Bis zum 1. November dreht ein Wanderbus samt Anhänger (für max. 16 Räder) am Wochenende und an sächsischen Feiertagen fünfmal täglich eine Runde durch Böhmen. Von Pirna/ZOB Steig 9 geht es in Bahratal über die Grenze, bevor an mehreren Stellen in Petrovice/Peterswald, Tisá/Tyssa und Sn?žník/Schneeberg ausgestiegen werden kann, zurück über Rosenthal nach Königstein und genauso in die andere Richtung. Anschluss zur S 1. Zuzüglich zum VVO- oder D-Ticket kauft man beim Fahrer eine Tísa-Tageskarte (Einzelpreis € 2). Landschaften und Aussichten sind fantastisch. Ich habe eine ältere Dame getroffen, die nutzte die Linie für ihre Sonntagsausfahrt. Zielgruppe sind aber Wanderer, Radler, Geschichtsfans, Liebhaber böhmischer Restaurants…oder bitte, wer meinen Anteil an Zigaretten mitrauchen will: „Hier ham se den!“
Ein paar Beispiele für lohnende Ziele. Die Felsenstadt der Tyssaer Wände mit ihren skurrilen Gebilden begeistert selbst Kinder im lauffaulen Alter. Der D??ínsky Sn?žník/Tetschener Schneeberg mit Hotel, Imbissbude und einem besteigbaren Turm (man sieht sogar, bei sehr guter Fernsicht, den Berg vom Blauen Wunder als eine Art Riegel in der Landschaft!) bietet Aussichten bis zum Jeschken, Milleschauer, ja, man sieht sogar die TV-Türme von Wachwitz und Ústí n.l./Aussig. Apropos TV: Prof. Matthias Färber vom Technikum in Bodenbach, jetzt Teil von D??ín, empfing auf dem Berg in 722 müNN die ersten Fernsehbilder auf dem Gebiet der damaligen Tschechoslowakei 1936. Olympische Spiele, Sender Berlin-Witzleben. An diese Olympiade erinnert auch der 1956 direkt an der Grenze in Bahratal aufgestellte Obelisk, denn das Feuer vom Staffellauf Athen – Berlin wurde hier unter Volksfeststimmung übergeben. Völkerverbindung vor der Katastrophe. Wer tiefer in die Geschichte eindringen mag, findet bemerkenswerte Infotafeln zum historischen Leben in Tyssa im Aufstieg zur dortigen Felsenstadt, in Schneeberg zum Schicksal der Wlassow-Armee am Ende des 2. WK, findet sogar den mystischen schwedischen Friedhof aus dem 30-jährigen Krieg am Südhang des Schneeberges. Es gäbe noch viel zu erzählen, aber entdecken Sie nur selber. So, ich sitze im Flieger, einer fast 80-jährigen Tupolew 104, die irgendwann in Peterswald „gelandet“ ist und nicht mehr weg wollte, habe mir ein kühles Bier bestellt. Prost! Und wie geschrieben, selbst wenn Sie nur billige Zigaretten holen wollen…
Tobias Märksch


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