Editorial

Nach nunmehr fast drei Jahrzehnten der Tristesse scheint es in der Causa „Villa Kolbe“ nun endlich einen veritablen Lichtblick zu geben.
Der langjährige Rechtsstreit zwischen den Eigentümern und der Stadt Radebeul wurde nun zugunsten der Stadtverwaltung aufgegeben, sodass das inzwischen stark sanierungsbedürftige Gebäude einem Bieterverfahren zugeführt werden kann.
In der Tat hatte das Objekt schon seit langer Zeit unter der Rubrik lost places im Netz einen bemerkenswerten Kultstatus entwickelt, zählte doch einst die Villa nach dem Entwurf des Berliner Architekten Otto March und von den Baumeistern Gebrüder Ziller im Stil eines deutschen Renaissanceschlosses errichtet, zu den schönsten und prunkvollsten Häusern der Stadt.
Ab 1892 wohnte der Chemiker und Arzneimittelunternehmer Carl Kolbe hier, einige Eigentümerwechsel folgten, und über einem langen Zeitraum wurde die Villa als chirurgische Klinik genutzt.
In den Nachwendejahren führte der Leerstand dann zu all seinen unerfreulichen Folgen. Das verwaiste Haus lockte viele ungebetene Besucher, zum äußeren Verfall gesellte sich Vandalismus an der reichen und kostbaren Innenausstattung.
Schon bald wird sich vielleicht zeigen, welche Nutzung das einstige Kleinod mit dem stattlichen parkähnlichen Garten wieder erfahren kann.
Es bleibt zu hoffen, dass die bedeutsame historische Anlage zukünftig wieder der Öffentlichkeit erhalten bleibt. Ein Ärztehaus ist schon allein aus wirtschaftlichen Gründen gut vorstellbar.
Wünschenswert, wenngleich wohl zu träumerisch, wäre, wenn ein Teil der repräsentativen Räumlichkeiten erlesenen künstlerischen Formaten, ähnlich wie in der „Villa Teresa“ in Coswig, künftig einen würdigen Platz bieten könnten.

Sascha Graedtke

 

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