Aus meinen grafischen Tagebüchern
Mit kräftigen, schwarzen, vertikal ausgerichteten Pinselstrichen, die vielleicht an Baumstämme oder Urwaldbäume erinnern habe ich auf einem weißen Blatt begonnen. Mit einem expressiven Tusche-Zeichenstil, der ein wenig an den Stil von Holzschnitten erinnert, wollte ich Bewegung, Tiefe und Dichte realisieren.
Was auf den ersten Blick wie reines Chaos wirkt, entpuppt sich bei näherer Betrachtung, so mein Wunsch an den Betrachter, als streng durchkomponiertes Wechselspiel: Schwarze Flächen atmen durch filigrane Schraffur, Dunkelheit und Licht durchdringen einander, ohne sich je aufzulösen.
Tief im Bildinneren – fast zu übersehen – könnte man eine Kreatur, einen Gepard vermuten, der, versteckt im Dickicht der Vegetation, ein Zeichen setzt. Er stellt uns eine uralte Frage: Was sehen wir wirklich, wenn wir sehen? Die Grafik wird zur Parabel über Wahrnehmung und Täuschung, über das, was sich zeigt, und das, was sich entzieht.
Die Arbeit ist aber kein Abbild des Dschungels. Sie ist Dschungel – undurchdringlich, lebendig, und von einer Stille durchzogen, die vielleicht aber auch lauter ist als jedes Wort.
Wie schon mehrfach beabsichtigt, lade ich den Betrachtenden ein, innezuhalten – denn die Grafik offenbart sich nicht auf den ersten Blick. Wie der Urwald selbst verweigert sie die schnelle Lesbarkeit.

