Überraschungssalon bei Friedrich Aust für einen Mimen und wundersame Begleitung

Das Glück nach getaner Kunst: Pianist Martin Fischer, Schauspieler Tom Quaas, Steinbildhauermeister Marcus Faust und Gastgeber Karl-Friedrich Aust. Hinter der Kamera die versammelte Begeisterung aus Radebeul und Umgebung.
Foto: S. Graedtke
Fiete Junge hat es hoffentlich von oben gut sehen und hören können, was ihm da gewidmet war: Eine ungeplante Laudatio, eigentlich verboten trotzdem glänzend formuliert von Junges Freund Frank Richter, und ein Nathan, frisch gewaschen und nicht gebügelt von Tom Quaas. Es gibt sie noch, diese Abende, von denen man gern sagt: Ich war dabei! An denen klar ist, wie kostbar manche Stunden sein können. Die Zuhörerschaft kam aus dem Staunen nicht heraus, denn während Tom Quaas Lessings Meisterwerk aufleuchten ließ, pianoforte begleitet von Martin Fischer, jede Rolle mit eigener Stimme und Duktus ausstaffierend, war ein Dritter dabei, draußen vor der Tür unterm Bildhauerzelt auf seine Art das Erinnern an F.W. Junge in Stein zu meißeln. Allen nicht Dabeigewesenen zum Trost: Das Format der szenischen Lesungen wächst und gedeiht, dazu später mehr. Tage danach nahm sich Tom Quaas Zeit für Fragen von Christine Ruby.
Man sagt, Tom Quaas spielt immer an schönen Orten. Was ist für Dich ein schöner Ort?
Ich habe Themen im Kopf, hier zum Beispiel Lessings Gedanken zum Judentum, zur Menschlichkeit, zu Personen wie Fiete Junge. Dann findet sich ein Platz, der dazu passt. So ist er schön für mich. In diesem Falle ergab sich das alles beim Anwesen von Friedrich Aust. Da war Fiete sozusagen mit dabei. Andere Orte warten förmlich auf andere Themen. Der Kreisler-Abend „Die Tauben sind nicht totzukriegen“ gehört für mich unbedingt auf den Theaterkahn, wo ich gern gute Unterhaltung auf hohem Niveau präsentiere. Anderes kommt auf Batzdorf oder im Societaetstheater am besten zur Geltung. Zum Glück gibt es im Elbland genügend schöne Orte. Ein ganz Besonderer ist unter der Linde von Fietes ehemaligem Zuhause. Da wird es demnächst Lyrik geben.
Sie wohnen und arbeiten auf einem alten Schlösschen. Da gibt es sicher immer etwas zu bauen. Sind Sie zur Not Ihr eigener Zimmermann?
Ja, das kann ich ganz gut, weil ich mal eine entsprechende Lehre gemacht habe. Ursprünglich wollte ich Restaurator werden, habe mich an der Abendschule der HfBK ausgebildet dafür. Auf Batzdorf baute ich mir als erstes eine Probebühne, später auch schon mal ein Hochbett oder was man so braucht. Dazu ist zu sagen, es gab einmal einen Wechsel in meinem. Vorher war die Bühne mein Hobby, das Restaurieren mein Beruf. Das habe ich dann mal umgedreht. Es passt alles gut zusammen.

Was könnte schöner an Lessing, Fiete Junge und die Kunst der Bühne erinnern als der Ring von unschätzbarem Wert? Der Stein von Marcus Faust wird auf dem Weingut einen guten Platz finden.
Foto: S. Graedtke
Eine obligate Frage an den Bühnenkünstler muss sein: Wie gerne drehen Sie Filme?
Ach, das ist eben etwas ganz anderes. Ich bin, ehrlich gesagt, nicht so sehr filmaffin. Es gibt dort keine direkte Rückmeldung. Man spielt in die Kamera, in eine Menge von Leuten, die den Film machen, hinein. Da ist es mir sehr viel lieber, direkte Reaktionen aus dem Zuschauerraum zu bekommen. Das ist lebendiger, inspirierender.
Wonach entscheiden Sie, was Sie spielen? Was beschäftigt Sie gerade?
Da gibt es zwei Aspekte. Entweder der Inhalt ist wichtig, so dass er mich beflügelt, dann ist mir das Geld nicht so wichtig. Oder der Inhalt ist gut, und gleichzeitig eine Gelegenheit, auch gut zu verdienen. Die Wahl hat man immer.
Derzeit bereite ich mich vor, an den Jüdischen Tagen in Meißen dabei zu sein. Und wie immer beschäftigt mich wirklich gute Unterhaltung. So hat der Kreisler-Abend ja seine Fortsetzung gefunden und wer weiß, wie weit das noch gehen mag.
Ganz aktuell ist ein Herzensprojekt meine neue Reihe „ELB-LESUNGEN“. Die Lesungen, zum Teil szenisch, werden an verschiedenen Orten im Elbland stattfinden. Auftakt ist am 4. April auf Schloss Batzdorf! Zusammen mit meiner Tochter Paula können Sie den ganzen Faust, leicht gekürzt erleben. Vorher gern einen Kaffee, danach einen Wein, an einem der schönsten Orte im Elbland.
Vielen Dank – und eine kleine Erinnerung: Radebeul liegt ja recht zentral im Elbland. Also freuen wir uns auf ein Wiedersehen!
Christine Ruby
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Immer mal reinschauen lohnt sich: https://www.theaterzirkus-dresden.de/dates/

