sind mit einer detailreichen Sammlung im Karl May Museum präsent. Der Schriftsteller hat diese Kulturen durch Reiseberichte, Geschichtsbücher und Lexika kennengelernt und in seinen Romanen verarbeitet. Die indigenen Völker Nordamerikas unserer Zeit sind uns aber wenig bekannt. Denn freilich existieren diese Völker noch heute und allein in den Vereinigten Staaten sind 573 sogenannte First Nations von der Regierung anerkannt. 5,2 Millionen US-Amerikaner bzw. 1,6% der Bevölkerung sind indigener Abstammung. Sie leben in ländlichen Reservationen, aber auch in Städten, praktizieren ihr Brauchtum mal streng nach traditionellen Regeln oder aber frei mit neuen Ausdrucksformen und gestalterischen Mitteln. Oft äußern sie sich in ihrem künstlerischen Schaffen gesellschaftskritisch, politisch und meist in einer Formensprache der modernen nordamerikanischen Gesellschaft.

Foto: Karl May Museum Radebeul


Wie positioniert sich das Indigene mit seinen Traditionen im Wechselspiel eines modernen und digitalisierten Amerikas? Wo und wie sehen sich indigene Vertreterinnen und Vertreter in einer Gesellschaft, die wenig bis keinen Platz lässt für die Kulturen der First Nations? Erfinden indigene Kunstschaffende die Rolle ihrer Minderheiten neu? Zeitgenössische Künstlerinnen und Künstler bilden ihre politischen Realitäten und gesellschaftlichen Stellungen innerhalb der amerikanischen Gesellschaft oft plakativ und gerne mit eindeutiger Symbolik ab. Im Gegensatz zur bekannten traditionellen Kunst über Holzmasken der Nordwest-Küste und Perlenstickereien der Plains hin zu Webteppichen und Töpferkunst der Pueblos, wird in der zeitgenössischen Kunst mit den medialen Möglichkeiten von heute gearbeitet. Diese Künstlerinnen und Künstler spielen die Klaviatur des modernen digitalen Nordamerikas. Sie stammen zumeist aus urbanem Umfeld und ordnen ihre Themen als »Stadtindianer« in die moderne Realität ein. Von Pop-Art und Comics beeinflusst gestalten sie mal klar plakativ, dann wieder mystisch und symbolistisch ihre Anliegen als Vertretende ihrer Kulturen. Für uns europäische Betrachter bedeutet indigene Gegenwartskunst eine Herausforderung, da sie im krassen Gegensatz zum tradierten, oft romantisierten Indianerbild steht. Weder Formen noch Materialien schlagen eine Brücke zur Vergangenheit. Und dennoch sind Traditionen, Rituale und Geschichten in zeitgenössischen Werken präsent, wenn auch experimentell, multimedial und abstrakt. Die Relevanz dieser Kunst ist offensichtlich, da sie vom Selbstverständnis der eigenen Vergangenheit geprägt ist und es vermag, Geschichten indigener Kulturen auch mit Acrylfarbe, Leiterplatten und auf Smartphones zu erzählen.

Die Ausstellung „IndianerArt“ greift mit Werken ausgewählter indigener Künstlerinnen und Künstler das Selbstbewusstsein der »Indianer heute« auf und stellt zeitgenössische Selbstfindungsprozesse dar. So werden Angebote geschaffen, jenseits der durchaus bekannten »Indianerromantik« Lebensumstände, Nöte, Herausforderungen aber auch Chancen und den Stolz indigener Kulturen Nordamerikas im Jetzt kennenzulernen. Obwohl die Stämme heute als First Nations in den Vereinigten Staaten anerkannt sind, so leben sie doch größtenteils in Reservationen unter oft schlechten infrastrukturellen Bedingungen. Überdurchschnittlich viele Menschen indigener Herkunft leiden unter Alkohol- und Drogenproblemen, schlechter Ernährung und Krankheiten. Die Diskriminierung Indigener gerade in ländlichen Gebieten führt häufig zu Traumata, viele stehen auf der untersten Stufe der sozialen Hierarchie. Zeitgenössische indigene Kunstschaffende setzen sich intensiv mit diesen Problemen auseinander, öffnen aber auch Perspektiven für ihre Minderheiten über adaptierte und neue Formen der Musik, des Tanzes und der Kunst.

In der Ausstellung werden durchwegs nur indigene Künstler Nordamerikas gezeigt. Neben Gemälden, Grafiken, Drucken und Fotokunst werden auch Skulpturen präsentiert, Videokunst und digitale Ausdrucksgestaltung. „IndianerArt“ vereint 15 Künstlerinnen und Künstler, über die Zugänge geschaffen werden zur modernen Welt indigener Völker, welche viele Besucher vor allem rund um die Karl-May-Festtage inspirieren wird. Die Begeisterung eines Karl May für die Kulturen Nordamerikas wird in Radebeul jedes Jahr im Frühjahr mit dem traditionellen Karl-May-Fest“ neu belebt, die Ausstellung „IndianerArt“ setzt eine einmalige Ergänzung zum Thema »Indianer heute«.

Christian Wacker

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