Exzellente Programmänderung auf Hoflößnitz

Das Konzert vier im 5. Musikfestival Radebeul brachte Überraschungen – aber gute.

Bild: Kathleen Nakoinz


Sicher waren einige Konzertgäste wegen der angekündigten Goldberg-Variationen gekommen, der Komposition von Johann Sebastian Bach, die mit jeder neuen Interpretation noch neugieriger macht auf die nächste. Also war das Radebeuler Konzertpublikum entsprechend gespannt auf das Spiel von Knut Johannessen. Aus gesundheitlich schwerwiegenden Gründen musste der Pianist aus Norwegen diesen Programmpunkt absagen. Dennoch und trotz Schmerzen war er dabei, auch, um am Cembalo die Begleitung der Violinen- bzw. Celloparts zu sichern. Große Disziplin, souveränes Spiel, wie sich zeigen sollte.

Ganze zwei Minuten charmanter Vorrede brauchte Albrecht Menzel, um das Malheur in ein phantastisches neues Programm zu verwandeln, und die Enttäuschung war verflogen. Auch die Cellospielerin war außerplanmäßig auf die Hoflößnitz gekommen. Wundervoll, denn das konnte man ebenso nicht spüren.

So zogen Annabel Hauk, Albrecht Menzel und Knut Johannessen vom ersten Takt einer Vivaldi-Sonate in a-Moll die Gäste in ihren Bann. Die Stimmung im oberen Saal des Besucherzentrums ist ohnehin sehr angenehm. Doch an diesem Abend schien die Anzahl der Zuhörenden mit dem Freiraum, der die Musik fliegen lässt, in bestem Verhältnis. Jedes Instrument kam einzeln zur Wirkung, das Zusammenspiel war sehr harmonisch und ließ die Freude des Schaffens der drei Musizierenden mitklingen.

Der Vielgeliebte Vivaldi, ein vielleicht nicht so sehr bekannte Francesco Geminiani, und natürlich Johann Sebastian Bach bildeten die „sichere Bank“ des Programms und wurden nach genussvoller Stille mit sehr herzlichem Beifall beantwortet. Natürlich warteten dennoch alle auf das Diabolische aus dem Konzerttitel. Wenn es erwartbare Überraschungen gäbe – mit seinem schon oft erlebt virtuosen Spiel von Albrecht Menzel hätte er dem Publikum eine solche beschert. Die Teufelstriller-Sonate ist vielleicht nicht so oft zu hören. Dass man sie hier in Radebeul unspektakulär, aber künstlerisch begeisternd erleben kann, ganz einfach, indem man nicht einmal weit zu reisen hat, sondern das nahegelegene Sofa mit dem Konzertstuhl tauscht, ist die blanke Verwöhnung eines dankbaren Zuhörerkreises.

Dann heißt ein langer, langer Schlussapplaus auch nicht nur: Die Musik ist wunderschön, Sie haben sie ausgezeichnet dargebracht, sondern auch Dank dafür, dass das nicht nur auf den Bühnen der Welt, sondern hier in Radebeul möglich ist.

Christine Ruby
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Tröstlicher Ausblick für nicht Dabeigewesene: Die Winteredition 26 ist aufgelegt! Nächste Konzerte in der Aula des Lößnitzgymnasiums am 28.11.26 mit Joseph Moog und den berühmten Beethoven-Sonaten, am 12.12.26 auf dem Historischen Güterboden. Mehr dazu auf www.musikfestivalradebeul.de

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