Exkursionen zu verschiedenen Wappen in unserer Stadt (Teil 2)

Den ersten Teil der Serie lesen Sie hier.

3. „Haus Sorgenfrei“, Augustusweg 48

„Haus Sorgenfrei“, Augustusweg 48, 1783

Es gibt ein Adelswappen in Radebeul, das zwei-, genau genommen sogar dreimal existiert! Das ist das Wappen des Freiherrn Christian Friedrich von Gregory, der als Bankier arbeitete und durch Unterstützung von Prinz Max von Sachsen den Adelstitel erhielt. Natürlich wollte er nun auch entsprechend wohnen. So ließ er sich 1783 das kleine Weingut seines Vaters in Oberlößnitz zu einem schlossähnlichen Herrenhaus, heute Augustusweg 48 um- und ausbauen. Der Name „Haus Sorgenfrei“ bürgerte sich dafür erst im frühen 19. Jahrhundert ein. In Wirklichkeit war es für den Bankier nicht immer sorgenfrei, denn er musste nach geschäftlichen Schwierigkeiten um 1809 einen Teil seiner Besitztümer, darunter Schloss „Wackerbarths Ruhe“, wieder verkaufen. Vor dem Haupteingang von „Haus Sorgenfrei“ finden wir auf einem Bogen von hölzernem Lattenwerk das Wappen des Freiherrn: ein Kranich mit goldener Kugel, darüber ein liegender Halbmond und ein sechsstrahliger Stern. Daneben erkennen wir das Wappen seiner Frau, einer geborenen Frederici: ein Greif mit Palmwedel. Beide in Holz gearbeitete Wappen sind gegeneinander leicht verkippt und bilden ein so genanntes Allianzwappen. Der Greif begegnet uns übrigens noch einmal in der vergoldeten Wetterfahne.

Schloss „Wackerbarths Ruhe“, heute Wackerbarthstraße 1, 1798

Das von Gregory’sche Wappen befindet sich auch an der Brüstung des Belvedere von Schloss „Wackerbarths Ruhe“, heute Wackerbarthstraße 1 – Ch. F. von Gregory besaß dieses von 1798 bis 1809. Es besteht aus einer annähernd quadratischen Sandsteinplatte, das reliefartige Wappenbild steht auf einer stilisierten Felskuppe und wird von zwei Hunden gehalten. Im Wappenschild ist wieder der auf einem Bein stehende, nach links blickende Kranich mit der goldenen Kugel zu erkennen. Darüber sehen wir eine siebenzackige Krone, eine Helmzier abermals mit Krone, den Halbmond und Stern sowie seitliches Rankenwerk. Der Erhaltungszustand des leicht patinierten Sandsteins ist sehr gut, was damit zusammenhängt, dass dieses Wappen im Rahmen einer Sanierung in den 50-er Jahren des 20. Jahrhunderts erneuert, also kopiert worden ist. Das Fragment des alten Wappens wurde damals durch den Baumeister geborgen und steht so in einem Radebeuler Privatgrundstück.Freiherr Oliver von Gregory, dem ich für seine Auskünfte danke, ist ein weitläufiger Verwandter des o.g. Bankiers und wohnt seit ein paar Jahren in einem Radebeuler Haus ganz ohne Wappen.

4. Weingut „Paulsberg“, heute Paulsbergweg 21

Weingut „Paulsberg“, heute Paulsbergweg 21, 1853

Seit dem 18. Jahrhundert hatte das Weingut „Paulsberg“, heute Paulsbergweg 21, einige Besitzer, die mehr oder weniger das Anwesen verändert und geprägt haben. Die sich bis heute erhaltene repräsentative Mittelachse der Südseite, einschließlich eines Wappens, geht hauptsächlich auf den Eigentümer Kurt Ewald von Germar zurück. Der Inhalt des Wappenschildes ist eine Bütte, ein Holzgefäß mit Trageriemen, wie es früher (heute seltener) die Winzer benutzen. Da Freiherr von Germar Besitzer mehrerer Weinberge war, hat das simple Wappen sogar Sinn. Unter dem Wappenschild erkennen wir die Jahreszahl 1853, über dem Wappen eine Helmzier mit siebenzackiger Krone und weiter darüber ist schließlich noch ein Ritterarm mit Palmwedel (?) zu sehen. Seitlich gerahmt wird das Wappen durch Rankenwerk und von Germars Initialen K.E.v.G.. Ob das Wappen ursprünglich farbig gefasst war, ist nicht bekannt. Nach Sanierung und Umbau dienen seit etwa 2001 die Gebäude zu Wohnzwecken für mehrere Familien, von denen keine einen verwandtschaftlichen Bezug zu Freiherr von Germar hat.

5. Landhaus, Waldstraße 20

Landhaus Waldstr. 20

Moritz Ziller entwarf und baute 1861 das Landhaus Waldstraße 20, neuerdings als Nr. 20f bezeichnet, für den Bergwerks- und Rittergutsbesitzer Friedrich Henning von Arnim (1804- 1885). Dieser Freiherr von Arnim ist nur sehr weitläufig mit dem Dichter Achim von Arnim (Ehemann der ebenfalls aus der Literatur bekannten Bettina v. A.) verwandt. Das im Volksmund so bezeichnete „Haus Arnim“ in der Waldstraße zeigt über dem Eingang das von Arnimsche Familienwappen in Sandstein – im Original ein rotes Schild mit zwei silbernen Querbalken. Ob dieses Wappen früher einmal farbig angelegt war, ist nicht bekannt; heute ist es sandsteinfarben gestrichen. Über dem Wappenschild steht ein frontaler Ritterhelm, der ursprünglich wohl zwei Hörner hatte (bis 2002 war das linke Horn noch vorhanden, seitdem fehlen leider beide). Seitlich wird das nicht sehr große Wappen durch filigranes Blattwerk verziert, darunter ein gewelltes Spruchband mit H. v. Arnim. Heute bietet das Landhaus nach Sanierung Wohnung für mehrere Familien.

6. „Villa Sarolta“, Schildenstraße 2

„Villa Sarolta“, Schildenstraße 2, 1882

Die „Villa Sarolta“ wurde durch Baumeister Julius Otto Schließer 1872 errichtet und bereits 1877 erweitert und aufgestockt. Das Haus hat sicherlich schon bessere Zeiten erlebt als heute, ganz sicher 1882 als es die Gräfin Caroline von Blanckenstein besaß, deren Wappen wir auf der Ostseite des Turms finden. Ob es einst farbig gefasst war, ist nicht zu erkennen. Das Wappen, wohl aus Sandstein, ist vor die Fassade gesetzt und zeigt ein längs geriffeltes Feld mit acht Rauten in drei Zeilen (oben 2 Rauten, darunter 4, unten wieder 2), seitliche Zier (u.a. Lorbeer) und eine Grafenkrone mit neun Zacken, heute Hellocker überstrichen. Es ist nicht anzunehmen, dass Nachfahren der Gräfin heute noch im Hause wohnen – der Versuch einer Kontaktaufnahme im Dezember 2011 war gescheitert.

(Fortsetzung folgt)

Nachtrag:

Obere Bergstr. 30a, Anfang 21. Jh.

Von einem im vorangenen Beitrag erwähnten Gebäude im Grundstück Obere Bergstr. 30a sind wir unseren Lesern noch die Abbildung eines Wappens schuldig geblieben. Es befindet sich erst seit wenigen Jahren am nicht einsehbaren Anbau des Zwischengebäudes (vormals Remise). Es stellt das stilisierte Minckwitz-Wappen dar. (detaillierte Beschreibung vgl. „Vorschau“ Februar 2012.)

schlechtbescheidenmittelmäßiggutexzellent (1 Wertung(en), Durchschnitt: 5,00 von 5)
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Ein Kommentar

  1. AlbrechBlanckenstein
    Veröffentlicht am Mi, 25. Dez. 2013 um 17:51 | Permanenter Link

    6. „Villa Sarolta“, Schildenstraße 2
    ie „Villa Sarolta“ wurde durch Baumeister Julius Otto Schließer 1872 errichtet und bereits 1877 erweitert und aufgestockt. Das Haus hat sicherlich schon bessere Zeiten erlebt als heute, ganz sicher 1882 als es die Gräfin Caroline von Blanckenstein besaß, deren Wappen wir auf der Ostseite des Turms finden. Ob es einst farbig gefasst war, ist nicht zu erkennen. Das Wappen, wohl aus Sandstein, ist vor die Fassade gesetzt und zeigt ein längs geriffeltes Feld mit acht Rauten in drei Zeilen (oben 2 Rauten, darunter 4, unten wieder 2), seitliche Zier (u.a. Lorbeer) und eine Grafenkrone mit neun Zacken, heute Hellocker überstrichen. Es ist nicht anzunehmen, dass Nachfahren der Gräfin heute noch im Hause wohnen – der Versuch einer Kontaktaufnahme im Dezember 2011 war gescheitert.

    Bitte um Nachricht bezüglich dieser Villa an obige E-mailadresse.

    MFG

    Albrecht Blanckenstein

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  1. […] finden Sie den ersten Teil und den zweiten Teil unserer […]

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