Wohin mit den Lügen?

Radebeul setzt Museum endgültig vor die Tür

Das Urteil vom Landesgericht scheint eindeutig und war erwartbar: Die Kündigung der Stadtverwaltung sei rechtsmäßig, das Mietobjekt ist herauszugeben. Die Antwort von Herrn Zabka nach der Verkündung des Urteils auf die Frage der ehemaligen Galeristin Karin Baum „Was nun?“ war kurz und bündig: „Jetzt gehen wir nach Hause.“.

Dreizehn Jahre hat nun das Lügenmuseum Asyl im Serkowitzer Gasthof erhalten. Dem gescheiterten Verkauf der städtischen Immobilie im vergangenen Jahr an einen willigen Förderer des Museums folgte postwendend die Kündigung des Mietvertrages durch die Stadtverwaltung. Die Herausgabe des Objekts wurde schließlich von den Zabkas verweigert. Seit dieser Zeit versuchte die Verwaltung dem Problem mit den Gerichten beizukommen. Nun liegt ein vorläufig endgültiges Urteil vor.

Nach Hause? Dieses „Nach-Hause“ existiert nach dem Urteil nicht mehr, hat genaugenommen nie wirklich existiert, weil durch Selbstermächtigung „erworben“. Dieses „Nach Hause“ offenbart aber auch einen ganz anderen Aspekt, der in diesem Urteil explizit nicht enthalten, wenn überhaupt, nur zwischen den Zeilen zu erahnen ist. Es ist das Museum, welches für die Zabkas ihr „Zuhause“, gewissermaßen „ihr Leben“ ist. Es ist untrennbar mit dem Künstlerpaar verbunden. Ihm haben sie bisher ihre ganze Kraft und Engagement gewidmet und es darüber hinaus in den Dienst der Stadtgesellschaft gestellt. Die Stadtverwaltung wiederum hat es vielfältig vermarktet und außer der Aufrechterhaltung der Betriebsfähigkeit des Objektes, dafür keinen Cent ausgegeben müssen. Fairerweise mussten die Zabkas nur für die Betriebskosten aufkommen.

Der Oberbürgermeister weiß genau, dass er mit der nun gerichtlich durchsetzbaren Kündigung den Betreibern die Lebensgrundlage entzieht. Es ist eben nicht so, dass man zu jeder Zeit, an jedem beliebigen Ort, die „Museumszelte“ erneut aufschlagen kann, wie der OB Bert Wendsche den Lesern der Mai-Ausgabe des SAX-Magazin bereits 2022 einreden wollte. Seit 15 Monaten bemühen sich nun Dorota und Reinhard Zabka vergebens um ein neues Objekt. Auch ein vorgeschlagener Aufschub der Kündigung für zwei Jahre, um eine sich im ersten Halbjahr 2025 ergebene Chance für die Zabkas nutzen zu können, scheiterte an der Haltung der Stadtverwaltung.

Warum eigentlich? Will man für unbedeutende 310.000 Euro (ca. 0,4% des HH) den Gasthof erneut anbieten, dessen Verkauf schon viermal gescheitert ist? Oder will man vielleicht über diesen Hebel gleich das ganze Problem „Zabka“ loswerden? Braucht man dieses „Museum“ nicht, welches eine der wenigen innovativen Einrichtungen der Stadt überhaupt und in Europa einmalig ist? Oder ist man unwillig, aufeinander zuzugehen und eine vernünftige Lösung im Sinne der Stadt, deren Einwohner und der Entwicklung des Tourismus‘ herbeizuführen?

Dabei bemüht sich gerade die Stadtverwaltung auf einem anderen Gebiet, ihr Image nicht nur für den Tourismus aufzubessern, wie die im vergangenen Monat erfolgte Auszeichnung mit dem Qualitätssiegel „Familienfreundlicher Urlaubsort“ belegt. Der Tourismus aber befindet sich nach Aussagen des Oberbürgermeisters gegenwärtig in einer „schwierigen Lage“. Die Übernachtungen sind allein in Radebeul gegenüber dem Vorjahr um vier Prozent zurückgegangen. Und mit der endgültigen Vertreibung des Lügenmuseums wird die Stadt für die Touristen nicht interessanter. Ob aber künftig das Karl-May-Museum den notwendigen Schub bringt, ist keinesfalls ausgemacht, wo doch bis 2030 laut der Studie des Staatsministeriums für Wissenschaft, Kultur und Tourismus von 2023 im Freistaat ein weiteres Absinken der Besucherzahlen bei Museen zu erwarten ist, wie auch deren finanzielle Absicherung immer schwierige werden wird. Bisher hatte das Lügenmuseum jedes Wochenende sowie in den Schulferien geöffnet. Zahlreiche Helfer standen bei den vielfältigen Projekten im In- und Ausland zur Verfügung. Das Museum, wie schon erwähnt, hat in 13 Jahren keinerlei Kosten verursacht. Ganz im Gegenteil, mit seinen Angeboten liegt es genau in den vom Ministerium in der Museumsstudie aufgezeigten wichtigen künftigen Handlungsfeldern und Perspektiven, wie u.a.: Entwicklung eines breiten Bildungs- und Vermittlungsangebotes, Öffnung für breite Bevölkerungsschichten, Finanzierungssicherheit und eine beständige Weiterentwicklung der Ausstellung.

Man kann nur hoffen, dass die Kontrahenten doch noch zu einer vernünftigen Lösung finden, und dass das neuerliche Kaufangebot für den Gasthof auf eine positive Reaktion seitens der Stadtverwaltung trifft, um die „Kuh vom Eis“ zu bringen und der Stadt mit ihren Bewohnern die Blamage erspart bleibt.
Beim genauen Hinsehen ist das Urteil des Landesgerichts gar nicht mal so übel, weist es doch das Lügenmuseum als ganzheitliches Kunstwerk aus, das – und so sollte man hinzufügen – nicht zerstört werden darf.

Karl Uwe Baum

 

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