Wassersportzentrum Radebeul

Seit nunmehr 103 Jahren ist das Bootshaus Radebeul ein wichtiges Zentrum für Sportler, Freunde und Liebhaber des Wassersports – Ruderer, Kanuten und Segler. Mittlerweile ist es aber auch ein gefragter Ort für Wasserwanderer auf der Elbe und Fahrradfahrer die auf dem Elberadweg unterwegs sind und hier gern eine Zwischenrast einlegen.

Die umgebaute Kegelbahn des Dampfschiffrestaurants
Foto: Festschrift 100 Jahre Bootshaus/ Wassersportheim Radebeul

Es waren Ruderer des Rudervereins Lößnitz (R.V.L.) die in der umgebauten Kegelbahn des Dampfschiffrestaurants ihr Domizil hatten, das den Ansprüchen des jungen Vereins durchaus genügte. Mit stetigem Anstieg der Mitgliederzahl und der zur Verfügung stehenden Ruderboote musste aber über eine Alternative nachgedacht werden. Ein neues Bootshaus wurde erforderlich. Nicht zuletzt dank großzügiger Spenden konnte das Vorhaben in Angriff genommen werden und im ersten Schritt die Bleichplatzanlage der Badeanstalt Kleinert in Kötzschenbroda als Bauland erworben werden.
Der Radebeuler Architekt Alfred Tischer entwarf 1923 einen verputzten Ziegelbau mit Zollingerdach. Die Giebel sind teilweise verbrettert, im Erdgeschoss befinden sich zwei große, korbbogige Hallentore.

Bild: Festschrift 100 Jahre Bootshaus/ Wassersportheim Radebeul

Am 26. Mai 1923 erfolgte der offizielle Baubeginn und bereits am 30. September fand die Einweihung des neuen Bootshauses statt. Die Radebeuler Baufirma Johannes Eisold hatte das Bootshaus errichtet.

Der Mittelbau mit dem Zollingerdach ohne die seitlichen Anbauten ist unter dem Denkmalnamen „Wassersportheim Lößnitz“ ein Kulturdenkmal. Als markanter Bau mit seltener Lamellendachkonstruktion, nach Patent des Merseburger Architekten Friedrich Zollinger“ ist das Gebäude ortshistorisch und baugeschichtlich bedeutend. In seiner Schlichtheit und Zweckmäßigkeit fügt sich der Bau sehr schön in das umgebende Landschaftsbild ein.

Bootshaus in den 1920er Jahren
Foto: Festschrift 100 Jahre Bootshaus/ Wassersportheim Radebeul

Ein überaus reges Vereinsleben mit Training, Regattateilnahmen, geselligen Zusammenkünften machte das Bootshaus zu einem wichtigen Begegnungsort in Radebeul.

Nach dem zweiten Weltkrieg wurde es bis 1948 zweckendfremdet als KfZ-Werkstatt von der Roten Armee genutzt.

Danach aber entwickelte sich das Bootshaus wieder zu einer Heimstatt vieler, engagierter Wassersportler. Ruderer, Segler und Kanuten. Gemeinsam nutzten sie das Bootshaus und kümmerten sich im Verbund eines Bootshausaktives um sämtliche Belange dieses Hauses. Organisatorisch und sportlich agieren die jeweiligen Abteilungen auch heute noch eigenständig.

Immer wieder reagierten die Sportler und die Verantwortlichen auf neue Herausforderungen und neue Bedingungen. So werden Anfang der 1970er Jahre eine Seglerhalle, ein Kanuanbau, Garagen und ein Sozialtrakt mit Toiletten, Duschen und Umkleideräume für die Damen angebaut. Neben der Seglerhalle entsteht außerdem eine Bootshalle für die wachsende Zahl der Ruderboote und ein neues Ruderbecken für das Rudertraining außerhalb der Freiluftsaison. Damit hatten sich die Trainingsbedingungen für alle Sportler wesentlich verbessert.

Traditionelle Veranstaltungen wie Fasching, Sommer- und Weinfest, Weihnachtsfrühschoppen und Silvesterpartys wurden, neben den sportlichen Aktivitäten wieder zu festen Größen im Jahreskalender der Abteilungen.

Eine besondere Würdigung gilt an dieser Stelle dem Ehepaar Walter und Erika Friedrich die sich über viele Jahre mit Leidenschaft für den Rudersport und für sämtliche Belange des Hauses und Geländes eingesetzt haben und nachhaltige Spuren hinterlassen haben.

Nach anfänglichen Unsicherheiten ist seit 1990 das Bootahaus und Gelände Eigentum der Stadt Radebeul und die Sportabteilungen sind Pächter und eigenverantwortlich für „ihr“ Bootshaus und das Gelände zuständig.

Eigentlich ist ein Bootshaus am Wasser und nicht unter Wasser. Aber Hochwasser an der Elbe waren keine Seltenheit und man hatte sich daran gewöhnt, manchmal zweimal im Jahr, die Bootshallen vom zurückgelassenen Schmutz des Elbehochwassers zu säubern.

Aber die Fluten der Elbe 2002 und 2013 zerstörten alles, was nicht niet- und nagelfest war. Bis in den Saal im Obergeschoss (2002) stand das Wasser. Die Schäden waren enorm und es folgten Tage und Wochen an denen es schwer war sich vorzustellen wie es weitergehen soll.

Die Schäden waren gewaltig. Garagen, Segler- und Ruderhalle mit dem Ruderbecken mussten abgerissen werden. Das historische Bootshaus war so schwer in Mitleidenschaft gezogen, dass es zum Teil entkernt, Decken neu eingebaut und der Saal nebst Küche instand gesetzt werden mussten. Das Haus bekam ein neues Dach, aber einige Provisorien blieben noch. Diese Herausforderungen zu bewältigen, erforderte enormen Einsatz aller Mitglieder und Freunde des Wassersports.

Aktuelle Ansicht des historischen Bootshauses
Foto: Festschrift 100 Jahre Bootshaus/ Wassersportheim Radebeul

Und genau dieses Engagement der wassersportbegeisterten „Bootshausfamilie“ war maßgebend, dass mit großer städtischer Unterstützung, mit staatlichen Fördermitteln, Spenden vom Verein „Arche noVa“, privaten Spendern ein „erneuter“ Neustart möglich wurde. 2017 war es dann soweit, dass mit einer feierlichen Grundsteinlegung ein moderner Bootshaus-Ersatzneubau beginnen konnte.

Es entstanden moderne Bootshallen mit Werkstatt, Ruderbecken im Erdgeschoss, Sanitäranlagen, Umkleideräume sowie der Kraft- und Gymnastikraum im Obergeschoss. Eine gelungene Planung des Radebeuler Architekturbüros Atelier2 unter Leitung von Frank Mehnert und Dirk Georgi.

Neubau Bootshaus Radebeul
Foto: Festschrift 100 Jahre Bootshaus/ Wassersportheim Radebeul

Heute ist das Bootshaus mit seinen Abteilungen Mitglied in der SSV Planeta Radebeul, immer wieder ein sehr lebendiger Treffpunkt für sportbegeisterte Ruderer, Kanuten, Segler und natürlich für Kinder. Jugendliche und Erwachsene, die sich für Wassersport interessieren und vielleicht auch aktive Mitglieder in einer der Abteilungen werden wollen, sind herzlich willkommen.

Matthias Kratschmer
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Textauswahl aus der Festschrift zum 100jährigen Bestehen des Bootshauses/Wassersportheim Radebeul, Zusammenstellung Matthias Kratschmer

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