23. Thematischer Filmclubabend


Das Radebeuler Wanderkino Filmclub mobil startet nach der Sommerpause am 27. August in der Kunstscheune Altnaundorf mit dem DEFA-Film „Feuer unter Deck“. Die Verfilmung beruht auf Wolfgang Müllers Erzählband Flußgeschichten. Ursprünglich für die Sommerfilmtage vorgesehen, bewegt sich der Film recht unverbindlich zwischen abenteuerlicher und humorvoller Unterhaltung.

Wer sich für Schaufelraddampfer interessiert, kommt in dem Film voll auf seine Kosten. Liebevoll umkreist die Kamera das alte Schiff. Der Rückblick auf die Elbeschifffahrt, schwelgt in Schifferromantik, welche durch die Musik von Günter Fischer (geb. 1944) verstärkt wird. Doch die Realität sieht anders aus. Das beständige Kohleschippen ist eine körperlich schwere Arbeit, die kaum noch ein Jüngerer machen will.

Besonders interessant ist auch die Konstellation beider Hauptdarsteller. Während Manfred Krug (1937-2016), bereits auf eine erfolgreiche Karriere als Filmschauspieler zurückblicken konnte, stand Renate Krößner (1945-2020) am Anfang ihrer filmischen Laufbahn. Doch schon drei Jahre später war sie durch die überzeugende Verkörperung der Sängerin Sunny in Konrad Wolfs Film „Solo Sunny“ 1980 in aller Munde.

Nachdem Manfred Krug Ende 1976 die Petition gegen die Ausbürgerung Wolf Biermanns unterzeichnet hatte und 1977 von der DDR in die BRD übersiedelte, wurde der Film kurz vor der Premiere zurückgezogen. Die Uraufführung erfolgte 1979 zunächst im Fernsehen der DDR und 1981 kam der Film schließlich, jedoch unangekündigt und mit wenigen Kopien, in die Kinos.

Der Drehbuchautor und Filmregisseur Herrmann Zschoche (geb. 1934) hatte sich vor allem im Bereich der Kinder- und Jugendfilme einen Namen gemacht. Zu den DEFA-Klassikern gehören die Benno-Pludra-Verfilmung „Lütt Matten und die weiße Muschel“ 1964 als auch „Sieben Sommersprossen“ 1978.

Mit Spielfilmen wie „Karla“ 1965, „Bürgschaft für ein Jahr“ 1981, „Hälfte des Lebens“ 1985 oder „Die Alleinseglerin“ 1987 hatte er in der DDR, trotz politischer Reglementierungen, ein bedeutendes Stück DEFA-Filmgeschichte geschrieben. Nach 1990 war Zschoche u. a. an einigen Fernsehserien beteiligt, zog sich jedoch ab 1997 weitgehend aus dem Filmgeschäft zurück. Empfehlenswert ist in diesem Zusammenhang seine im Jahr 2002 veröffentlichte Autobiografie.

DEFA-Spielfilm „Feuer unter Deck“

1977, DDR, 87 Minuten, Farbe, FSK 14

Drehbuch und Regie: Herrmann Zschoche; Musik: Günther Fischer; Kamera: Günter Jaeuthe; Besetzung: Manfred Krug (Otto); Renate Krößner (Carola „Caramba“) u. a.

Handlung: Otto ist Kapitän auf dem alten Radschleppdampfer „Jenissei“ mit dem er die Elbe befährt. Seine Mannschaft ist aufeinander eingeschworen. Alles könnte ewig so weitergehen. Doch Ottos Freundin Carola, genannt Caramba, die in einer Kneipe als Kellnerin arbeitet, hat irgendwann genug. Sie wünscht sich eine Familie, will ein Kind und einen Mann, der bei ihr ist. Sie drängt auf eine Entscheidung. Doch Otto kommt nicht los von seinem Dampfer und Carola trennt sich schließlich von ihm. Aber auch vom Radschleppdampfer heißt es Abschied nehmen, denn dieser ist der letzte auf der Elbe, der noch mit Kohle betrieben wird. Nach dessen Stilllegung soll daraus ein Museums- und Restaurantschiff werden. Die Besatzungsmitglieder gehen fortan getrennte Wege. Während der Älteste an Bord bleibt und die Wartung des Schiffs übernimmt, wechselt der Rest der vierköpfigen Mannschaft zu einem, mit Diesel betriebenen Schiff. Nur Otto macht einen radikalen Schnitt und beginnt bei einer Gleisbaubrigade als Schienenarbeiter. Die Kellnerin Carola wiederum übernimmt die Leitung des Restaurantschiffes.

Mehr oder weniger zufällig sieht Otto, dass durch das Niedrigwasser in der Elbe zwei Kähne festsitzen und die Wasserstraße blockieren. Versuche, die Schiffe mit Traktoren aus den Sandbänken zu ziehen, scheitern. Der stillgelegte Radschleppdampfer wäre hierfür geeignet, hat er doch nur wenig Tiefgang. Da kommt Otto plötzlich eine verwegene Idee. Er kapert „seine Jenissei“ und als der Ruf „Feuer unter Deck“ erschallt, ergreifen die Restaurantgäste panisch die Flucht. Nun übernimmt Otto ein letztes Mal das Kommando. Die auf Grund gelaufenen Schiffe können Dank Ottos beherztem Eingreifen aus ihrer misslichen Lage befreit werden. Doch sozialistische Helden sehen anders aus.

Wenngleich das Ganze für die „Jenissei“ in einem zerstörerischen Fiasko endet, könnte es für Otto und Caola-Caramba, trotz aller Turbulenzen, einen Neuanfang geben.

Karin Baum und Michael Heuser
Sprecher der Cineastengruppe „Film Club Mobil“ im Radebeuler Kultur e.V.
Anmerkung: unter Verwendung von verschiedenen Filmbegleitmaterialien und Wikipedia-Eintragungen

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