Exkursionen zu verschiedenen Wappen in unserer Stadt (Teil 3)

Hier finden Sie den ersten Teil und den zweiten Teil unserer Serie.

7. Villa (Weinbergstr. 40)

Weinbergstraße 40, 1894

In der straßenseitigen Einfriedung des Villengrundstücks Weinbergstraße 40 erkennen wir im Schlussstein der Pforte ein nicht alltägliches Wappen. Der Bildhauer arbeitete aus dem Sandstein ein künstlerisches Arrangement aus Gegenständen bzw. Werkzeugen heraus, das spontan an einen Baumeister oder Architekten erinnert – eine Säule, einen Winkel (Richtscheid) und ein Lot (Senkblei) – verbunden mit Dingen, die Schönheit suggerieren – eine Rose, Bänder und Schleifen. Der erste Eindruck ist nicht falsch, denn diese Villa schuf sich 1894 der Dresdner Architekt Oswald Haenel (1842 – 1911). Die Ausführung lag übrigens in den Händen der Firma Gebr. Ziller. Ein zweiter Blick auf das Wappen (respektive auf den Artikel von Frau Schicktanz in V+R 07/10) verrät uns dann aber noch mehr: alles sind zugleich Symbole der Freimaurer, einem etwas geheimnisvollen Männerbund, und in der Tat war Haenel seit 1892 in der Dresdner Loge »Zum Goldenen Apfel« und brachte es da bis zum Meister der Freimaurer. So steht die abgebrochene Säule eigentlich für Tod oder Ende, ist sie aber zugleich umgekehrt, wie hier, deutet das auf einen Neuanfang hin. Der Winkel meint im freimaurerischen Sinne Redlichkeit und Gerechtigkeit und das Lot zeigt Geradlinigkeit und Wahrhaftigkeit im Denken und Tun der jeweiligen Bezugsperson an. In Radebeul ist dieses Wappen einmalig und unterscheidet sich von Adels- und Schmuckwappen, es ist sehr schön gearbeitet und gut erhalten. Weitere Symbole der Freimaurer kann man auch in der Fassadenmalerei der Villa erkennen. Dass das Tor, das vor 1989 unsachgemäß auf »Trabantbreite« vergrößert worden war, wieder das alte Maß und sein ursprüngliches Aussehen hat, verdanken wir der Initiative des heutigen Eigentümers Dr. Jens Wiedemann, der weder mit dem o.g. O. Haenel noch mit dem späteren Eigentümer Dr. von Boetticher, der selbst kein Wappen hinterließ, verwandt ist.

8. Hagensche Villa (Augustusweg 105)

Augustusweg 105, 1908

Ganz im Osten Radebeuls finden wir die von Hagensche Villa (Augustusweg 105), die Architekt Oskar Menzel 1907 entwarf, der Bau war 1908 fertig. Über dem Eingang auf der Nordseite erkennen wir das Wappen des sich hier zur Ruhe gesetzten Oberstleutnant Christian Friedrich Leopold Freiherr von Hagen. Wie mir Herr RA Voigt, der heute das als Kanzlei genutzte Haus zusammen mit seiner Frau besitzt, erklärte, handelt es sich nicht um das Wappen des Oberstleutnant Hans von Erdmannsdorf, der nach von Hagen das Haus besaß. Die Gestaltung des Wappens zeigt ein leicht nach links verkipptes Wappenschild mit Längsstreifen auf der rechten Hälfte und links erhabene, nach einem bestimmten Schema gegliederte Punkte. Darüber folgt eine nach links schauende Helmzier mit zwei Flügeln drauf, seitlich von Wappen und Helm sehen wir bewegtes Rankenwerk. Das Ganze wird schließlich von einer Halbrundwulst gerahmt, die eine Kleeblattform hat. Das Material des Wappens könnte Sandstein oder Stuck sein und hat bei der letzten Sanierung einen einheitlich cremefarbenen Anstrich bekommen. Vor 1989 wurde die Villa mit großem Park als das »Lotte-Rotholz-Kinderheim« genutzt.

9. »Mohrenhaus« (Moritzburger Straße 51)

Moritzburger Straße 51, 1911

Die schlossartige Villa »Mohrenhaus« (Moritzburger Straße 51) hat in Radebeul hinsichtlich der Abmessungen das größte Wappen. Wir finden es über dem spitzbogigen Haupteingang auf der Ostseite, es lohnt sich aber, etwas genauer hinzuschauen. In der langen Besitzerfolge des Anwesens finden wir zwar im 18. Jh. eine adlige Familie von Schonbergk (Schöberg), die am Gebäude kein Wappen hinterlassen hat – es könnte, wenn denn eins dagewesen wäre, aber auch bei späteren Umbauarbeiten, so z.B. 1868 oder 1911, verschwunden sein. Das vorhandene, prächtige Wappen wird von zwei Figuren (Mohren) gehalten, von Blättern und Weintrauben gerahmt und zeigt einen lateinischen Untertitel mit der Jahreszahl 1911. Das innere Wappenfeld ist jedoch leer! Das ist zumindest ungewöhnlich; haben hier spätere Eigentümer aus nicht nachvollziehbaren Gründen etwas durch einen Steinmetz entfernen lassen? Die Recherche ergab nun, dass es so nicht war. Das Wappen war eine Idee des Eigentümers Alwin Bauer (Fabrikbesitzer und Landtagsabgeordneter), der 1910 die Erweiterung und Umgestaltung hauptsächlich des Ostflügels beim Dresdner Architekten Max Herfurt in Auftrag gab. Da Bauer nicht adlig war, sollte das Wappen wohl nur eine schmückende Funktion haben. Ein Blick auf die Bauzeichnung von 1910 verrät, dass zwei Schriftzeilen (nicht lesbar) auf dem Wappenschild vorgesehen, aber niemals ausgeführt worden waren, wie auch spätere Fotos erkennen lassen. Die Nichtfertigstellung kann natürlich am fehlenden Geld gelegen haben. Den heute das Haus als Kindergarten nutzenden Kindern wird das egal sein.

(Fortsetzung folgt)

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3 Kommentare

  1. j. bergner
    Veröffentlicht am Mo, 2. Apr. 2012 um 11:58 | Permanenter Link

    hallo, unter 9. »Mohrenhaus« (Moritzburger Straße 51) findet sich das gleiche bild wie unter 8. Hagensche Villa (Augustusweg 105). das ist wohl nicht so gemeint, oder? VG bergner.

  2. Veröffentlicht am Mo, 2. Apr. 2012 um 13:17 | Permanenter Link

    Vielen Dank für den Hinweis. Das Bild wurde aktualisiert. LB

  3. Oliver Hund
    Veröffentlicht am Fr, 13. Apr. 2012 um 00:15 | Permanenter Link

    Bei dem Wappen Augustusweg 105,handelt es sich tatsächlich um das Wappen der Freiherren v. Erdmannsdorff,s. Siebmacher Bd.2,S.159:Von Rot(Längsstreifen)nach Gold(punktiert)gespalten, Helm mit Wulst,darauf Adlerflug in verkehrten Farben wie Schild,da Helm heraldisch nach rechts schaut,Farben verkehrt dargestellt.Wappen v. Hagen ist ein sprechendes Wappen (Haken).
    Mit freundlichen Grüßen!
    oliver Hund

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