Straßenfeste gab und gibt es reichlich. Aber ein Stadtteilfest? Sind das nicht zu hohe Hürden im Vergleich zu einem Straßenfest? Wir, die spätere Bürgerinitiative Niederlößnitz, wollten es versuchen.
Als wir durch das Amtsblatt auf das „Stadtteilbudget zur Förderung bürgerschaftlicher Initiativen“ aufmerksam wurden, dachten wir, warum nicht mal ein Niederlößnitzer Stadtteilfest organisieren. Schnell war klar, durch diese Unterstützung der Stadt könnten wir noch mehr Bürger einbeziehen, unseren schönen Stadtteil weiter beleben und ins Gespräch bringen.

Erstes »Stadtteilfest Niederlößnitz« auf dem Rosa-Luxemburg-Platz, vor und im ehemaligen Rathaus, 2018
Bild: K.Baum
So wurde im Mai 2017 der Antrag auf Förderung gestellt und im Februar 2018 auch bewilligt. Im März-Amtsblatt veröffentlichten wir unseren ersten Aufruf an die Niederlößnitzer, ob Interesse an einem Stadtteilfest besteht, und es meldeten sich tatsächlich sofort 30 Mitstreiter. Daraus entstand dann eine kleine, feste Arbeitsgruppe von 20 Anwohnern, die sich regelmäßig zur Vorbereitung der Feste trafen, neue Vorschläge und Ideen einbrachten und einzelne Aufgaben übernahmen. Sie warben um Spenden und was ganz wichtig war, sie verteilten eifrig unseren selbst gestalteten Flyer. Besonders erfreulich war, dass sich alle am Fest Beteiligten selbst gemeldet hatten: die Tanzschule Linhart, der Kinderschutzbund mit seinem Zirkus“ SANRO“, der Kindergarten Mohrenhaus, der Hort Niederlößnitz, die Fahrradwerkstatt und andere.
Das erste Fest fand am 25. August 2018 statt und wurde sehr gut angenommen. Weitere Stadtteilfeste folgten am 31. August 2019, am 25. Juni 2021, am 17. September 2023 und am 5. Mai 2024. Wegen der Corona-Pandemie musste das für 2020 geplante Fest ausfallen. Der Oberbürgermeister, Bert Wendsche, ließ es sich nicht nehmen alle Feste selbst zu eröffnen und der Bürgerinitiative seinen Dank auszusprechen.
Da die Niederlößnitz, erst seit 1839 als Gemeinde existiert, verfügt sie über kein gewachsenes Zentrum. Der dem ehemaligen Rathaus vorgelagerte Rosa-Luxemburg-Platz schien sich als ein kleiner Fest- und Veranstaltungsplatz zu eignen. Auch das Rathaus, in welchem sich zurzeit noch das Domizil der Musikschule befindet, bot sich als Ausstellungsort für eine Bild- und Textdokumentation geradezu an. Das Interesse der Mitbürger an ihrem Wohngebiet war erstaunlich. So stellten sie Fotos und anderweitige Dokumente zur Verfügung, Dietrich Lohse hatte ausführlich und fachkundig unseren Stadtteil beschrieben. Rosemarie Kriesten besorgte Aufsteller und Wechselrahmen, so dass durch ihr unermüdliches Engagement eine sehr informative Ausstellung entstand, die Jahr um Jahr eine Erweiterung erfährt.
Auch die Stadtteilrundgänge mit dem Historiker Frank Andert waren ein voller Erfolg. Vermittelt wurde allerlei Wissenswertes zur Geschichte, zu besonderen Ereignissen, zu bedeutenden Persönlichkeiten, zu Gebäuden, Sehenswürdigkeiten, Straßen und Plätzen, zu den zahlreichen Gaststätten, Gärtnereien, kleinen Läden u. v. m.
Eine Bühne auf dem Rosa-Luxemburg-Platz bot jungen Talenten die Möglichkeit zum Auftritt. Hüpfburg, Puppentheater, Musik, Akrobatik, Karussell, Bastel- Mal- und Schminkstationen, Kuchen, Eis und Bratwurst sowie kalte und heiße Getränke mit und ohne Alkohol – all das gehört seitdem zu unserem abwechslungsreichen Programm für die ganze Familie. Mit dabei ist auch die Weinbaugemeinschaft Niederlößnitz, die Musikschule sowie die Kinder- und Jugendfeuerwehr.
Mit dem Spruch-Banner „Niederlößnitz grüßt seine Nachbarn“ gratulierten wir 2024 als eine kleine Delegation den Naundorfern zum 880. Geburtstag. Die Naundorfer hats gefreut, so wie auch wir uns freuen würden, wenn wir zahlreiche Gäste aus den anderen Radebeuler Ursprungsgemeinden zu unserem 6. Niederlößnitzer Stadtteilfest am 6. September 2026 von 13 bis 21 Uhr auf dem Rosa-Luxemburg-Platz begrüßen können. Das vollständige Programm wird in der September- Ausgabe von „Vorschau & Rückblick“ veröffentlicht.
Barbara Sehnert im Namen der Bürgerinitiative Niederlößnitz


