Ein Besuch im „Reparatur-Café“ Coswig

Wie kommt der Lohse denn nun auf diese Sache abseits von seinen üblichen Themen – alte Häuser, Denkmalpflege und Kunst – wird der Leser fragen? Beim zweiten Hinschauen wird man erkennen, Denkmalpflege und die Reparatur einer Kaffeemaschine haben vielleicht doch etwas Gemeinsames. Hier und da ist es eine Maßnahme zum Erhalt eines geschätzten oder nützlichen Gegenstandes, z.B. eines alten Winzerhauses hier oder einer sich im privaten Haushalt als nützlich erwiesenen elektrischen Maschine da. Es gilt, dem Abbruch eines Denkmals zuvor zu kommen und da ist es das Ausbremsen der überall im Lande zu erlebenden Wegwerfgesellschaft. Darin sehe ich durchaus etwas Positives!

Der Name „Repair-Café’“, zuerst begegnete ich ihm in Bonn, ist wohl etwas weit hergeholt aber üblich, verständlicher wäre hier das Wort Reparaturstützpunkt. Sowas gibt sie es meines Wissens deutschlandweit, nur ist das Angebot der Leistungen örtlich verschieden. In Coswig liegt der Schwerpunkt auf Reparaturen von mechanischen und elektrischen Haushaltgeräten kleiner und mittlerer Größe. Das hängt sowohl mit den räumlichen Verhältnissen, als auch mit der personellen Besetzung des Stützpunktes (ich sah hier nur aktive Männer) zusammen. Die Sache scheint nicht auf Coswiger als Kunden beschränkt zu sein, denn ich wurde als Radebeuler Bürger nicht weggeschickt. In unserem Falle liegt die Betonung weniger auf Café, mehr auf „Repair“. Obwohl, es kann schon vorkommen, dass, wenn eine Kaffeemaschine erfolgreich repariert wurde, man einen Probedurchlauf von mitgebrachtem Kaffee vereinbart und so noch etwas länger in der arbeitsamen Gemütlichkeit des ehemaligen Ladens verweilt.

Stadteilladen L 29, Lindenauer Straße 29, 01640 Coswig


Wie ist die „Truppe“ des Reparaturstützpunktes eigentlich organisiert? Die vier, fünf älteren Herren (es müssen nicht immer alle da sein) sind als Verein organisiert und arbeiten als Rentner auf freiwilliger Basis, einer ist der Vorsitzende des Vereins „Coswig – Ort der Vielfalt“ e.V.. Sie waren alle in handwerklichen Berufen, z.T. auch als Ingenieure, tätig gewesen und zehren so im Ruhestand noch von ihren Erfahrungen in der Praxis. Jeder hat einen eigenen, gut bestückten Werkzeugkasten dabei und weiß damit umzugehen. So habe ich gestaunt, wie viele Schraubendreher es da gibt, z.B. „Kreuzschlitz mit Magnetfunktion“. So was hätte ich nicht Zuhause gehabt! Es ist schon mal erstaunlich, wie systematisch und ruhig die Kollegen an so ein „krankes Gerät“ herangehen: als erstes erkennen sie, ob es ein VEB-Gerät ist oder ob es was neueres aus China ist. Das Öffnen des Gerätes ist reine Routine, die Schrauben werden sicher abgelegt, damit dann beim Zusammenbau keine fehlt. Dann wird die Maschine „abgeklingelt“ und so schließlich der Fehler erkannt. Nun wird die Ersatzteillage geprüft und mit dem Kunden erörtert, ob die Reparatur möglich ist, bzw., ob sie sich für den Kunden lohnt. Es kommt eher selten vor, dass dem Kunden gesagt wird, die Reparatur wäre unwirtschaftlich teuer und abgeraten wird sie durchzuführen. Wenn das kaputte Teil im Großhandel beschafft werden muss, kann der Kunde es bestellen und später herbringen oder ein Kollege übernimmt die Bestellung, wenn der Kunde dafür einen Auftrag erteilt. Dann vereinbart man sich zu einem neuen Termin, das gelieferte Teil wird eingebaut und das Gerät geprüft. Nun kommt Geld ins Spiel: dem Kollegen, der das Ersatzteil bestellt hat, wird die Rechnung dafür beglichen, er hatte ja Auslagen. Davon unberührt bleibt der Teil, den der Kunde je nach Zufriedenheit und nach Ermessen in eine bereit stehende Kasse wirft und sich für die erbrachte Leistung bedankt. So funktioniert das!

Das Betriebsklima unter den Vereinsmitgliedern ist entspannt, man diskutiert Reparaturprobleme ruhig und sachlich. Gelegentlich kann man auch einen Scherz erleben, wenn ein Kunde Sachbegriffe fehlerhaft anwendet, z.B. sagt, die Birne brennt nicht mehr. Dann kann’s passieren, dass man ihn fragt, ob er schon im Obstgeschäft war und da gefragt hat. Als Stützpunkt kann ein ehemaliger Laden der Ladenzeile der Plattenbauhäuser der 70er Jahre in der Lindenauer Straße 29 genutzt werden. Die Öffnungszeiten sind Dienstags von 18 bis 20 Uhr und Donnerstags von 10 bis 12 Uhr. Schade, dass die drei ausgewiesenen, nahen Parkplätze meist belegt und andere weiter weg sind.

Ich war 2025 mit meiner Kaffeemaschine und später mit einer Mikrowelle hier sehr gut bedient worden. Macht weiter so!

Dietrich Lohse

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