Endlich hat der legendäre VT 18.16.10 in Radebeul ein Zuhause gefunden

Ankunft in Radebeul, Foto: D. Lohse

Unter dieser Nummer lief seit 1965 der neu entwickelte Schnellzug der Deutschen Reichsbahn, bekannt unter dem Namen „Vindobona“, der die Strecke Berlin – Dresden – Prag – Wien und umgekehrt bis 2003 befuhr. Der gleiche Typ Schnellzug wurde auch als „Berlinaren“, „Neptun“, „Karlex“ und „Karola“ auf weiteren internationalen Strecken eingesetzt. Seit 1970 lief der Zug auch als Baureihe 175, Bauart Görlitz. DDR-Bürger durften z.B. den „Vindobona“ bis 1989 nur bis Prag benutzen. International gesehen war der moderne Zug ein Prestige-Objekt der DDR mit dem Valuta verdient werden konnten. Der Prototyp des Zuges wurde 1963 im Waggonbau Görlitz entwickelt und ab 1965 in Serie gebaut. Der Antrieb erfolgte dieselhydraulisch mit 2×900 PS und erreichte Geschwindigkeiten von 140 km/h (sechsteilig), bzw. 160 (vier- u. fünfteilig). Die Ausstattung war sehr bequem und hatte auch ein Speisewagenabteil. Man könnte ihn durchaus als Vorläufer der inzwischen aufgelegten ICE-Züge betrachten, auch wenn er dessen technische Parameter nicht erreicht. Für viele ein Sehnsuchtszug – oft gewünscht, einmal mitfahren zu können!
Nach offizieller Stilllegung aller o.g. Züge 2003 wurden die meisten verschrottet bis auf einen, den VT18.16.10. Die Idee von Eisenbahnfans, die sich ab 2020 unter Mario Lieb als „Club der 175“ formierten, war, diesen Zug zu erhalten und später auch wieder für Sonderfahrten zu nutzen. Ob der Zug bereits einen Denkmalstatus (technisches Denkmal) hat oder bekommen soll, konnte ich über das Landesamt für Denkmalpflege kurzfristig leider nicht in Erfahrung bringen.

Foto: D. Lohse

Foto: D. Lohse

Zwei Oldtimer, Foto: D. Lohse

Inzwischen ist daraus die SVT Görlitz gGmbH mit Förderverein geworden und es war viel Engagement und Arbeit vonnöten. Das Ergebnis steht nun vor uns! Nachdem der Zug die längste Zeit Eigentum der DR (Deutsche Reichsbahn) war, ging er 2019 in das Deutsche Eisenbahnmuseum Nürnberg über. Da er aber für dieses Museum zu groß, bzw. zu lang war, wurde er zeitweilig in Berlin, in Ketzin / Bbg., Chemnitz Hilbersdorf, Lichtenfels/ Oberfranken und Dresden Altstadt abgestellt und in Teilen repariert. Dazwischen lagen mehrere VIS (Inspektionen) in Halberstadt. 2024 wurde beschlossen, nach langer Odyssee in Radebeul Ost neben dem Schmalspurbahn-Museum eine neue Halle als dauerhafte Heimstatt für den VT 18.16.10 zu schaffen. Die für den Neubau in Metallleichtbau mit transparentem Dach 2024 geschätzten Kosten beliefen sich auf 300 000 Euro, die aus dem Fond von ehemaligen Parteigeldern der DDR gespeist werden sollten. Die Halle ist ein zwar großer, nüchterner Zweckbau, der sich aber am Standort Forststraße in das Industriegebiet gut einfügt. Die eingezäunte Halle scheint ausreichend Schutz zu bieten gegen Wetterunbilden (die auch am 14.06.2026 herrschten), gegen Diebstahl und Zerstörung sowie gegen „böse Buben“ mit Spraydosen. Die Halle ist nicht als Museum anzusehen.
Das Fest am 14. Juni wurde gut besucht – ich meine, hier müssten mehr als 500 interessierte Besucher da gewesen sein – es wurden kleine Speisen und Getränke gereicht und es gab fachliche Informationen. Leider war eine vorgesehene Ballonfahrt wegen böigem Wind nicht möglich und das Gelände um die Halle herum noch etwas stolprig. Die Besucher erwarteten sehnsüchtig den von Halberstadt einfahrenden Zug, alle wollten ein gutes Foto „schießen“ – zum Glück hat es dabei keine Verletzten gegeben.

Foto: D. Lohse

Dank an die Veranstalter, es war ein schönes und würdiges Fest! Ein bißchen stolz darf Radebeul sein, so eine Sehenswürdigkeit – den VT 18.16.10 – zu beherbergen.
Einen mir bekannten Radebeuler, den über 90-jährigen Dieter Krause, Eisenbahn- und Straßenbahn-Fan und Leser der Vorschau sah ich nicht im Gelände. Früher hätte er sich so ein Event sicherlich nicht entgehen lassen. Ich grüße ihn mit diesem Artikel ausdrücklich!

Dietrich Lohse

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