„Mütter gebt von eurem Überfluss“ – das Plakat von Käthe Kollwitz entstand vor 100 Jahren

Schenkung der Originallithografie von Käthe Kollwitz durch Dr. Ursula Schoen ist jetzt im Kollwitz Haus in Moritzburg zu sehen

Repro: Käthe-Kollwitz-Haus

Das Plakat entstand 1926 für die Milchsammelstelle der Frauenklinik Erfurt. Initiiert hatte dies die Ärztin Dr. Marie-Elise Kayser. Im Mai 1919 hatte sie in der Säuglingsabteilung des Magdeburger Krankenhauses Altstadt die erste Frauenmilchsammelstelle Deutschlands ins Leben gerufen. Jahrzehnte existierten diese Sammelstellen in fast allen deutschen Großstädten. Noch heute existieren ca. 20 Sammelstellen in Deutschland nach Marie-Elise Kaysers Vorbild.
Bereits 1921 hatte sich die Ärztin an Käthe Kollwitz gewandt, mit der Bitte um ein Plakat für ihre Spendenaktion in Erfurt.
Käthe Kollwitz schreibt am 16. Dezember 1921:
„Ich finde die Idee glänzend. Sicher ist da ein Weg, die Säuglingssterblichkeit herabzudrücken. Ein Plakat, das für diese Idee wirbt, denke ich mir so, dass eine junge fröhliche Frau mit voller Brust, an der sich ihr eigenes Kind bereits sattgetrunken hat, dass sie aber noch im Arm hat, ein fremdes schwächliches Kind in den anderen Arm nimmt und anlegt…Ich möchte so etwas schon gerne machen – schon weil ich die ganze Idee so glücklich und erfreulich finde – aber doch kann ich es ihnen nicht zusagen… Ich habe jetzt sehr viel Arbeit vor, die ich nicht unterbrechen möchte und kann“.
1923 stehen die beiden Frauen erneut im brieflichen Kontakt. Und wieder ist Käthe Kollwitz beschäftigt mit einer großen Plastik für die Gefallenen des 1. Weltkrieges.

Dr. Ursula Schoen und Katharina Merkel, Vorsitzende des Vereins Käthe Kollwitz Moritzburg e.V., Foto: A. Ackermann-Schopf

Dann endlich 1926 kann die Künstlerin mit der Arbeit beginnen.
Sie schreibt am 31.10.1926: „Liebe Frau Dr. Kayser/ Meine Absage lässt mir doch keine Ruhe und ich möchte nun so sagen: Ich versuche gleich die Sache vorzunehmen. Glückt sie, dann erhalten Sie sie zum 10. November, glückt sie nicht, dann kann ich sie eben nicht, wenigstens jetzt nicht, machen“. Sie bittet um den Text, der auf das Plakat soll.
Sie vereinbarten, einige signierte Vorzugsexemplare der Lithographie zu behalten und zu verkaufen. Den Druckstein überließ Käthe Kollwitz Frau Dr. Kayser.
Eine dieser Lithographien gehört jetzt dem Freundeskreis des Kollwitz Hauses und ist in Moritzburg seit Ende März 2026 zu sehen.
Übergeben wurde sie von Dr. Ursula Schoen im März 2026 zur Mitgliederversammlung des Vereins.
Der Kontakt zu unserem Verein entstand über unser Vereinsmitglied Thomas Emmrich, der Frau Dr. Schoen auf einer Tagung der Diakonie kennen lernte.
Wie kam die Lithographie in den Besitz von Frau Dr. Schoen?
Dr. Ursula Schoen: „Marie-Elise Kayser war die Ehefrau von Konrad Kayser, ebenfalls Arzt in Erfurt. Konrad Kayser war der Patenonkel meines Vaters, Wilhelm Gieseke., aus dessen Nachlass das Bild stammt. Er schenkte es meinen Eltern zur Hochzeit. Wir freuen uns, dass das Bild in Moritzburg nun einen guten Platz findet.“
Der Freundeskreis Käthe Kollwitz Moritzburg e.V. dankt Frau Dr. Schoen ganz herzlich für diese Schenkung und freut sich über die Bereicherung der Ausstellung im Sterbehaus von Käthe Kollwitz.

Petra Grubitzsch, Freundeskreis Käthe Kollwitz

 

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