Die Radebeuler Buchhandlung Sauermann ist für den Deutschen Buchhandlungspreis nominiert
Nicht mal in Ruhe Urlaub kann man machen – so hat Ute Sauermann vielleicht gedacht, als sie Mitte Februar einen Anruf von einer unbekannten Nummer auf ihrem Handy angezeigt bekam. Wie gut, dass sie ranging, denn sonst hätte sie es wohl erst aus der Presse erfahren: Ihre Buchhandlung gehört zu den acht Buchhandlungen in Sachsen, die für den Deutschen Buchhandlungspreis 2025 nominiert wurden, bundesweit sind es 105, nachdem 483 Bewerbungen eingegangen waren. Zum elften Mal zeichnet die Bundesregierung inhabergeführte Buchhandlungen aus, die sich in besonderer Weise um das Kulturgut Buch verdient gemacht haben. Am 19. März sollten eigentlich im Rahmen der Leipziger Buchmesse die Gewinner bekanntgegeben und ausgezeichnet werden, aber zur Überraschung und Entrüstung der Buchhandelsbranche wird daraus nun nichts, was Ute Sauermann am 20. Februar, an dem wir das nachstehende Interview führten, nicht ahnen konnte. Was ist seither geschehen: Kulturstaatsminister Weimer hat einseitig und unbegründet entschieden, drei Buchhandlungen von der Liste der Nominierungen zu streichen, angeblich gäbe es verfassungsrechtliche Bedenken. Trotz Intervention der ganzen Buchbranche blieb Weimer bei seiner Haltung und sagte die Preisverleihung in Leipzig dann kurzerhand ab. Zwar werde es Prämierungen geben, aber die „ausgewählten Buchhandlungen werden Preisgeld und Urkunde auf direktem Wege erhalten“, und für die Gewinner der Hautpreise werde es eine öffentliche Bekanntgabe „in gesonderter Form“ geben, so ließ sein Haus wissen. Vorschau & Rückblick nahm die bevorstehende Ehrung der traditionsreichen Radebeuler Buchhandlung Sauermann (1922 durch Utes Großvater Heinrich Sauermann gegründet) zum Anlass, mit der Chefin ins Gespräch zu kommen.
Herzlichen Glückwunsch zur Nominierung für den Deutschen Buchhandlungspreis! Was bedeutet das für dich und deine drei Mitarbeiterinnen?
Es ist ein Ritterschlag, allerdings ein für uns unerwarteter. Wir hatten uns ja schon einige Male beworben, wurden aber nie berücksichtigt, weshalb wir nun nicht mehr damit gerechnet hatten. Aber natürlich freuen wir uns sehr und nehmen es als Anerkennung für unsere tägliche Arbeit.
Worin unterscheidet sich denn deine Buchhandlung von anderen kleinen Buchhandlungen, was macht euch preiswürdig?
Die Jury entscheidet auf Basis von vier Kriterien, die vorab geprüft wurden. Dazu zählen das Geschäftsmodell, das literarische Sortiment, das Engagement bei der Lese- und Literaturförderung und auch die kulturellen Veranstaltungen. Wir konnten in allen vier Bereichen punkten. Einige Aspekte würde ich gern herausheben. Alle drei Mitarbeiterinnen sind gelernte Buchhändlerinnen, was uns eine persönliche Betreuung der Kunden ebenso ermöglicht wie eine zielgerichtete Auswahl und Präsentation unseres Sortiments. Unsere Schwerpunkte liegen im Bereich Belletristik und Kinderbuch, aber auch regionale Literatur ist bei uns gut vertreten. Tatsächlich schauen wir bei Neuerscheinungen die gedruckten Kataloge der Verlage durch und entscheiden dann ganz eigenständig, was wir einkaufen. Wir gestalten auch Thementische zu bestimmten Anlässen und dekorieren unsere Schaufenster regelmäßig neu. Auch im Hinblick auf Veranstaltungen sind wir aktiv, obwohl wir natürlich in erster Linie Händler und nicht Veranstalter sind. Letztes Jahr hatten wir beispielsweise eine Sachbuchlesung, im Jahr zuvor eine Buchpremiere von Ralf Günther zu seinem Werk „Die Könige von Babelsberg“ und Ende März wird Christoph Kloeble bei uns aus seinem neuen Buch „Durch das Raue zu den Sternen“ lesen.
Du erwähntest vorhin auch die Leseförderung. Wie muss ich mir das konkret vorstellen?
Seit 15 Jahren engagieren wir uns zum Welttag des Buches. Klassen der 4. und 5. Jahrgangsstufen können sich dafür anmelden. Wir zeigen ihnen die Buchhandlung und das Antiquariat, erklären ihnen unsere Arbeit und machen auch ein Quiz mit ihnen. Das sorgt immer für viel Spaß, wodurch die Kinder mit der Welt der Bücher freudbetont in Berührung kommen. Dieses Jahr sind das immerhin 12 Klassen aus Radebeuler Schulen! Zusätzlich stellen wir einmal im Monat unser Antiquariat für ein Angebot der Leseförderung zur Verfügung. Unter qualifizierter Anleitung erhalten Eltern Hinweise und Tipps, wie sie mit ihren eigenen Kindern, denen das Lesen schwerfällt, gezielt üben können.
Welche Ideen hast du zur Verwendung des Preisgeldes, ganz gleich in welcher Höhe es sein wird?
Offen gestanden geht es mir und den allermeisten kleinen Buchhandlungen mehr um die öffentliche Wertschätzung unserer Arbeit als um das damit verbundene Geld, es geht um die Ehre, die mit der Nominierung verbunden ist. Weil die Nominierung auch so überraschend kam, habe ich noch keine konkreten Vorstellungen darüber, wie wir das Geld verwenden. Damit bin ich übrigens nicht allein. In der aktuellen Ausgabe des „Börsenblatt des Deutschen Buchhandels“ wird über uns und drei andere kleine und für den Preis nominierte Buchhandlungen berichtet, und keiner der anderen Inhaber konnte auf diese Frage etwas sagen.
Inwieweit kannst oder musst du in die Zukunft schauen, wenn du an das wirtschaftliche Überleben der Buchhandlung Sauermann denkst?
Wir befinden uns gerade in einer Umbruchsituation im Buchhandelsgeschäft. Letzten Herbst wurde eine Statistik veröffentlicht, wonach seit 2020 etwa ein Viertel aller kleinen Buchhandlungen aufgeben musste. Das hat mehrere Gründe. Einer davon ist die Digitalisierung des Buchhandelsgeschäftes, der wir uns aber stellen und die wir bewältigen müssen. Ein anderer ist die Preisentwicklung. Alles wird teurer, denn Herstellungskosten, Transport- und Personalkosten steigen. Das hat Auswirkungen auf uns. Die Buchpreisbindung sichert ja eine Deckelung des Preises nach oben, aber die Margen für uns Händler werden kleiner, weil die Verlage keine größeren Rabatte geben, nur weil die Kosten steigen. Deswegen kann ich nicht in die Zukunft schauen und sagen, in drei oder fünf Jahren wird die Lage so oder so sein. Im Fachbuchmarkt geht der Trend beispielsweise zur digitalen Veröffentlichung, wodurch ein Marktsegment zunehmend verschwindet. Die Verlage befördern das sogar, woran wir aber nichts ändern können. Aber eines kann ich versprechen: Wir werden alles daran setzen, um die Radebeuler weiter und noch mehr an uns zu binden, sodass sie eben nicht online bestellen, sondern zu uns kommen und sich kompetent beraten lassen. Und wo bekommt man außer Neuerscheinungen auch so eine große Auswahl an antiquarischen Büchern, ergänzt um Grafiken, eine große Weinauswahl und sogar Herrnhuter Sternen? Ein Besuch bei uns lohnt sich also immer, zu jeder Jahreszeit!
Vielen Dank für das Gespräch! „Vorschau & Rückblick“ drückt dir die Daumen und hofft, dass du einen der Hauptpreise erhalten wirst – in welcher Form auch immer du davon erfährst!
Bertram Kazmirowski


