Da ein Helm in Baden-Württemberg und hier Radebeul

Eigentlich hätte dieser Artikel bereits im Märzheft erscheinen können, doch genau da begann der Krieg, den Wladimir Putin in der Ukraine begonnen hatte. Ein Kriegsbeginn und in unserem Heft ein Helm, wenn auch historisch, das paßte nicht! Daraufhin hatten wir in der Redaktion beschlossen, den Text zurückzustellen. Da ein Ende des Krieges leider nicht abzuschätzen ist, wollen wir nun doch unseren Artikel bringen.

Da ein Helm in Baden-Württemberg und hier Radebeul – wie geht das in einem Text zusammen?

Foto: L. Trautmann

Eigentlich hatte ich das etwas kafkaeske Thema (ich bin nicht so für’s Militär – und hier geht’s um ein „hohes Tier“ der sächsischen Armee) gar nicht auf meinem Zettel, gemeint ist der Plan, worüber ich in nächster Zeit für die Vorschau schreiben möchte. Andererseits habe ich hier schon über diverse Hobbys geschrieben, wie das Sammeln von Münzen oder Briefmarken. In die Reihe würde ja das Militaria-Sammelgebiet passen, auch wenn es etwas spezieller ist. Und ich denke mal, Militaria-Sammler müssen ja nicht zugleich Militaristen sein, oder?
Eines Tages im Herbst 2021 bekam ich einen Anruf von einem Bekannten aus Vaihingen, dessen Stimme freudig erregt klang, als er mir sagte, dass er gerade einen prächtigen Generalshelm für seine Uniformen- und Militaria- Sammlung erworben habe, den im 19. Jh. ein General der sächsischen Armee getragen hat. Über den Erwerb eines solch seltenen Stückes und den Preis schweigen Sammler meist, so auch hier. Die Person, der dieser Helm einst gehörte, war Adolf von Rabenhorst (1846-1925), damals General der sächsischen Artillerie. Gratuliere, sagte ich, aber wieso rufst du mich da an? Nun, dieser sächsische Offizier soll nach seiner Abdankung in einem Radebeuler Stadtteil gewohnt haben. Deshalb bat mich der Sammler, ob ich als „alter Radebeuler“ wüsste oder ermitteln könnte, wo genau der Wohnsitz des Herrn von Rabenhorst gewesen wäre, in Ober- oder Niederlößnitz.
Auf Anhieb wusste ich das nicht und ich habe es eigentlich, wie schon oben angedeutet, auch nicht so mit dem Militär. Also musste ich wieder mal in die Recherche gehen. Überraschenderweise war das Stadtarchiv, das ich zuerst kontaktierte, etwas kurz angebunden und verwies mich an das neu aufgelegte Stadtlexikon. Da das in meinem Regal steht, fand ich einen von Rabenhorst, aber es war leider nicht der Gesuchte, sondern sein Vater Bernhard von Rabenhorst (1801-1873), auch General, jedoch der Infanterie. Zum Sohn Adolf von Rabenhorst wusste das Stadtlexikon nichts zu sagen.

Wohnhaus Ledenweg 34 Foto: D. Lohse

Der Hinweis im Stadtlexikon, dass Bernhard von Rabenhorst in Schloss Hoflößnitz gewohnt hätte, erwies sich als falsch. Zutreffend als Wohnsitz dieses Offiziers könnte eher Oberlößnitz gewesen sein, wie mir Frank Andert sagte. Er hätte in anderem Zusammenhang schon ähnliche Verwechslungen erlebt – Oberlößnitz ist ein Stadtteil von Radebeul und die Hoflößnitz ist ein bekanntes Grundstück und Bauensemble in Oberlößnitz. Nur am Rande möchte ich erwähnen, dass Bernhard von Rabenhorst, also der Vater, 1848/49 als Befehlshaber des mobilen Korps der Reichstruppen eine aus heutiger Sicht unrühmliche Rolle bei der Niederschlagung der Maiaufstände gespielt hatte. Damals war es aber für seine Karriere dienlich, er wurde dann sogar sächsischer Kriegsminister und 1856 in den Adelsstand erhoben – Sachen gibt’s!
Doch zurück zu seinem Sohn Adolf von Rabenhorst. Der ehemalige Träger des Helms hatte offenbar eine geschichtlich weniger spektakuläre Rolle gespielt als sein Vater. Als General kommandierte er das 2. Feldartillerie-Regiment der sächsischen Armee. 1904 ging er in den Ruhestand und ließ sich dann 1910 in Niederlößnitz nieder. Im Adressbuch der Gemeinde wurde ich hinsichtlich der Adresse nicht fündig. Ein Brief an das Militärhistorische Museum Dresden brachte mich aber der Lösung ein kleines Stück näher. Frank Andert, der Leiter des Museums Hoflößnitz, kannte dann die Hausnummer und wusste auch, dass sich der Straßenname mal geändert hatte, ein Dankeschön an ihn. Der General a.D. wohnte in der damaligen Schulstraße 24 zur Miete, die Adresse des gleichen Hauses wurde später in Ledenweg 34 geändert. Er war verheiratet mit Frau Margarete von Rabenhorst, geb. Freiin von Hausen (1850-1918). Ob Kinder zu der Familie gehörten ist mir nicht bekannt. Ich habe keine Hinweise gefunden, dass er in der Niederlößnitzer Zeit noch Ämter begleitet hätte oder anderweitig in Erscheinung getreten wäre. Als sicher ist anzunehmen, dass er dem Kötzschenbrodaer Militärverein angehört hat. Auch ein Bild oder Foto von ihm konnte ich leider nicht finden, wir müssen uns also mit einem Foto seines prächtigen Helms begnügen. Das Grab des Ehepaares von Rabenhorst fand ich auf dem Dresdner Garnisonsfriedhof, heute auch als Nordfriedhof bekannt.
Besonders die Gemeinden Ober- und Niederlößnitz waren um 1900 als beliebte Ruhesitze für Adlige, Industrielle, Staatsdiener und auch Offiziere bekannt. Leute, die meist in Dresden oder anderen Orten ihr Geld verdient hatten, und sich dann gern in der Lößnitz einen Alterssitz suchten und meist auch fündig wurden. Das führte zu einer zeitweilig ungünstigen Altersstruktur in diesen Gemeinden, sie waren etwas überaltert.
Als ich meinem Bekannten schließlich die gewünschte Adresse durchsagen konnte, überraschte er mich mit der Meldung, dass er gerade jetzt auch die Uniform eines sächsischen Generals erwerben konnte, die zwar nicht Adolf von Rabenhorst getragen hatte, aber doch dienstgradmäßig zu og. Helm passt. Das nenne ich Sammlerglück!
In einem Radebeuler Reformhaus sah ich gesunde und schmackhafte Säfte, die ich schon probiert hatte, von gleichem Namen, aber einen Zusammenhang zu den o.g. hohen Offizieren konnte ich nicht herstellen.

Dietrich Lohse

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