Petition abgeschlossen

1.433 Unterzeichner fürs Lügenmuseum

Mit dem 5. Oktober dieses Jahre ist eine der interessantesten Petitionen in jüngster Zeit zu Ende gegangen, die wie ein Lackmustest für die kulturelle Verfasstheit der Gesellschaft gesehen werden kann.
Man möge dies nicht falsch verstehen. Nicht, dass hier ein Vergleich oder gar eine Abwägung mit den zehn seit 2016 in Radebeul initiierten Petitionen vorgenommen werden soll. Jede von ihnen hat ihre Berechtigung – auch wenn mitunter das Quorum nicht erreicht wurde –, sind sie doch eine legitime Möglichkeit, den Bürgerwillen öffentlich zu bekunden.
Das trifft natürlich auch für die Petition „Das Lügenmuseum soll im Serkowitzer Gasthof ein zu Hause finden“ zu. An dieser Stelle soll nun nicht die ewige aber mitunter durchaus berechtigte Frage „Ist das Kunst oder kann das weg?“ erneut debattiert werden – ist sie doch längst entschieden. Auch der Frage, warum sich allein in den letzten drei Jahren die Bürger veranlasst sahen, acht Petitionen zu initiieren, will dieser Beitrag nicht nachgehen.

Nun ist ja eine Petition die eine Sache und die Meinung einer Stadtgesellschaft eben eine andere. Nicht jeder Bürger, der eine Meinung hat, ist auch geneigt sie in einer Petition zum Ausdruck zu bringen, also seine Stimme öffentlich zu erheben. Bei Wahlen mag das eine andere Sache sein, aber selbst da gehen eben nicht alle hin. Die Euphorie von 1990 mit 72,8 Prozent Wahlbeteiligung ist längst verflogen. Der schwarze Sonntag bei den Wahlen 2014 mit 49,2 Prozent Urnengängern ist in Radebeul bei der Oberbürgermeisterwahl 2022 mit 48,3 Prozent gar noch unterboten worden.
Deshalb soll vielmehr mit diesen Überlegungen ein Blick auf die Petition selbst geworfen werden.

Nun ist die Sache im speziellen Fall Lügenmuseum doch noch etwas komplizierter. Was auf den ersten Blick wie eine Radebeuler Angelegenheit aussieht, geht eben bei genauerer Betrachtung weit über deren territoriale Grenze hinaus. Um genau zu sein 2.378 Flugkilometer! Die am weitesten entfernte positive Stimme für den Erhalt des Lügenmuseums kommt aus Zypern!
Für den Erhalt der einmaligen Einrichtung haben sich 1.433 Bürger aus acht europäischen Staaten ausgesprochen, die in mehr als 240 Städten und Gemeinden beheimatet sind. Dieses eindeutige Votum spiegelt die Bedeutung dieses Museums für die Allgemeinheit aber auch gleichzeitig die Verantwortung der örtlichen Organe für die Sicherung eines Kulturgutes wider, welches eben nicht nur für die Radebeuler da ist, auch wenn zur Petition das Quorum verfehlt wurde. Das müsste bei allen Entscheidungen immer mit bedacht werden. Damit soll freilich nicht dem plumpen Ruf „Stadt hilf“ gefrönt werden, auch wenn sie nicht ganz aus der Verantwortung herausgehalten werden kann. Dringend ist deshalb anzumahnen, dass gemeinsam nach einer Lösung gesucht werden muss, die dem Lügenmuseum in Radebeul eine Zukunft gibt. Das ist man den 1.433 Stimmen aus halb Europa schuldig! Nicht zu vergessen, auch den 366 Unterzeichnern des Offenen Briefes vom Radebeuler Kultur e. V. an den Stadtrat und den Oberbürgermeister Bert Wendsche, der am 29. März dieses Jahre übergeben wurde.

Karl Uwe Baum

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