Ein ganzes Dorf feiert seine Geschichte
Einem der charmantesten Ortsteile Radebeuls steht ein besonderes Festwochenende bevor. Am 29. und 30. August 2026 feiert Zitzschewig das 660-jährige Jubiläum seiner Ersterwähnung. Ein historischer Meilenstein, der nicht nur die lange Tradition des Weinbaus in unserer Region widerspiegelt, sondern auch die lebendige Gemeinschaft, die diesen Ort bis heute prägt.

»Radebeuler Begegnungen« von Serkowitz nach Zitzschewig, Begrüßung der Ankömmlinge durch Jörg Tretner, 2009
Bild: K.Baum
Der Ursprung der Feierlichkeiten liegt weit zurück im Spätmittelalter. Es ist der 12. Juni 1366, als eine Urkunde ausgestellt wird, die Zitzschewig erstmals offiziell unter dem Namen Czuzkowicz erwähnt. In diesem historischen Dokument beurkundet das Domkapitel Meißen eine fromme Stiftung: Der Domherr Konrad Pruse bestimmte jährlich vier Schillinge Meißener Groschen für das Gedächtnis und das Fest des heiligen Bischofs Benno. Das Spannende daran ist die Quelle dieses Geldes: Die Summe stammte direkt aus den Zinseinnahmen eines Weinbergs „hinter Zitzschewig“. Damit liefert die Urkunde nicht nur den Altersnachweis für das Dorf, sondern belegt Schwarz auf Weiß, dass der Weinbau hier schon vor 660 Jahren eine tragende wirtschaftliche und kulturelle Rolle spielte.
Das Jubiläumswochenende lädt dazu ein, den historischen Kern des ehemaligen Rundlingsdorfes neu zu entdecken. Das Besondere: Viele Höfe öffnen ihre Pforten und gewähren den Besuchern Einblicke hinter die Kulissen. Wo sonst Privatsphäre herrscht, zieht an diesem Wochenende Geselligkeit ein. Die Eigentümer empfangen die Gäste mit offenen Armen, schenken regionale und überregionale Weine aus und bieten kleine, feine lukullische Spezialitäten an. Es ist eine wunderbare Gelegenheit, bei Speis und Trank miteinander ins Gespräch zu kommen, die vielfältige Architektur des historischen Dorfangers zu bewundern und das einzigartige Flair von Zitzschewig zu genießen.
Das Herz des Festes schlägt auf dem Dorfanger. Gemeinsam wurde hier von den Bewohnerinnen und Bewohnern ein abwechslungsreiches Kulturprogramm auf die Beine gestellt, das Generationen verbindet. Der Startschuss fällt am Sonnabend um 12 Uhr mit einer Eröffnungszeremonie, wobei vor allem auch die Ersterwähnungsurkunde präsentiert wird. Anschließend gehört die Bühne dem Nachwuchs und den lokalen Talenten. Die „Dorfplatzkinder“ führen ein selbstinszeniertes Theaterstück auf, und der Hort Naundorf sorgt mit seiner Line-Dance-Gruppe für Schwung. Weitere Programmpunkte werden vor Ort angekündigt. Am Samstag sind u. a. ab 15 Uhr der Posaunenchor und ab 20 Uhr die „Fiatelle Blaskapelle“ mit von der Partie. Weiter geht es dann am Sonntag um 12 Uhr mit einem gemeinsamen Volksliedersingen und ab 15 Uhr versetzt die Bigband des Gymnasiums Coswig die Festbesucher in heitere Stimmung.
Wer auf der Suche nach Schnäppchen oder Kuriositäten ist, sollte die Versteigerung von Krimskrams aller Art, auf keinen Fall verpassen. Und wenn es am Sonntag abendlich wird, klingt das Fest in gemütlicher Atmosphäre und bei guten Gesprächen am Lagerfeuer aus.
Der Eintritt ist frei. Ein Spendenhut für die Künstler steht bereit. Die Zitzschewiger freuen sich auf die Begegnung mit Gästen aus den anderen Radebeuler Ursprungsgemeinden sowie der näheren und weiteren Umgebung. Die Anreise empfiehlt sich mit S-Bahn, Straßenbahn, Fahrrad oder zu Fuß.
Jörg Tretner

