Glosse

Nach hinten geschossen!

Es ist dieses Jahr wie verhext: Das Thema Weihnachten, explizit das des Beschenkens, will mich einfach nicht loslassen. Einen diesbezüglich bereits im vergangenen Jahr verfassten Beitrag schiebe ich nun schon von einem zum anderen Mal auf die lange Bank. Immer kommt etwas Unaufschiebbares, gewissermaßen Alternativloses dazwischen. Aber man kann natürlich die ganze Sache auch positiv sehen, denn beschenkt wird man ja das ganze Jahr über. Ob man allerdings die Gaben haben will oder nicht, beispielsweise einen engeren Gürtel von Onkel Merz, an dem man dann bequem die Patronentasche sicher befestigen kann, steht auf einem ganz anderen Blatt. Aber vielleicht sollte man es wie der Karikaturist halten, der auf seiner Zeichnung – zu sehen in der gegenwärtigen Ausstellung in Radeburg – an der Front lieber nach hinten schießt.
Freilich wird hier ein Witz auf Kosten eines nicht mehr existierenden Landes gerissen, aber wenn man tief in der eigenen Sch… steckt, muss das schon mal erlaubt sein. Und vielleicht hat doch die Berliner Zeitung recht, wenn sie neulich in einer Unterzeile titelt „Was der Westen jetzt vom Osten lernen kann.“.

Nun will ich hier wahrlich nicht zur Kriegsdienstverweigerung aufrufen, zumal die Glocke noch nicht geschlagen hat und unser aller Trump, Gott lob, zurück gerudert ist. Also, ist doch hinten vorn?

Mancher aber scheint etwas die Orientierung verloren zu haben in diesen wirren Zeiten oder es geht ihm noch nicht „steirisch“ genug zu und er erklettert mal ebenso einem 500 Meter hohen Wolkenkratzer. Andere wiederum sehen am hellerlichten Tag die Stadtlichter strahlen, aber die Golddukaten auf der Straße nicht. Und wie das so ist, in „steirischen“ Zeiten, wird der Ruf nach Helden immer lauter. Ich kann gar nicht alle aufzählen, wo es heutzutage wieder Helden gibt: im Gesundheitswesen, beim Nahverkehr, beim Tourismus, bei den Briefträgern, bei der Feuerwehr sowieso. Aber von den Helden in der Landwirtschaft habe ich in der Neuzeit noch nichts gehört. Das liegt freilich lange zurück als wir noch ganze „Ernteschlachten“ geschlagen haben. Man stolpert gegenwärtig wo man geht und steht förmlich über Helden. Nur die Jugend will nicht so recht in die khaki-grünen Modeanzüge steigen, da helfen offensichtlich auch keine 3.000 Euro und kostenlose Bahnfahrten.

Wenn Helden gebraucht werden, ist die Karre schon gehörig vom Weg abgekommen, vermutlich weil einfach die Kutscher zu häufig wechseln. Wie sagte da meine Mutter immer, wenn ihr einer nicht so richtig in den Kram passte: „Den könnt ich auf den Mond schießen!“ Das scheint mir heutzutage aber auch nicht mehr die richtige Methode zu sein, seit die Amis dort schon 1969 den Staub aufgewirbelt haben. Wo die nicht schon überall waren… Da will ich jetzt gar nicht auf deren neuste Weltraumaktivitäten anspielen.

Aber lassen wir das, sonst wird die Glosse noch politisch. Da setze ich mich lieber in eine Ecke, trinke Tee und warte ab. Irgendetwas wird schon passieren. Und wenn einem nichts mehr einfällt, kann man ja auch mal ein Schlagwort aus ganz vergangenen Zeiten wieder zum Leben erwecken. Das aber ausgerechnet der alte Slogan „Vom Ich zum Wir“, der die sozialistische Umgestaltung der Landwirtschaft der DDR in den 1960er Jahren beflügeln sollte, wieder zu Ehren kommt, wäre selbst mir nicht in den Sinn gekommen. Da kann man nur hoffen, dass der jüngst erschallte „Mahnruf“ nach dem Wir nicht so nach hinten losgeht, wie die Werbekampane „Wir-Berlin“ aus dem Jahr 2009, als der ganze Spaß die Hauptstadt der Republik 1,5 Millionen Steuergelder gekostet hatte, meint

Euer Motzi.

 

 

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