Wie sich das Schaffen von Architekt Volker Röhricht auf Radebeul ausgewirkt hat

1. Kurzbiografie

Herr Röhricht ist zu Hause, Foto: D. Lohse

Es gab und gibt nicht wenige Radebeuler Architekten auch solche, die nicht hier leben und dennoch maßgeblich auf die bauliche Entwicklung von Radebeul nach 1990 eingewirkt haben. Einer der sich da einreiht, ist Volker Röhricht. Als langjähriger Freund und Kollege möchte ich seine Entwicklung und sein sich dem Ende näherndes Wirken hier skizzieren.
Am 12. März 1944 wurde Volker Röhricht in Dresden geboren. Seine Eltern waren Gertrud und Fritz Röhricht, die sich dann aber getrennt hatten, so dass Volker bei der Mutter in Dresden Striesen aufwuchs und dort zur Schule ging. Da war der Wunsch, Architekt zu werden, noch nicht zu ahnen. Er machte zunächst eine Lehre als Elektriker und erwarb dann das Abitur an der ABF (Arbeiter- und Bauernfakultät) in Freiberg. Mit diesem Rüstzeug begann er 1967 in Weimar Architektur zu studieren, ließ sich aber aus familiären Gründen ein Jahr später an die TH Dresden umschreiben. Hier hatte Volker Röhricht erst eine „Studentenbude“ in Blasewitz. 1969 heiratete er Ulrike Klemm und zog nach Radebeul. Etwa seit der Zeit besteht auch unsere Freundschaft. Gern erinnert sich Volker an die Hauptfächer des Entwerfens bei den Professoren Wiel, Göpfert,

Kynastweg 26, Foto: D. Lohse

Trauzettel und Lander, andere dagegen blieben weniger in Erinnerung. Es war wohl eher Zufall, dass wir 1972 beide an einer Diplomarbeit, eine Werksplanung für Robotron im Norden von Erfurt, zusammenarbeiten durften. Sie wurde mit „sehr gut“ benotet.

Dr.-Külz-Straße 25 Foto: D. Lohse

Ebenfalls 1972 kam Volkers Sohn Stefan zur Welt. Röhrichts erwarben den westlichen Teil des Minckwitz´schen Grundstücks auf der Oberen Bergstraße. Das Seitengebäude wurde zusammen mit Freunden um- und ausgebaut und ist seitdem Wohnsitz der Familie Röhricht. Nach dem Diplom begann für Volker Röhricht die Arbeit bei BMK Süd / Ipro Dresden auf der Tannenstraße – also in erster Linie Projekierung für den Industriebau. In Radebeul entstand 1988 durch Röhrichts Mitwirkung das Demonstrations – Zentrum für das Druckmaschinenwerk VEB Planeta, ein Industriebau, der mit dem Architekturpreis des Bezirkes Dresden ausgezeichnet werden konnte. Dem folgten 1989, 2005 und 2007 weitere Industriebauten für König & Bauer / Planeta.

Johannesstraße 6/6a, Foto: D. Lohse

Die TU Dresden bot ihm 1974 eine Aspirantur in der Fachrichtung Industriebau bei Professor Papke, die Volker aber 1976 wieder beendete und zum Planungsbüro MTB, später Ipro Dresden zurückkehrte. Den Weg zur Projektierungsgruppe im Dresdner Schloss hatte der Radebeuler Freund und Kollege Dr. Dietmar Kunze geebnet. Nach der Wende wechselte die Projektierung öfter den Namen, aber Volker Röhricht blieb immer am selben Platz.

Dr.-Rudolf-Friedrich-Straße 29 a, Foto: D. Lohse

Da war ein gutes Betriebsklima, es wurde straff gearbeitet und hin und wieder auch mal gefeiert oder Theater gespielt. Hier war er als Gruppen – bzw. Projektleiter tätig. Ab den 80er Jahren bot sich ihm auch die Möglichkeit einer nebenberuflichen Tätigkeit im Fach. Bei Ipro war die Arbeit stets Teamarbeit, die andere Arbeit wurde zuhause allein bewältigt. Die Wende erwies sich für Volker Röhricht beruflich als ein Glücksfall, denn der Job ging ohne Unterbrechung weiter, die Aufgaben waren nun interessanter und die daraus folgenden Bauwerke schöner. Seine größte Dienstreise führte ihn nach Argentinien/ Buenos Aires, aber ein Projekt entstand daraus leider nicht. Durch seine verbindliche Art fand er stets Kontakt zu z.T. höher stehenden Persönlichkeiten und Bauherren, zu Vertretern von Behörden zu Handwerkern und Berufskollegen. So wurde und wird er auch von anderen Radebeuler Architekten geschätzt.

Winzerstraße 26, Foto: D. Lohse

Seine Arbeiten umfassten Industrie-, Gesellschafts- und Wohnbauten sowie Denkmalpflege. Er nahm mit Entwürfen erfolgreich an vielen Wettbewerben teil, in Radebeul z.B. an der Bebauung des Waldstraßenviertels und am Wettbewerb zur Bebauung des ehem. Glasinvest – Areals an der Meißner Straße. Ebenso beteiligte sich Röhricht in verschiedenen Jahren am Radebeuler Bauherrenpreis. Mit dem Eintritt ins Rentenalter 2009 lief die Projektierungsarbeit als Freier Architekt im kleineren Maßstab zuhause weiter. Jetzt konnte ihm auch seine Ehefrau gelegentlich bei der Arbeit behilflich sein. Das Haus Kynast war über mehrere Bauetappen und Jahre ein Schwerpunkt. Ich freue mich jedes Jahr, wenn ich seine lockeren Reiseskizzen sehen kann, die auf den Übungen im Freihandzeichnen des Studiums aufbauen, bin aber auf dieses Talent nicht neidisch. „Last but not least“ muss man ein musikalisches Interesse Volkers erwähnen – er war und ist über Jahrzehnte aktives Mitglied im Posaunenchor der Friedenskirche Radebeul.

Gartenstraße 63/68, Foto: D. Lohse

Friedrich-List-Straße 47, Foto: D. Lohe

Volker Röhricht hatte nach seinem Studium als Architekt sozusagen die Ideallinie dieses Berufsbildes gefunden – der vielseitige Beruf lässt ja auch Entwicklungen als Statiker, Architekt in der Verwaltung, Denkmalpfleger und ja sogar als Künstler (z.B. Walter Herzog, Berlin) zu. Wir dürfen feststellen, er hat mit seinen ausgeführten Entwürfen einen beachtlichen Beitrag für die Gestaltung Radebeuls in jüngerer Zeit geleistet. Da ich mich auf die in Radebeul ausgeführten Arbeiten beschränken wollte, seien von Röhrichts zahlreichen Dresdner Baustellen und denen im Lande hier nur fünf wesentliche genannt: Wohntrakt am Böhnischplatz mit 102 Wohnungen (1986), das Uhrenmuseum in Glashütte, die Wiedererrichtung des „British Hôtel“ und des „Hôtel de Saxe“ um den Neumarkt herum und das private Wohnhaus „Elbblick“ in Dresden Kleinzschachwitz, das eine Auszeichnung erhielt. Insgesamt kann ich einschätzen, dass Volkers Arbeiten im Industriebau sachlich modern ausgefallen sind, jedoch mehr als reine Zweckbauten waren, die Wohnbauten dagegen sind angenehm modern, erfüllen die Wünsche seiner Kunden und fügen sich gut in das Radebeuler Stadtbild ein, was gut am jüngeren Beispiel des Wohnhauses eines Arztes in der Winzerstraße erkannt werden kann.

2. Röhrichts Arbeiten / Bauten in Radebeul
2.1 Sanierungen und Denkmalpflege
# Minckwitzsches Weinberghaus, Finstere Gasse 1,
Bauherrenpreis 1997
# Weingut Kynast, Kynastweg 26, (1994- heute)
Mehrere Gebäude eines historischen Ensembles
wurden von 1992 mit Unterbrechungen bis heute saniert,
wobei sich ein gutes, freundschaftliches Verhältnis mit der
Bauherrschaft, Familie Muth, herausgebildet hat.
# Villa mit Gartenhäusern, Dr.-Külz-Straße 25, (2023 / 24)
# Mietvilla Humboldtstraße 5
# Mietvilla Hohe Straße 35, Sanierung u. Neubau, (1999)
# Mietvilla Hohe Straße 38, Sanierung (1997)
# Winzerhaus (Barth) Große, Weinbergstraße 14 u.
16 (mit Neubau Nebengebäude), (1995)
2.2 Wohnhausneubauten
# EFH, Dr.-Rudolf-Friedrichs-Straße 29a, (1999)
# Wohn- u. Geschäftshaus Dr. Franke,
Wichernstr. 10A, (1998)
# Mehrfamilienhaus
Rathenaustraße 10a
# Doppelhaus Johannesstraße 6 / 6a, (1998),
Bauherrenpreis 1998
# Anbau an Mietvilla, Meißner Straße 239
# Villa für Arztfamilie, Winzerstraße 26, (2024/25)
2.3 Industriebauten
# Straßenbahn-Wartehalle Bahnhofstr. / Meißn. Str. (1987)
initiiert durch KBA Planeta, um 2000 abgerissen
# KBA Planeta, Friedriich-List-Straße 47
Demonstrations – Zentrum, (1988)
Sanierung Hochhaus, (1989)
Hochregal – Lager, (2005)
Bürogebäude, (2007)
# (Rapido) Hebenstreit / Palme, Gartenstraße 63 / 68

Für die Vollständigkeit der Übersicht möchte ich nicht garantieren, aber die wesentlichen Baustellen in Radebeul dürfte ich erfasst haben. Seinen Elan und seine Schaffenskraft bewundere ich bei Volker, der ja in der Familie den Stand eines Urgroßvaters geniest. In Radebeul waren nach 1990 viele gute Architekturbüros damit beschäftigt Radebeul zu beplanen – mir fallen sofort die Büros Kempe, Mehnert, Baarß & Löschner, Clausnitzer und Wagner ein – Volker Röhricht gehört natürlich dazu. Keinesfalls hatte ich mit dem Artikel die Absicht, herauszufinden, welches Büro die meisten oder die besten Häuser entworfen oder gebaut hat. Die Arbeit Volker Röhrichts erschien mir zum Zeitpunkt des Büroendes allerdings eine Erwähnung wert. Vielleicht gibt es später auch mal eine Gelegenheit, hier ein anderes Büro näher vorzustellen.
Weil Röhrichts Entwurfsarbeit 2026 wohl nun zu Ende gehen wird, sollte der Artikel bitte nicht als heimliche „Werbung fürs Geschäft“ aufgefasst werden!
Dietrich Lohse

 

 

 

 

 

 

 

 

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