Dreißig Jahre NOT Schriften

Am 11.10. feierte der Radebeuler NOT-Schriftenverlag in den Räumen der Stadtgalerie, wo an diesem Tag zudem die Ausstellung TankStelle ihren Abschluss bildete, würdevoll seinen 30. Geburtstag. Autoren, Wegbegleiter und Gäste wohnten dichtgedrängt in beiden Etagen der Veranstaltung bei.

Nach einleitenden Worten der Kulturamtsleiterin Frau Dr. Lorenz, gratulierte Thomas Gerlach mit einer Laudatio, wie nachstehend abgdruckt, den Protagonisten des Verlags.

Jens Kuhbandner skizzierte schließlich in seiner Rede ausführlich die Freuden und Mühen in all den Jahren der Verlagsarbeit. Den Abschluss bildeten Zitate einiger Autoren und gaben so ein getreues Abbild ihrer Themen und Schreibkultur.

„Vorschau & Rückblick“ schließt sich den Gratulanten an und wünscht dem Radebeuler Verlag, nun im Herzen von Kötzschenbroda angesiedelt, ein gedeihliches Fortbestehen!

Für die Red. Sascha Graedtke

Laudatio

Drei – zwei – eins – zero – Start und ab.

Das schöne „deutsche“ Wort startup als Bezeichnung für Firmen-Neugründungen klingt in meinen Ohren doch sehr nach Weltraum-Höhenflügen, die mit der Wirklichkeit wenig zu tun haben.

Jens Kuhbandner spricht zur Festveranstaltung »30 Jahre Notschriftenverlag« in der Radebeuler Stadtgalerie, Foto: PR Not-Schriftenverlag

Zum Glück war der Begriff noch nicht üblich, als vor dreißg Jahren Jens Kuhbandner und Falk Wenzel eine Gesellschaft bürgerlichen Rechts bildeten, aus der heraus sie den NOT-Schriftenverlag gründeten. Die NOT-Wendigkeit dafür ergab sich aus der Fülle des vorhandenen Materials.

Jens Kuhbanadner ist als Verleger nie in Verlegenheit gekommen, etwa abheben zu wollen; er ist nicht nur bodenständig, sondern auch ständig am Boden geblieben. Das ist vor allem insofern bemerkenswert, als heute allein schon die Vorstellung, es gäbe den Verlag gar nicht, zu Schnappatmung und NOT- Arzteinsätzen geführt haben soll. Hier ging es und geht es nämlich nicht ums große Geld – hier geht es und ging es ums eigene Buch – und vor allem ums gute Buch.

EIN gutes Buch gibt’s auf der Welt – wie schön, daß jeder seins für dieses EINE hält!

Lessing´scher Weisheit folgend ist es die vornehmste Aufgabe eines Verlegers, die Autorin bzw. den Autor in dieser Auffassung zu bestärken. Jens versteht sich auf diese Kunst so feinfühlig, daß wir alle gerne immer wiederkommen.

Immerhin sind in den verflogenen dreißig Jahren rund vierhundert (in Worten: 400) Titel erschienen. Ich will uns nicht mit Statistik langweilen, finde aber die drei folgenden Angaben durchaus erwähnenswert:

Verleger Jens Kuhbandner und Mitbegründer Falk Wenzel verteilen Rosen an die Autoren des Notschriftenverlages, Foto: K. Baum

Das vom Format her größte dieser Bücher mißt 30,5 auf 24,5 cm

Das vom Umfang her dickste hat 720 Seiten –

Nun, und wie angedeutet, das immer wieder schönste ist mein jeweiliges neustes Buch –

Wobei jeder und jede andere von uns NOTschriften-Autoren mit gleichem Recht dieses MEIN sprechen kann. Wir können das gleich mal probieren – mal Hand hoch, wer in den NOT Kreis gehört –

Also: das jeweils schönste ist – – MEIN – – neustes Buch – (wenn wir noch ein bißchen üben, klappts vielleicht zum 40. )

Wäre ich musikbegabt, hätte ich aus uns allen einen Chor geformt, der jetzt und hier den großen Lobgesang anstimmt.

Da ich aber nichts habe, als das Wort, fasse ich mein Anliegen kurz so zusammen:

DANKE, Jens!! Und: Bitte bleib am Boden und uns noch lange erhalten!!

Thomas Gerlach

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