Ein Lebenswerk in der Nussschale

Skulpturen, Porzellanobjekte, Zeichnungen und mehr von Wolf-Eike Kuntsche in der Hoflößnitz

Bild: S.Graedtke


Anlässlich seines 85. Geburtstages am 4. Juli zeigt das Weinbaumuseum Hoflößnitz noch bis Mitte August eine Retrospektive mit Arbeiten des Radebeuler Bildhauers und Medailleurs Wolf-Eike Kuntsche. In ihren Worten zur Ausstellungseröffnung am 28. Juni, dem wohl heißesten Tag des Jahres, lud Dr. Ingrid Koch die Anwesenden zu einem sachkundig moderierten virtuellen Spaziergang ein, zunächst durch Dresden. Von Kuntsches Großplastik „Völkerfreundschaft“ (1986) auf der Prager Straße führte der Weg dabei über seine anspielungsreichen Denkmäler für Caspar David Friedrich auf der Brühlschen Terrasse (1988/1990) und für die Familie Körner und ihren Kreis (1985/1987) auf der Neustädter Seite am Bellevue bis hin zu seinem ebenfalls stilllebenhaften Erich-Kästner-Denkmal am Albertplatz. Durch die geschickte Auswahl und Komposition der Versatzstücke, aus denen diese Personendenkmäler zusammengefügt sind, entstehe ein schärferes Bild der jeweils geehrten Persönlichkeit, als es ein konventionelles Porträtbildnis wohl ergeben hätte.

Bild: F.Andert


In Radebeul wurden sodann Kuntsches 1987 im Außenraum des Gymnasiums Luisenstifts an der Zillerstraße aufgestellte stählerne Weintraube und sein Beitrag zum Skulpturenwald an den Landesbühnen („Quintett“, 2009) im Geiste besichtigt. Resümierend stellte Frau Koch fest, dass all diese Plastiken „völlig zeitunabhängig, zeitübergreifend, ja zeitlos“ seien. Und dieses Freisein von vordergründiger Zeitbezogenheit erstrecke sich auf Kuntsches gesamtes Schaffen, das in den letzten Jahrzehnten überwiegend von Plaketten, Medaillen und Kleinplastiken bestimmt war, „oft eine Art Monument im Kleinen“.

„Sehr inspirierend und zugleich erfolgreich verliefen für ihn seit 1980 die Teilnahmen an Symposien und Wettbewerben in Ungarn und Bulgarien. Mehrfach war er Preisträger des Internationalen Symposiums für Medaillenkunst und Kleinplastik in Ungarn (Nyregynaza). 1987 erhielt er in Grabovo (Bulgarien) den Grand Prix für Plastik der VIII. Internationalen Biennale des Humors und Satire. 1988 war er Sieger des 1. Nationalen Medaillenwettbewerbs in der DDR zum Thema Natur und Umwelt und 1989 – da wendeten sich schon die Zeiten – Gewinner des Bürgerpreises der IV. Triennale Kleinplastik in Fellbach.“ Modelle einiger der preisgekrönten Arbeiten sind in der Ausstellung zu sehen. Auch der Wolf-Eike Kuntsche 2004 verliehene Kunstpreis der Großen Kreisstadt Radebeul blieb nicht unerwähnt.

Bild: F.Andert


Seine oft verschmitzt doppelbödigen Plastiken handelten allesamt „vom Menschen, den Bedingungen seiner Existenz, den Künstler eingeschlossen. Und gerade auch in den kleinformatigen Arbeiten wird dies deutlich – etwa den hier ausgestellten Masken, von denen eine unmittelbar 1986 entstand, im Jahr der Katastrophe in Tschernobyl.“

Es sei, schloss Frau Dr. Koch ihre Würdigung, „wirklich erstaunlich, wie hier, in diesen recht kleinen Räumen, letztlich ein ganzes Lebenswerk sichtbar gemacht werden kann – natürlich auch dank der Fotografie. Zu diesem Lebenswerk gehören nicht zuletzt die Ergebnisse eines 2002 veranstalteten Symposiums in der dazumal noch bestehenden Dresdner Porzellanmanufaktur mit Sitz in Freital. Man kann eine Porzellanwurst bewundern und Handwerkszeug aus Porzellan. Vor allem aber fallen die papierfeinen Objekte ins Auge, die wirklich ihresgleichen suchen.“

Frank Andert
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Die Ausstellung ist noch bis 16. August täglich außer montags im Bergverwalterhaus der Hoflößnitz in Radebeul, Knohllweg 37, zu besichtigen. Der Eintritt ist frei.

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