Die Kalender lassen ihre Blätter fallen, und wie wir wissen, wurzeln unsere Monatsnamen im Römischen Reich, sind für die meisten unserer Nachbarn in Europa und sogar bis Wladiwostok ableitbar. Eine poetische Ausnahme bieten mitten im Kontinent die Tschechen (nicht die Slowaken, die bleiben Lateiner) und Polen. Aber Vorsicht, man kann sich dort beim Verabreden sogar verfehlen. Der Blütenmonat findet in Tschechien erst im Mai, in Polen schon im April statt und mit dem Bienenlarvenmonat ist es über Juni und Juli ähnlich. Einzige Parallele ist der November: Listopad. Wörtlich: Blätterfall. Ich höre es rascheln und sehe bunt, finde Zeit für Ausstellungen und Bücher.
Madrid, Orléans, Budapest, Mailand, Parma, Basel, Paris, Oxford, Frankfurt/M., Wien, Rom, London, Karlsruhe, Cambridge, Berlin, Florenz, Straßburg. Nein, Sie finden mich nicht mit dem Shell-Atlas auf dem Sofa, sondern im Winckelmann-Forum (ich sage dazu immer noch „Gobelin-Saal“) der Galerie Alte Meister in Dresden, Tram-Linie 4 hält davor. Die Ausstellung zu Antonio Allegri (ca. 1489 bis 1534), der sich nach seiner Heimatstadt Correggio nannte, ist eine hochkarätige Zusammentrage aus Museen genannter Städte. Italienische Renaissance pur: Ehrfurcht gebietend, aber auch mystisch und sinnenfreudig. Ein Geniestreich der Kuratoren, Logistik, Zusammenarbeit etc. Dresden als Strahlkraft der Kunst mit Corregios Bild „Die heilige Nacht“ (ital. nur „La Notte“) im Eigenbestand.
Sollte es Sie danach zu Kaffee und Kuchen oder etwas Herzhaftem ziehen, die paar Schritte zum „Café Solo“ im Kulti, Eingang Schlossstraße, sind es wert. Betreiber ist René Kuhnt, der auch einiges an Gastro im Kraftwerk Mitte inne hat. Richtig, der spektakuläre Wiederhersteller der Kolbe-Villa in Radebeul. Zum Abschluss noch ein Buch, bevor die Lichter nach Toten-/Ewigkeitssonntag angehen: Ich empfehle „Der Waldmeister“. Nein, keine Bowle und Strauss-Operette aus Heft IV/26, sondern ein kürzlich geschriebenes Werk vom 1955 in Karl-Marx-Stadt geborenen Autor Jens Sparschuh. Kernthema: Kulinarik und Gastro. Er muss sich da gut auskennen, genau so in der bilderkriegend beschriebenen Brandenburger Provinz. Bliebe Oma Tilda, die Sommerferien des Protagonistenknabenego in Radebeul (Wo mag man nur Tildas Häuschen mit Garten verorten? Niederlößnitz?) und ihr handgeschriebenes Kochbuch. Außerdem eduardbilzt und karlmayt es in dem Buch immer wieder. Spannend…
Tobias Märksch
