„Es gibt nichts Gutes, außer man tut es.“

In Erinnerung an Dr. Dietmar Kunze, der im April seinen 70. Geburtstag gefeiert hätte.

Alles, was er anrührte, passte in die Zeit, immer – das zeigten seine Skizzen und Ausstellungen besonders – berührte er das Herz. Zeichnungen von Hand – jede stellt eine Kostbarkeit dar, seine Skizzen fangen das Flair der Umgebung ein, jedes Bauwerk an seinem Standort sollte dort wirken und einen Nutzen erfüllen.

Selten ist mir ein so bescheidener Mensch begegnet. Mit Heiterkeit und Freundlichkeit begegnete er mir, häufig per Rad oder mit Einkaufswagen und immer in Eile, weil etwas zu tun war. „Hallo, wie geht’s ? Ich hab gerade keine Zeit…“ so habe ich unsere Begegnung in Erinnerung.

Auch wenn unser Verein „Alter Gasthof Sörnewitz e. V. inzwischen aufgelöst wurde, so gibt es doch eine kleine Geschichte zu erzählen, wie sie das Leben nicht tragischer schreiben kann. Unser Verein lebte von Hoffnung, Zuversicht und Optimismus, um das größte und vielleicht älteste Gebäude inmitten des Ortes Alt-Sörnewitz, dem idyllischen Dorf an der Elbe, zu retten. Jeder brachte sich hier uneigennützig ein, mit Freude erhielten wir Unterstützung in jeder Hinsicht durch privates Engagement.

Es war im Jahr 2006, wir standen unter dem abgebrannten Dachbalken des Prunksaales voller Stuckelemente und träumten vom Wiederaufbau. Vor Jahren hatte jemand ein Feuer gelegt, durch welches der Saal völlig zerstört wurde und das Nebengebäude verfiel zusehends. Nach der Wende hatte ein Herr Jäger privat die Immobilie spekulativ für wenig Geld erworben, Kredite aufgenommen, die Miete für das griechische Restaurant ins Unermessliche gesteigert und schließlich, nach Kündigung des Gastwirtes Insolvenz angemeldet, mit all den Schulden, die auf dem Gebäude lasteten. Fortan dümpelte die Ruine vor sich hin, keiner im Ort wollte diesen Anblick ertragen und der Verein nahm die Rettung in die Hand.

Das Dach wurde vorsichtig abgetragen, stets den Wiederaufbau im Blick. Dabei unterstützte auch Dr. Kunze, um so viel wie möglich zu erhalten. Die Stuckelemente wurden eingelagert. Der Verkauf des Grundstücks war angesichts der Sanierungskosten unabwendbar. Nun ging es nur noch um die Rettung des Hauptgebäudes an der Ecke, mit seinem besonderen Schnitt und auch dafür zeichnete Dr. Kunze Skizzen für eine gemeinnützige Nutzung wie Bibliothek, vermieteter Laden, Kaffee, Zeichen- und Kulturräume. Doch die Stadt Coswig enttäuschte uns sehr, sie fragte, wer sich um dieses Haus kümmern soll und ließ den Verein von den gespendeten Geldern die Grundschulden nachzahlen, die längst verjährt waren. Der Verein gab noch nicht auf, aber er war froh, als sich ein neuer Investor gefunden hatte. Dieser begann und alle hofften. Nun steht der halbfertige Bau wieder zum Verkauf, nachdem der Käufer schwer erkrankt ist. Der Gasthof sucht also wieder einen neuen Eigentümer, diesmal über den Nachfolger.

Wir haben als Verein noch eine Erinnerungsplatte gravieren lassen und wollten von dem letzten Geld im Hof einen Baum pflanzen. Wer wird dieses Erbe übernehmen?

Die Zeichnungen von Dr. Dietmar Kunze, wertvoll und durchdacht, konnten leider nicht in die Praxis umgesetzt werden und doch hat er so viel bewegt. Ohne seine Hilfe stände jetzt noch eine Ruine im Dorf. Er hat viel getan, an vielen Baustellen und immer nach vorn geblickt.

„Es gibt nichts Gutes, außer man tut es., das Kästner-Zitat passte so gut zu Dr. Kunze! Er ist nicht nur zu zeitig gegangen, sondern seine positive, optimistische Lebensart wird uns sehr fehlen.

Ina Vogt

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