Karikaturenpreis in Radeburg vergeben

Dieser volkstümliche Spruch, der so viel bedeutet wie „hat sich erledigt“ oder „macht mich nicht mehr an“, gewinnt in diesen Tagen eine ganz andere Bedeutung angesichts der Vergaben des „Heinrich-Zille-Karikaturenpreises“ am 11. Januar im Ratssaal der sächsischen Kleinstadt Radeburg.
Dieser jährlich ausgelobte Preis – 2026 unter dem Motto „Jetzt kracht’s! Das Leben ist ein Pulverfass“ – wird von der Stadt Radeburg zusammen mit der Galerie Komische Meister in Dresden vergeben. Und das mit dem „Pulverfass“ haben viele der 60 beteiligten Karikaturisten wörtlich genommen und das gegenwärtige kriegerische „Säbelrasseln“ großer und kleiner Protagonisten des Weltzirkus‘ in ihren Arbeiten mit drastischen wie satirisch spitzen Grafiken zum Ausdruck gebracht.
Die Stadt Radeburg nimmt ihre Verantwortung für den deutschlandweit ausgeschriebenen Wettbewerb sehr ernst. Und so ist es auch nicht verwunderlich, dass die Bürgermeisterin Michaela Ritter gleich nach der Eröffnung durch Mario Süßenguth von der Galerie Komische Meister deutliche Worte zu der aktuellen unverantwortlichen Kriegstreiberei fand. So kritisierte sie „die alte[n] weiße[n] Männer“, die gegenwärtig lieber Panzer produzieren lassen, als marode Brücken zu sanieren. Offensichtlich hat eine weit vom politischen Machtzentrum entfernte Bürgermeisterin aus der Provinz einen klareren Blick auf die weltpolitische Lage, als ein Kanzler, der sich unlängst über einen Piratenakt der USA eine windelweiche Erklärung abgerungen hatte.
Die Stadt als auch die Bürgermeisterin, die von Süßenguth als „unermüdliche sächsische Zille-Botschafterin“ gewürdigte wurde, fühlen sich ihrem großen Sohn und Ehrenbürger, dem Zeichner und Karikaturisten Rudolf Heinrich Zille verpflichtet, ehren ihn mit einem Museum, einer Straße seines Namens und eben mit jenem „Heinrich-Zille-Karikaturpreis“, der dieses Jahr zum achtem Mal vergeben wurde. Zille, dessen Geburtstag sich in zwei Jahren zum 170. Mal jähren wird, hat mit seinen Zeichnungen, die oft keiner weiteren Erklärungen bedürfen, nicht nur Freude bereitet, sondern auch Kritik an den sozialen Verhältnissen Anfang des 20. Jahrhunderts geübt.
Ohne Worte kommt auch die von der Leipzigerin Ulrike Wodner eingereichte und nun mit dem „Heinrich-Zille-Karikaturpreis“ geehrte Arbeit aus. Mit einer gezeichneten Taube und einem ebenso dargestellten Panzer ist schon fast alles ausgedrückt. Nur noch eine Kleinigkeit fehlt: „Drauf geschissen!“.
Die aus der Wut über den aktuellen Zustand der Welt heraus geschaffene Karikatur – so die Schöpferin – könnte konkreter und klarer die Meinungen der Menschen und ihrem Wunsch nach einem friedlichen Zusammenleben nicht ausdrücken. Das Grundgesetz jedenfalls will keinen Staat, der das Militär ins Zentrum der Politik stellt und auch die Bürger nicht. Deshalb lehnen 71 Prozent der jungen Männer im Alter von 16 bis 29 Jahren den Dienst in der Bundeswehr ab. Leider völlig vergessen hat man in der Politik die berühmte Schrift von Immanuel Kant „Zum ewigen Frieden“ aus dem Jahre 1795, der darin den „Krieg als größte Geißel der Menschheit“ beschreibt.
Die Arbeit von Ulrike Wodner wurde von einer 11-köpfigen Jury unter über 500 Einsendungen ausgewählt, deren Themenvielfalt vom „Kampf am Gartenzaun bis zur globalen Bedrohung“ reichte. Der Auszeichnungsakt an jenem Sonntag in Radeburg wurde auch getragen von der ausgezeichneten Laudatio von Andreas Berger vom MDR.
Peter Ufer von der Galerie Komische Meister gab einen kleinen Einblick in die vielgestaltigen Arbeiten der Ausstellung, die im Anschluss an die Ehrung im Zillemuseum zu bewundern war. Sie ist in Radeburg noch bis zum 14. April zu bewundern und wird auch in der Galerie Komische Meister zu sehen sein.
Der „Heinrich-Zille-Karikaturpreis ist ein Werk von Vielen. Neben den beiden Veranstaltern und dem Museum haben bisher sechs Sponsoren den Wettbewerb mitgetragen, aktuell REWE-Petz und von Beginn an das Ideenwerk Radeburg, welches den Publikumspreis ermöglicht.
Die Vergabe des Zillepreises an die Karikaturistin Ulrike Wodner setzt auch ein aufmunterndes Zeichen dafür, unerschrocken für eine friedliche Welt einzutreten.
Karl Uwe Baum

