EINE BILZ-IDEE, den Menschen helfen zu wollen und dabei noch Geld zu verdienen

Friedrich Eduard Bilz’ (1842-1922) Leitspruch war „Die Natur war mein Leitstern“, so zu lesen auf der Familiengrabstätte auf dem Friedhof Radebeul-Ost.

Emaille-Werbeschild Foto: D. Lohse

Bilz stammte aus Arnsdorf bei Penig und war auf autodidaktischem Wege Naturheilkundler geworden. Er war kein Arzt, er „sprang auf den Zug auf“, der in Deutschland in der 2. Hälfte des 19. Jh. u.a. durch Sebastian Anton Kneipp (1821-1897) in die Spur gebracht worden war. Das war damals eine starke Bewegung, teilweise jedoch von studierten Medizinern beargwöhnt.
Zunächst wurden von ihm die Ideen zur Naturheilkunde in Buchform gebracht – das Bilz-Buch erschien in mehreren Fassungen, Auflagen und auch Übersetzungen, hatte also große Verbreitung gefunden. In einem anderen Buch „Der Zukunftsstaat – Staatseinrichtung im Jahr 2000“ gab er seiner Fantasie freien Lauf. Alle die, die dann 2000 erlebt haben, können beurteilen, was von Bilz‘ Vorahnungen eingetreten ist. Mit der Gründung des Bilz-Sanatoriums (1892 eröffnet) in Radebeul, heute Eduard-Bilz-Straße 53, strebte er mit Licht, Luft und Wasser eine gesunde Lebensweise an und setzte sie hier vorbeugend und zur Gesundung seiner Patienten und Kurgäste ein. Der Faktor Licht war in Oberlößnitz insofern gegeben, weil hier für Sachsen die meisten Sonnenstunden im Jahr registriert wurden. Schließlich bezeichnete man die Lößnitz touristisch gern als „sächsisches Nizza“. Die Luft, sein zweiter Faktor, dürfte um 1900 hier auch noch sauber gewesen sein, denn die Chemiebetriebe liefen noch nicht auf Hochtouren, wie das dann in der DDR zu erleben war. Der Faktor Wasser war zunächst durch Quellfassungen im

Foto: D. Lohse

Strakengrund abgesichert, später (1905) kam dann noch das Bilz-Bad im Lößnitzgrund mit der „Undosa Wellenmaschine“ dazu. Außer den drei Säulen seines Tuns um die Gesundung der Menschen hatte er noch ein paar flankierende Ideen, die wohl eher in Randbereichen wirksam wurden. In das Unternehmen von F. E. Bilz war die ganze Familie stark eingebunden, Friedrich Eduard Bilz war der Chef und Besitzer, Sohn Ewald (1872-1941) leitete den Bilzverlag, Sohn Alfred (1877-1939) war Direktor des Sanatoriums und Sohn Willy Johannes (1884-1965) kümmerte sich um das Bilzbad.
Da Bilz die schädliche Wirkung von Alkohol erkannt hatte und selbst keinen Alkohol getrunken haben soll, wollte er seinen Gästen und Patienten außer Wasser noch ein anderes nichtalkoholisches Getränk anbieten. Er entwickelte eine Bilz-Limonade, konnte sie aber nicht in größeren Mengen herstellen. Deshalb sollte diese Limonade bei der Firma „Sinalco“ in Detmold für ihn produziert werden. Eine Weile lief das ganz gut. Außerdem meinte Bilz, dass die Menschen damals zu wenig Salz, bzw. Mineralsalz zu sich nahmen und das zu einer Mangelerscheinung führen würde. Heute ist das möglicherweise anders, man isst eher zu viel Salz, weil es für den Verbraucher auch unsichtbar in vielen Fertig- oder Halbfertigprodukten enthalten ist. Deshalb ließ Bilz ein Nährsalz entwickeln und im Kurbetrieb dosiert verabreichen und auch im Handel u.a. in 1kg-Blechdosen vertreiben.

Salzmühle, heute verschrottet Foto: D. Lohse

Zu dem Salzthema im Bilz-Sanatorium habe ich noch ein paar Erinnerungsstücke gefunden und will einige Gedanken zum Thema niederschreiben. Woher Bilz das stückige Rohmaterial an Salz bezog, ist heute nicht mehr nachweisbar, war es vielleicht Meersalz und damit jodhaltig? Auf jeden Fall musste man dieses Salz zerkleinern, ehe es den Patienten verabreicht werden konnte. Dazu wurde eine große Salzmühle (etwa 5m hoch, 3m breit und 4m tief) angeschafft und wegen der Bedienung von oben mit einer eisernen Wendeltreppe versehen. Als Standort der Mühle bestimmte Bilz den Wintergarten auf der Westseite seiner Villa Augustusweg 110. Mit dieser Entscheidung dürfte sich Bilz über die im Wintergarten herrschenden klimatischen Verhältnisse hinweggesetzt haben, aber irgendwie musste es eine Zeit lang funktioniert haben. So war bis auf Weiteres der Wintergarten für Wohnen oder repräsentative Zwecke nicht mehr nutzbar, zumal, weil beim Mahlen auch Lärm und Staub entstanden sein dürften, was jedoch nur in gewissen Zeitabständen erfolgte. Als dann ab 2006 die Sanierung des Gebäudeensembles Bilz-Villa (sogen. „Jägerberg“) begann und das Ziel die Schaffung hochwertiger Wohnbereiche war, stand dann die alte, etwas verrostete Mühle im Wege. Etwa ein Jahr liefen die Bemühungen seitens der Bauleitung, des Landesamtes für Denkmalpflege und mir Interessenten für diese Maschine zu finden. Die Mühle hätte vielleicht das Zeug zu einem technischen Denkmal gehabt, hat aber offiziell diesen Status nie erhalten. Wir konnten keinen Handwerker oder Kleinbetrieb ermitteln, der die Mühle wieder flott machen und nutzen wollte oder eine museale Einrichtung, wo sie zum Thema des Museums gepasst hätte. Ein Heimatmuseum gab und gibt es ja in Radebeul nicht. Eine Möglichkeit zur längeren Zwischenlagerung der Salzmühle fand sich im Grundstück auch nicht, so dass sie schließlich leider verschrottet werden musste. Zumindest habe ich die alte Maschine im Wintergarten noch mal fotografieren können.
Dann war da noch ein altes (Ende 19. Jh.) Werbeschild – ein mehrfarbig bemaltes Blechschild – das für den Kauf von Bilz-Nährsalz warb, darauf sind alle ehemals mit dem Kurbetrieb verbundenen Gebäude in Radebeul in einem idealisierten Landschaftsbild vereint. Neben den bei Sammlern besonders begehrten Emaille-Werbeschildern (z.B. Kaffee Hag oder Felsenkeller Bier) gab es auch die etwas einfacheren, bemalten Blechschilder. Es ist ein Wunder, dass unser über 120 Jahre altes Schild noch so gut erhalten ist!

Bilz-Villa (sogen. »Jägerberg«), Wintergarten, Augustusweg 110 Foto: D. Lohse

Und schließlich hatte ich im Erdaushub einer Rohrverlegung im Grundstück Augustusweg 110 auch noch einen Salzstreuer aus den ehemaligen Speiseräumen des Sanatoriums gefunden, gesäubert und aufgehoben. In einer Grube waren wohl am Ende des Sanatoriumsbetriebes, um 1940, etliche Salzstreuer auf diese Art entsorgt worden, wobei aber nur wenige ganze Glasbehälter gegenüber vielen, z.T. zerbrochenen Porzellandeckeln durcheinander lagen. Ich fand aber schließlich noch ein passendes Paar. Der Salzstreuer sieht auf den ersten Blick fast edel aus, das achtkantige, sich nach oben hin verjüngende Glas erinnert an geschliffenes Kristallglas, stellt sich aber beim näheren Betrachten als Preßglas heraus. Der abschraubbare Porzellandeckel (kein Markenporz.) hat oben acht kleine Löcher zum Streuen und eine von der Seite lesbare Umschrift „BILZ-TAFEL-NÄHR-SALZ Für Blut & Nerven“. Der Salzstreuer ist ein handliches Gefäß, das wohl industriell hergestellt worden war – für ein Sanatorium in Oberlößnitz angemessen, ein ähnliches Haus in Davos hätte sicher echtes Kristallglas als Salzstreuer gehabt. Soweit meine Gedanken zu einem kleinen Stück Bilzgeschichte, die so nicht wiederkommen dürfte.

Dietrich Lohse

Quellen: 1. „Friedrich Eduard Bilz – Altmeister der Naturheilkunde in Sachsen“, Jürgen Helfricht, Druckerei
Thieme Meißen, 1992
2. „Stadtlexikon Radebeul“, A. Karnatz u. Kollektiv, Große Kreisstadt Radebeul, 3. Auflage, 2021

 

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