(K)eine Glosse

Essen Luxus?

Essen, eine jahrtausendalte kulturelle Erfahrung, vermutlich die älteste der Menschheit überhaupt. Sie ist lebenswichtig, lebenserhaltend, ein Grundbedürfnis, kann aber auch lebensvernichtend sein, wenn die Ausgewogenheit fehlt und Nahrung nicht in ausreichender Menge vorhanden ist.

Hungersnöte hat es in der Geschichte der Menschheit unzählige gegeben – bereits im Jahr 1930 v.u. Z. nachgewiesen –, durch Katastrophen, aber auch mutwillig herbeigeführt. Verweigerung von Nahrung als Waffe gegen Andere, Nahrungsverweigerung als Mahnung an unhaltbare Zustände und als Mittel zur Durchsetzung eigener Interessen.

Weil Essen so existenziell ist, verbietet sich damit jedes macht-politischen Spielchen. So die humane Sicht auf das Thema. Freilich sind die Opferzahlen seit dem 1870er Jahrzehnt deutlich zurückgegangen. Die 20.427.013 Toten waren damals fast ausschließlich im asiatischen Raum zu beklagen. Die letzte große Hungersnot in Europa liegt mittlerweile über 200 Jahre zurück (5 Mio. Opfer). Die letzten Katastrophen dieser Art ereigneten sich alle außerhalb Europas. Aktuell sind davon 5,2 Mio. Einwohner in Palästina betroffen. Hunger als Waffe!

Von den Milliarden Menschen, die keinen Zugang zu vollwertigen Lebensmitteln haben, die an Unterernährung leiden, deshalb häufiger krank werden und eher sterben, war noch nicht einmal die Rede. Bis 2030, also in vier Jahren, will die UNO das Problem aus der Welt geschafft haben, dabei stagnieren die Zahlen der Hungernden seit 2020. Schon heute ist klar, dass der Papiertiger UNO dieses Ziel nicht erreichen wird. Wie auch, wenn diese Vereinigung es nicht einmal schafft, die aktuellen Kriege beizulegen, Verursacher vieler Hungersnöte.

Ausreichend zu Essen sollten alle Menschen haben und eben nicht eine Frage des Geldbeutels sein. Das ist aber selbst in den reichen Industrieländern nicht gewährleistet. In der Bundesrepublik gibt es zwar keine Hungersnöte, aber Hunger ist für bestimmte soziale Gruppen durchaus ein Thema. Insbesondere sind diese Menschen von Ernährungsarmut betroffen. Es fehlen ihnen schlichtweg die finanziellen Mittel, um sich ausreichend und gesund zu ernähren. Allein von 2022 auf 2023 sind die Kosten für Lebensmittel um 22 Prozent gestiegen, die für Gemüse gar um 42 Prozent! Nicht zufällig stehen mit der Schwarz-Gruppe (u. a. Kaufland u. Lidl) und Aldi-Süd zwei Besitzer von Lebensmittel-Discountern in der Liste der reichsten Deutschen weit oben. Andererseits landen fast 11 Millionen Tonnen Lebensmittel jährlich auf dem Müll, meist aus privaten Haushalten! Allein ein reichliches Drittel der 2015 in der Bundesrepublik hergestellten 4,5 Millionen Tonnen Backwaren wurde vernichtet. Davon 600.000 Tonnen, die an die Hersteller zurückgegangen sind, begründet durch eine falsche Angebotsphilosophie gegenüber den Vertragsfilialen.

Auch sonst glaube ich, dass wir alle sorgsamer mit Lebensmitteln umgehen könnten, die nächste Dürre kommt gewiss. Müssen wir immer alles zu jeder Zeit haben? Saisonale Angebotsschwankungen scheint man nicht mehr akzeptieren zu wollen, dabei kann die Lebensmittelindustrie den Markt nur zu 82 Prozent abdecken, der Rest muss importiert werden. Die marktbeherrschenden Unternehmen bestimmen das Angebot und beeinflussen somit auch die Ausrichtung der Konsumenten. Die 13 Millionen Bundesbürger, die unterhalb der Armutsgrenze leben müssen, sparen in erster Linie am Essen. Besonders nachteilig wirkt sich das auf die Heranwachsenden aus, aber auch die Erwachsenen werden immer dicker. Bereits 67 Prozent der Männer sind übergewichtig und 23 Prozent davon haben die Diagnose Adipositas! Die Folgekosten kann sich jeder selber ausmalen.

Vielleicht erinnert sich noch einer an den französisch-italienischen Filmklassiger Das große Fressen von Marco Ferreri von 1973? Den sollte man sich mal wieder zu Gemüte führen. Mittlerweile ist „sich-den-Bauch-vollschlagen“ zum Alltag geworden. Machen wir die Schwarz‘, Albrechts und Co. nicht noch „fetter“, als sie ohnehin schon sind, meint

Euer Motzi

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