Rückblick und Vorschau auf die wunderschöne Stadt R.

Geplante Bebauung Wasapark (alle weißen Häuser) und das zusätzlich geplante Haus Wasastraße 48,
welches laut Einschätzung Stadtplanungsamt für das Gebiet zu groß wäre! Foto: M. Biegel

Es war einmal eine wunderschöne Stadt mit großen Gärten und geschmackvollen Häusern. Die Menschen erfreuten sich am Werk der Vorfahren und zeigten stolz allen Besuchern den zauberhaften Ort. Doch dann begab es sich, dass erst ein, dann zwei und dann immer mehr neue Häuser gebaut wurden, die so gar nicht zu dem von den Bewohnern und Verwaltern der Stadt gepriesenen Charakter passten. Sie waren viel breiter, höher und langweiliger als alles Dagewesene, ignorierten völlig die Nachbarhäuser und hatten offenbar nur das Ziel, möglichst jeden erlaubten Quadratmeter zuzubauen. Und erlaubt war offenbar sehr viel, kaum ein Fleckchen Grün blieb übrig, wenn ein neues Haus gebaut wurde – sehr zum Ärger der Menschen in der Stadt. Diese verstanden nicht, warum das so sehr gepriesene Stadtbild immer mehr verschwand. Darum gingen sie schließlich zu den Verwaltern der Stadt und klagten ihr Leid. Doch die Verwalter schauten nur traurig zu Boden und erklärten, dass alle diese einzelnen Häuser gebaut werden dürften, denn das erlaube das Gesetz. Darauf gingen die Menschen zu den Herrschern der Stadt, und verlangten, das Gesetz zu ändern. Doch die Herrscher erklärten ebenfalls sehr traurig, dass das Gesetz nur für viele Häuser geändert werden könne, aber nicht für ein einzelnes Haus. So kam es, dass auch neben dem Haus des braven Bürgers Mustermann ein riesiges, neues Haus gebaut werden sollte. Das erschien ihm völlig unpassend. Aber um den neuen Zeitgeist nicht im Wege zu stehen entschied er sich schweren Herzens, ebenfalls die Erlaubnis für ein solches Haus einzuholen. Damit könnte er auch viele moderne Wohnungen vermieten und vom Dach weiter die schönen Elbhänge sehen. Natürlich fragte er die Verwalter der Stadt, aber was würden sie ihm schon antworten? Es waren ja schließlich schon viel größere Häuser vorher gebaut worden. Wie groß war jedoch sein Erstaunen, als ihm mitgeteilt wurde, dass er ein solches Haus an dieser Stelle nicht bauen dürfte, denn es passe nicht in die Umgebung und beleidige die alten Häuser in der Nachbarschaft. „Aber wieso kann denn nur sechs Meter daneben ein viel größeres Haus gebaut werden?“ fragte er ungläubig. „Das lässt sich leicht erklären“, antwortete der Verwalter auf väterliche Weise. „Nebenan würde nicht nur ein riesiges Haus, sondern es werden sehr viele riesige Häuser gebaut – und dafür wurde das Gesetz von den Herrschern der Stadt geändert.“ Das leuchtete dem braven Bürger sofort ein, denn es gibt eben Gleiche und Gleichere. Auch wenn er etwas verwundert war, warum die Herrscher früher immer so getan hatten, als würden sie das Verschwinden der einstmals schönen Stadt mit aller Kraft verhindern wollen.
HINTERGRUND:
Die – unzweifelhaft wünschenswerte – Neubebauung des Wasaparks ist mit sehr großen Gebäuden geplant, welche die bisherige Bebauung der Umgebung völlig ignorieren. Dies geht aus dem im Juni 2021 öffentlich ausgelegten Bebauungsplan Nr. 71 für den Wasapark hervor. Die Häuser haben eine viel größere Grundfläche als die bestehende Bebauung in der Umgebung, sind viel höher und stehen auch viel dichter aneinander. Durch die notwendigen Tiefgaragen für die große Anzahl an Wohnungen bleibt darüber hinaus kaum Platz für Bäume. Da offenbar dieser Haustyp für die Mehrheit der Mitglieder des Stadtrats für diesen Ort passend erscheint, stellte ein Anwohner versuchshalber für ein unmittelbar an den Wasapark angrenzendes Grundstück im Juni eine Bauvoranfrage beim Stadtplanungsamt für die Errichtung eines Hauses, dessen Maße vergleichbar mit der geplanten Bebauung im Wasapark sind. Im August wurde durch das Stadtplanungsamt die Ablehnung der Bauvoranfrage angekündigt. Die Ablehnung wird mit zwei Punkten begründet: Erstens passe das Haus nicht in Umgebung, denn es sei viel zu groß; zweitens beeinträchtige es die denkmalgeschützten Häuser in der Umgebung. Wie ist das nun für einen Radebeuler zu verstehen? Auf der einen Seite scheint es hier GLÜCKLICHERWEISE den Fall zu geben, dass die Stadtverwaltung aufgrund der geltenden Rechtslage tatsächlich den Bau eines überdimensionierten Wohnhauses ohne Gartenflächen verhindern kann. Auf der anderen Seite ist es dann aber völlig unverständlich, wieso Teile des Stadtrates einen Bebauungsplan für den Wasapark forcieren, der genau diese Art der Bebauung auf dem Nachbargrundstück ausdrücklich erlauben würde! Und das, obwohl die Bestandsbebauung in der Umgebung viel kleinere Proportionen aufweist und rund um das Gelände etliche denkmalgeschützte Gebäude stehen! Wird hier mit zweierlei Maß gemessen? Denn bisher wurde uns Radebeulern bei diversen Stellungnahmen – ein Höhepunkt war die Podiumsdiskussion im Bahnhof Radebeul Ost im letzten Jahr – von Vertretern des Stadtrats und der Stadtverwaltung immer wieder ganz klar das offensichtliche Dilemma aufgezeigt. Es gibt bei einzelnen Neubauprojekten in den meisten Fällen für die Stadtverwaltung und auch für Stadträte kaum eine Handhabe, aufgrund der Baugesetzlage steuernd einzugreifen. Somit sind dem Stadtrat anscheinend die Hände beim Baugeschehen in Radebeul gebunden. Allerdings liegt im Falle des Wasaparks die Sache anders. Hier hat der Stadtrat durch die Aufstellung eines B-Plans durchaus die rechtliche Möglichkeit, Akzente für den Erhalt des Charakters unserer Stadt zu setzen. Und in seinem erst im November mit großer Mehrheit beschlossenen „Grundsatzpapier zur Sicherung der städtebaulichen Qualität in Radebeul“ fordert er selber die „Ausnutzung der Grundstücke in einem verträglichen Maß“ und „keine ‚Ausreißer‘ als Orientierungsmaßstab für das Maß der baulichen Nutzung heranzuziehen“. Aber warum, fragt man sich, tut er es dann im konkreten Fall nicht? Das bittere Fazit: Es scheint so, als ob in Radebeul gebaut werden kann, wie man will – zumindest wenn man ein Großinvestor ist.
Markus Biegel
neuerwasapark@gmail.com
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PS.: Wenn Sie auch der Meinung sind, die Bebauung sollte besser in das Umfeld eingepasst werden, können Sie die Petition dazu unterstützen: openpetition.de/!wasapark

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Ein Kommentar

  1. H. Lindner
    Veröffentlicht am Mi, 26. Jan. 2022 um 10:24 | Permanenter Link

    Mangelhafter Internet-Link !
    Warum endet dieser Link mit
    vorschau-auf-die-wunderschoene-stadt-r/ ??

    Der Bezeichnung RADEBEUL sollte schon im Titel enthalten sein ! z.B. so:
    vorschau-auf-die-schoene-stadt-radebeul/

    Dann wird beim googeln nach: schöne stadt radebeul

    auch dieser wichtige Beitrag viel schneller gefunden !

    MfG H. Lindner
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